Mehr Bedürfnisse, höhere Anforderungen, kleinere Budgets

Mitte Oktober fand in Brüssel das alljährliche European MedTech Forum statt, diesmal unter dem zeitgemäßen Titel „More needs. Higher expectations. Smaller budgets. Can the European MedTech Industry deliver?“ Strategie, neue Entwicklungen, Patientenorientierung, Market Accesss sowie Regulierungen waren zentrale Themen. Bemerkenswert waren dabei die Zahlen, die zum europäischen Medizinproduktemarkt gefallen sind: So sind letztes Jahr über 10.000 Patentansuchen beim Europäischen Patentamt (EPO) eingereicht worden, das sind sieben Prozent sämtlicher Ansuchen und weit mehr, als irgendein anderer technischer Bereich vorweisen kann. Zum Vergleich: Im pharmazeutischen Bereich wurden ebenso wie im Biotechnologiebereich 5.400 Ansuchen gestellt. Es ist erfreulich, dass der Innovationsmotor der Medizinprodukte-Branche durch die vorherrschenden Sparmaßnahmen (noch) nicht an Drehzahl verliert. Dass dabei Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien als die größten Medical-Märkte Europas identifiziert wurden, ist hingegen wenig überraschend.
Neben den denkbaren positiven Auswirkungen einer effektiven und systematischen Nutzung von „Big Data“ auf die Branche sowie den Visionen hinsichtlich einer prosperierenden Zusammenarbeit mit „educated patients“ erschienen die vom European Patients Forum (EPF) und MedTech Europe präsentierten Vorgaben für patientenorientierte Unternehmen besonders wertvoll und richtungsweisend. Die Eckpfeiler eines funktionierenden und „ehrlichen“ Patienten-MedTech-Dialogs sind demnach, die Sicherheit an die erste Stelle zu positionieren, Zugänglichkeit zu gewährleisten und gegenseitigen Respekt walten zu lassen. Das Ergebnis soll dann die Erfüllung bislang unerfüllter Patientenbedürfnisse sein.
Aufhorchen ließ das MedTech Forum auch mit dem Thema Compliance: Die europäischen Verbände EUCOMED und EDMA empfehlen ihren Mitgliedern den Ausstieg aus der direkten Förderung von „Healthcare Professionals (HCPs)“. Inwiefern sich dies auf die Finanzierung der Aus- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich niederschlägt, wird wohl Gegenstand eingehender Analysen sein.

Ihr

Philipp Lindinger
Geschäftsführer AUSTROMED

AutorIn: Mag. Philipp Lindinger

Geschäftsführer AUSTROMED


MP 05|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-11-06