Regionalanästhesie: Üben, üben, üben

Wo setzen Sie die Regionalanästhesie vorwiegend ein?

Vor allem bei unfallchirurgischen Eingriffen, aber auch im Bereich der Chirurgie, hier sind es vorwiegend Gefäßpatienten. Die Zahl der Eingriffe unter Regionalanästhesie steigt kontinuierlich an. Derzeit sind es pro Jahr rund 700.
Wenn der Operateur von der Methode überzeugt ist und die ­Patienten schon entsprechend vorbereitet sind, dann weisen periphere kontinuierliche Blockadetechniken dort, wo ein Einsatz möglich ist, eindeutige Vorteile auch gegenüber den rückenmarksnahen Techniken auf. Generell kommt es zu einer geringeren Kreislaufbeeinträchtigung, weiters wurden Herzstillstände signifikant seltener beobachtet als nach Spinalanästhesien, ­Blasenkatheter sind nicht erforderlich. Ferner sind periphere Blockaden in gewissen Situationen das Anästhesieverfahren der Wahl, etwa wenn Patienten nicht nüchtern sind oder eine ­Vielzahl an Komorbiditäten aufweisen.

Welche Vorteile sehen Sie für Patienten und Operateure?

Patienten sind rasch und auch über einen längeren Zeitraum schmerzfrei. Auch wenn es für den Operateur oft den gefühlten Nachteil hat, dass die Vorbereitung länger dauert, sehe ich es eher als logistisches Problem. Die Vorteile insgesamt lassen sich erst in vollem Umfang ausschöpfen, wenn die operativen Fächer mit den Anästhesisten kooperieren und beide gemeinsam lernen. Bei Eingriffen an den Extremitäten oder Verletzungen, bei denen eine gute Durchblutung erforderlich ist, belastet die periphere Blockade den Kreislauf weitaus weniger und ist daher eine gute Option.

Studien belegen geringe Schmerzmitteldosen im Anschluss an die Eingriffe. Wie beurteilen Sie diesen Aspekt?

Auf jeden Fall ist auf ein korrektes Schmerzmanagement vonseiten der Chirurgen zu achten. Die zeitgerechte Gabe von Schmerzmitteln ist wichtig, damit es zu keinem Durchbruchsschmerz kommt. Hier fehlen zum Teil noch wirksame Konzepte und die Überzeugungsarbeit. Oft klagen Patienten über Schmerzen, wenn die Wirkung der Regionalanästhesie nachlässt. Das muss nicht sein, wenn die Kompetenz und der Wille für ein professionelles Schmerzmanagement vorhanden sind. Periphere Nervenblockaden haben wir schon erfolgreich bei onkologischen Patienten eingesetzt, aber das Einsatzgebiet ist sehr eingeschränkt und wir müssen hier noch mehr Erfahrung sammeln.

Gibt es Kontraindikationen?

Eine Kontraindikation besteht bei systemischer oder auch lokaler Infektion im Punktionsbereich, bei manifesten Gerinnungsstörungen speziell im Kopf- und Halsbereich sowie bei tiefen Rumpfblockaden und natürlich bei bekannter Allergie gegen das Lokalanästhetikum.

Welche Voraussetzungen braucht der Anästhesist?

In erster Linie Neugier und Interesse für die Methode. Außerdem braucht er einen sehr guten anatomischen Background, zumindest über kritische Regionen, denn die Anatomie variiert von Patient zu Patient. Die durchaus spannende Herausforderung ist das Erkennen von Mustern und das Wissen um Gefahrenpotenziale. Jedenfalls ist viel Übung erforderlich, die Erfahrung kommt mit der Zeit. Die Schallkopfführung, räumliches Vorstellungsvermögen, Fingerspitzengefühl und ein gutes Maß an Koordinationsfähigkeit sind bei ultraschallgeführten Nervenblockaden wichtig, aber auch das kann geübt werden.

Interview mit: Dr. Bernhard Eller

Abteilung für Anästhesie, Notfall- und ­Allgemeine Intensivmedizin,Landesklinikum Wiener Neustad


MP 03|2017

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2017-06-20