News zu Infektion & Hygiene: WHO-Liste zu antibiotikaresistenten Bakterien

Die WHO veröffentlichte kürzlich eine Liste von zwölf bakteriellen Erregern, die „die größte Bedrohung der menschlichen Gesundheit“ darstellen. In Fachkreisen wird vor der zunehmenden Resistenzentwicklung gegenüber diesen zwölf bakteriellen Erregern schon seit Jahren gewarnt. Mit der veröffentlichten Liste sollen allerdings weniger Maßnahmen zur primären Verhinderung von Infektionen eingeleitet, sondern Anreize zur Entwicklung neuer Antibiotika gegeben werden.
Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH), betont, dass neben der Verhinderung von Infektionen für bestimmte Erreger die Notwendigkeit neuer therapeutischer Maßnahmen ebenso wichtig ist. Insbesondere wird dies anhand des in der WHO-Liste angeführten Erregers Helicobacter pylori deutlich, der bei Menschen vor allem durch das Hervorrufen von Magen-Zwölffingerdarm-Geschwüren bekannt ist. Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (OEGCH), unterstreicht das: „Wenn man des Resistenzproblems hinsichtlich des Magenbakteriums H. pylori nicht Herr wird, liegt die Vermutung nahe, dass H. pylori-assoziierte Erkrankungen wie Magen-Zwölffingerdarm-Geschwür sowie Magenkarzinom zunehmen könnten. Das hätte eine Steigerung von Magenoperationen zur Folge.“ Das hat weitreichende Auswirkungen, denn jede Operation birgt neben der Hoffnung auf Linderung von Leiden auch das Risiko einer neuen Infektion. „Durch zunehmende Resistenz von H. pylori gegenüber Antibiotika wie Clarithromycin werden gegebenenfalls wieder operative Eingriffe nötig sein, die dann zu Infektionen durch andere Erreger wie S. aureus führen können“, so Assadian.
Um Antibiotikaresistenzen einzudämmen, plädieren die Experten dafür, Antibiotika nur gezielt und richtig einzusetzen und die verordnete Einnahme korrekt zu befolgen. „Zielgerichteter mikrobiologischer Dia­gnostik muss mehr Aufmerksamkeit und Wert geschenkt werden und Impfen ist als präventive Maßnahme zu forcieren.“

Download der Liste der WHO zu antibiotikaresistenten Bakterien: http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/bacteria-­antibiotics-needed/en/

MP 02|2017

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2017-04-11