Medizintechnik: Herausforderung und Grenzen

Vor allem am Anfang und Ende des Lebens zeigt die Medizintechnik ihre Möglichkeiten: von der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik bis hin zur High-End-Intensivmedizin reicht das Spektrum. Neben dem klassischen Bereich „Gerätemedizin“ deckt die biomedizinische Technik aber auch die Forschung und Entwicklung von biokompatiblen Materialien ab, die zum Beispiel für die Herstellung künstlicher Herzklappensysteme oder Zahn- und Knochenimplantate verwendet werden, bis hin zur Züchtung von künstlichen Geweben und Organen. Mit der Stammzellenforschung verbinden sich Hoffnungen auf ein längeres Leben, das nicht durch Alterskrankheiten gezeichnet ist. Dank der molekularen Forschung ist heute die Analyse von Tausenden Biomolekülen wie ­Genen, Proteinen oder Metaboliten problemlos möglich und eine breite Palette von molekularen Tests hat Einzug in die Routinediagnostik gehalten.

Im Dienste des Patienten

Forschung am Herzen – von der Entwicklung neuer Methoden zur Unterstützung der molekularen Diagnostik bis hin zu Verfahren für die funktionelle Herzdiagnostik und interventionelle Therapie – ist einer der wesentlichen Schwerpunkte der Forschungsarbeit an der UMIT gemeinsam mit Instituten, Kliniken und Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. „Eines unserer Forschungsziele ist beispielsweise, neue Biomarker zur raschen Diagnose eines Herzinfarktes zu identifizieren“, so Baumgartner. „Aus der Diagnostik bekannte Biomarker wie Troponin T und I oder die Creatinkinase MB sind ja erst circa drei bis vier Stunden nach dem Infarkt nachweisbar. Wir versuchen, Biomarker zu identifizieren, die bereits wenige Minuten nach dem Herzinfarkt eine signifikante Signatur aufweisen und somit vielversprechende Kandidaten für künftige akutdiagnostische Tests darstellen könnten.“ Das ermöglicht in weiterer Folge raschere therapeutische Maßnahmen.
Ein weiteres Forschungsprojekt befasst sich mit der Kryoablation bei Herzrhythmusstörungen, also dem gezielten ­Veröden von arrhytmogenem Herzmuskelgewebe durch Schockgefrieren. Das wissenschaftliche Hauptziel ist ein speziell auf Herzmuskelgewebe fokussiertes Verständnis des Zelltods bei der Kryoablation, welches die Übertragung von Ergebnissen eines Computermodells auf den In-vivo-Zelltod im Rahmen von tierexperimentellen Untersuchungen zulässt. „Die Behandlungsdauer könnte so drastisch reduziert werden“, so Baumgartner. „Insbesondere die Ausnutzung von kurzen Tauintervallen soll zur Effizienzsteigerung beitragen.“

Medizin und Ethik

Zum Thema Ethik in der Medizin brachte Baumgartner einige Beispiele aus der Praxis. Entspricht die Forderung nach Lebensverlängerung um jeden Preis einem menschlichen Grundrecht, das mit der Menschenwürde vereinbar ist? Wie lange soll in einer intensivmedizinischen Situation, etwa im Koma, behandelt werden? Was kostet das? Viele dieser Themen begegnen uns heute im Alltag und verlangen einen verantwortungsvollen Diskurs: die Organspende, die Definition des Todes, das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, Euthanasie, Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik. Baumgartner: „Vieles, was heute machbar ist, kommt den Menschen zugute, doch bedarf es differenzierter ethisch begründeter Regelungen, damit die Entwicklung der Medizintechnik dem Menschen in seiner Würde dient.“

MP 01|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-02-14