Notfallabteilungen – Empfangsplatz oder echtes Kompetenzzentrum?

In den letzten Jahren wurden einige interdisziplinäre Notfallabteilungen neu implementiert oder bestehende Notfallabteilungen umstrukturiert. Es stellt sich die Frage, ob dies überhaupt notwendig ist, oder das alte System mit einer Versorgung der Patienten durch die Rettung und den verschiedenen Fachabteilungen nicht ohnehin gut funktioniert.

Vorteile einer eigenständigen zentralen Notfallabteilung

Für Patienten, die bei einem Notfall selbst das Krankenhaus aufsuchen, ist es oft nicht erkennbar, welche Abteilung zu welcher Tages- und Nachtzeit für die jeweiligen Beschwerden zuständig ist. Ein langes Suchen und Fragen nach der richtigen Stelle ist gerade in der Notfallsituation nicht zumutbar. Auch Rettungszufahrten würden von einer zentralen Notfallabteilung mit allen Ressourcen zur Versorgung auch kritisch kranker Patienten profitieren. In Befragungen haben Sanitäter angegeben, dass aufgrund limitierter diagnostischer Ressourcen im Rettungswesen die richtige Einschätzung der Art und Dringlichkeit eines Notfalls oft schwierig ist, was in weitere Folge zu Fehlzuweisungen der Patienten führen kann. Auch haben Studien gezeigt, dass kritisch Kranke von den Mitarbeitern einer Notfallabteilung häufig schneller diagnostiziert und einer entsprechenden Fachbehandlung zugeführt werden können als auf einzelnen Fachabteilungen selbst. Darunter fallen die Thrombolysebehandlung beim Schlaganfall, die Koronarangiografie beim Myokardinfarkt, die Antibiotikagabe in der Sepsis – alles Krankheitsbilder, deren zeitnahe Diagnose und rasche Therapie über Überleben und die weitere Lebensqualität des Patienten entscheiden.

Ökonomische Aspekte

Neben den Vorteilen für Patienten stellt sich in einer Zeit knapper Ressourcen auch die Frage nach den ökonomischen Vorteilen einer interdisziplinären Notfallabteilung mit Intensivkompetenz. Studien zeigen durchwegs positive Effekte. So konnte durch eine schnelle medizinische Betreuung kritisch Kranker an der Notfallabteilung die Aufnahmerate an den nachgeschalteten Intensivstationen deutlich verringert werden. Patienten, die nur an der Notfallabteilung intensivmedizinisch betreut wurden, konnten früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die zeitnahe Behandlung eines septischen Schocks und frühzeitige nichtinvasive Beatmung an der Notfallaufnahme führten neben einer Verminderung der Mortalität auch zu einer Verminderung der Intubationsrate und der Beatmungstage.

Spezielle Ausbildung gefragt

Das breite medizinische Spektrum, die nicht planbaren Patientenströme und viele Akutsituationen stellen eine besondere Herausforderung an das Team einer Notfallabteilung dar. In vielen Ländern ist Notfallmedizin ein eigenständiges Fachgebiet mit einer strukturierten Fachausbildung, welche es im deutschsprachigen Raum noch nicht gibt. Die European Society of Emergency Medicine (EUSEM) hat ein europaweites Curriculum entworfen, in dem die wichtigsten Eckpunkte einer fachärztlichen Ausbildung zur Notfallversorgung inklusive intensivmedizinischer Kompetenzen aufgeführt sind (http://www.eusem.org/curriculumofem). In Deutschland strebt die deutsche Gesellschaft für Akut- und Notfallmedizin (DGINA) das Fach Notfallmedizin an und hat auch eine deutsche Version des europäischen Curriculums veröffentlicht. In Österreich wurde auf Initiative der österreichischen Vereinigung für Notfallmedizin (AAEM) als erster Schritt ein Diplom für innerklinische Notfallmedizin zusammengestellt, der Kursbeginn ist für den Herbst 2014 geplant (http://www.aaem.at/diplom.html).

 

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WIT 2014 – 32. Wiener Intensivmedizinische Tage

Intensivmedizin – Notfallmedizin: Eine Symbiose
12. bis 15. Februar 2014
AKH Wien, Hörsaalzentrum

MP 01|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-01-27