Nierenkrebs bei Kindern: Chirurgie hat Schlüsselfunktion

Weil er rasch wächst und früh Tochtergeschwulste bildet, gilt der Wilms-Tumor (Nephroblaston) als besonders bösartig. Der Nierentumor ist für rund sechs Prozent aller Krebsfälle im Kindes- und Jugendalter verantwortlich. Etwa 70 Prozent der Patienten sind zwischen einem und fünf Jahre alt. Ursprünglich lag die Überlebensrate bei weniger als 30 Prozent, inzwischen werden mehr als 90 Prozent der Patienten geheilt. Die Ursachen für die erheblich verbesserten Heilungsraten liegen zum einen daran, dass Ärzte bei der Diagnostik und der Therapie konsequent die standardisierten Protokolle befolgen. In diesen Behandlungspfaden ist auf der Grundlage internationaler Behandlungsdaten genau festgelegt, wann welche Maßnahmen bei welcher Ausprägung des Tumors zu erfolgen haben. Zum anderen ist laut Rolle die Behandlung in interdisziplinären kinderonkologischen Zentren von wesentlicher Bedeutung.
Dabei übernehmen Chirurgen die Schlüsselfunktion, denn meist kommt es zur Operation, um den Tumor vollständig zu entfernen, Tumormaterial für weitere Untersuchungen zu gewinnen und zu überprüfen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Unbedingt vermeiden müssen Chirurgen, dass der Tumor während der Operation eröffnet wird und sich im Bauchraum verstreut.
„Deshalb ist es wichtig, dass die Operation von einem erfahrenen Kinderchirurgen vorgenommen wird“, sagt Prof. Dr. Udo Rolle, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Sofern es den Patienten zumutbar ist, erfolgt bereits vor der Operation eine Chemotherapie. Sie kann den Tumor verkleinern und ihn besser handhabbar machen: „In der Fachwelt wurde das Vorgehen lange diskutiert. Wir haben jetzt eindeutige Ergebnisse, dass die vorgeschaltete Chemotherapie den Tumor nicht nur verkleinert, sondern auch das Risiko des Tumorrisses erheblich reduziert“, erläutert Rolle. Von der befallenen Niere entnehmen die Operateure nur so viel wie nötig. Kinderchirurgen haben dazu chirurgische Behandlungsrichtlinien erarbeitet, die helfen, Organe so weit wie möglich zu erhalten und die Kinder durch schonende Operationsverfahren nicht zu verstümmeln.

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56. Österreichischer Chirurgenkongress
Chirurgische Infektionen – eine unterschätzte Gefahr?
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MP 04|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-09-04