Qualitätssteigerung trotz Kostensenkung

Das Institut für Höhere Studien (IHS) kommt in einer von der Vinzenz Gruppe in Auftrag gegebenen Studie zu dem Schluss, dass in der engeren Zusammenarbeit zwischen Gesundheitseinrichtungen erhebliches Sparpotenzial liegt. Mindestens zwei Milliarden Euro könnten laut Einschätzung der Experten eingespart werden, wenn Spitäler, Pflege und die niedergelassenen Ärzte intensiver zusammenarbeiten würden. Und im Vergleich zu anderen Sparplänen hätte eine verbesserte Kooperation auch noch einen wesentlichen Zusatzeffekt: Die Qualität der medizinischen Leistung kann damit deutlich verbessert werden. „Das IHS hat mit der Studie eindeutig nachweisen können, dass Kooperationen zu einer deutlichen Steigerung der Behandlungsqualität führen können. Darin liegt für mich das entscheidende Ergebnis“, sagt der Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe Dr. Michael Heinisch: „Wenn damit dann auch noch gespart werden kann, so ist das ein angenehmer Nebeneffekt.“ Für die Studie haben die Autoren zahlreiche gelungene Kooperationsbeispiele im Inund Ausland zusammengetragen sowie den derzeitigen Stand in Österreich abgefragt. Dabei sei man auf zahlreiche Hürden gestoßen, gesetzliche Vorgaben oder Rahmenbedingungen, die Kooperationen verhindern oder zumindest erschweren würden, sagt Dr. Thomas Czypionka, Senior Researcher am IHS: „Wir sehen noch viel Potenzial, das genutzt werden sollte. Die Möglichkeiten, dieses zu heben, sind aber seitens der Gesetze und der Finanzierung nur teilweise gegeben.“
Konkret nennt die Studie drei wesentliche Ursachen, warum Kooperationen bisher nicht im gewünschten Ausmaß genutzt werden: 1. Die Finanzierungs und Bezahlungssysteme regen Kooperationen nicht an. 2. Wettbewerb findet in Österreich im Gesundheitswesen kaum statt. 3. Regulatorische Rahmenbedingungen stehen vermehrten Kooperationen zum Teil entgegen.

Starres duales System

Unter zahlreichen Einsparungspotenzialen durch unterschiedlichste Kooperationsformen im primären, sekundären und tertiären Bereich fahndete die IHSStudie auch nach Kooperationsmöglichkeiten zwischen Spitälern und dem niedergelassenen Bereich. Während etwa in Deutschland durch die Medizinischen Versorgungszentren oder in den USA durch Ärztezentren, Managed Care Systeme, Ambulatory Care Groups und ASC (Ambulatory Surgery Center) dieser Bereich schon besser abgedeckt ist, herrscht in Österreich nach wie vor ein sehr starres duales System vor, attestiert die Studie: „Der stationären Versorgung durch Krankenanstalten steht die ambulante Versorgung durch niedergelassene Ärzte gegenüber. Es existieren zwar Spitalsambulanzen und Ambulatorien, diese werden jedoch eher als Konkurrenz für den niedergelassenen Bereich gesehen. Gepaart mit fehlender Datenübermittlung und Kooperationsmechanismen kann das Ideal der integrierten Versorgung nicht umgesetzt werden. Insofern ist das österreichische System von einer mangelnden Koordinierung zwischen dem intramuralen und dem extramuralen Bereich geprägt.“

Gemeinsame Diagnoseeinrichtungen

Die private Vinzenz Gruppe nimmt die Studienergebnisse zum Anlass, um eine Strategie für mehr Kooperation im Gesundheitswesen zu entwickeln. Einer der zentralen Punkte ist darin die gemeinsame Nutzung von Diagnoseeinrichtungen durch den intraund extramuralen Bereich. Zwei solcher Projekte konnten bereits mit Erfolg realisiert werden.
In Ried hat die Vinzenz Gruppe als Betreiber des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in unmittelbarer Nähe zur Klinik auf eigene Kosten ein Diagnosezentrum errichtet und die modernst ausgestatteten Räumlichkeiten vermietet. Inzwischen hat sich hier das Ambulatorium für bildende Diagnostik Ried im Innkreis etabliert, das von Dr. Wolfgang Brandtner geleitet wird. Das Ambulatorium wird auch von Patienten des Krankenhauses frequentiert. Die teuren Diagnostikgeräte werden somit doppelt genützt, einerseits von den stationären Patienten des Krankenhauses und andererseits von ambulanten Patienten, die zur Diagnose hierher kommen oder überwiesen werden. Das sorgt für eine hohe Auslastung bei gleichzeitiger Kostenteilung.
In diesem Sinn wird mit der Kooperation eine Win-win-win-Situation erreicht. Die Patienten gewinnen, weil ihnen die beste Medizintechnik und kompetenz zur Verfügung steht. Die Betreiber des Ambulatoriums gewinnen, weil sie sich hohe Investitionskosten für teure Geräte ersparen. Die Klinik gewinnt schließlich, weil sie bestimmte Leistungen auslagern können und keine entsprechenden infrastrukturellen und technischen Einrichtungen zur Verfügung stellen muss.
„Dieses vorbildhafte Modell konnte nur realisiert werden“, bedankt sich Heinisch bei seinen Vertragspartnern, „weil die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse eine große Flexibilität und Kooperationsbereitschaft gezeigt hat.“
Ein vergleichbares Modell hat die VinzenzGruppe auch in Wien realisiert. In diesem Fall kooperieren das Orthopädische Spital in Wien Speising und das Dr. Bader MRAmbulatorium, SpezialInstitut für Magnetresonanztomografi e – MRT, eng miteinander. Die Einrichtung wird von Univ.Doz. Dr. Till Bader, einem international renommierten MagnetresonanzSpezialisten geleitet. Hier können aufgrund moderner und technisch hochwertiger medizinischer Geräte effektive und schnelle MagnetresonanzUntersuchungen durchgeführt werden. Kompetenz, die auch vom Orthopädischen Krankenhaus genutzt wird.
„Diese beiden Projekte sind ein guter Beweis dafür“, sagt Dr. Michael Heinisch abschließend, „was durch Kooperationen möglich ist, wenn alle Beteiligten bereit sind, innovative und fl exible Lösungen gemeinsam umzusetzen. So stelle ich mir Zusammenarbeit im besten Sinne vor.“

MP 03|2012

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2012-06-25