Ventile gegen Atemnot

COPD-Patienten mit Lungenemphysem leiden häufig unter massiver Atemnot. Seit einigen Jahren gibt es ein neues endoskopisches Verfahren, bei dem spezielle Ventile in die Lunge eingesetzt werden, mit deren Hilfe die Patienten wieder besser atmen können. Eine internationale Studie, die unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Oberarzt an der 1. Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals in Wien und Ludwig Boltzmann Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie, zeigt nun, dass dieses innovative Verfahren bei deutlich mehr Patienten angewendet werden kann als bisher angenommen

Minimalinvasive Therapie

Bei einem Emphysem gibt es eine Reihe von therapeutischen Ansätzen: Lebensstiländerung, Medikamente, Physiotherapie, Sauerstoff-Langzeittherapie, operative und minimalinvasive Eingriffe zur Reduktion des Lungenvolums bis hin zur Lungentransplantation. Zu den minimalinvasiven Eingriffen zählt das höchst erfolgreiche Verfahren des Einsetzens von sehr kleinen, sogenannten endobronchialen Ventilen. Sie werden mittels Endoskop direkt in die Bronchien im überblähten Bereich der Lunge eingesetzt und verhindern einerseits das Eindringen der Luft in die erkrankte Region und ermöglichen andererseits das Entweichen von dort eingeschlossener Luft. Dadurch wird die Überblähung reduziert und dem Betroffenen Erleichterung und mehr Lungenfunktion verschafft. „Der schonende, minimalinvasive Eingriff dauert nur zwanzig Minuten und führt zu deutlich mehr Lebensqualität“, weiß Valipour.

Mehr Patienten behandelbar

Eine besondere Rolle spielt die örtliche Verteilung des Lungenemphysems: Wenn sich die erkrankten Bereiche gleichmäßig über die gesamte Lunge verteilen, spricht man von einem homogenen Lungenemphysem. Ist vor allem ein bestimmter Bereich betroffen, spricht man von einem heterogenen Lungenemphysem. Bisher ging man davon aus, dass nur Patienten mit heterogenem Lungenemphysem von einer Reduzierung des Lungenvolumens mit Ventilen profitieren können. Nun aber zeigen die neuen Studienergebnisse, dass die Verteilung des Emphysems nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern dass die Therapie der Ventileinlage für beide Gruppen, also auch jene mit homogenem Emphysem, Linderung der Atemnot bringt. „Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass wir nun eine zusätzliche Behandlungsoption für viele Patienten mit COPD und Lungenemphysem anbieten können, die bislang von der Ventiltherapie ausgeschlossen wurden. Durch sorgfältige Patientenauswahl in einem erfahrenen Behandlungszentrum können wir sowohl die Lungenfunktion als auch die Lebensqualität unserer Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung deutlich bessern. Immer mehr Belege sprechen für den gezielten Einsatz der Lungenventile bei Patienten mit Lungenemphysem, die eine Verbesserung der Lungenfunktion und der Lebensqualität für die Patienten mit sich bringen. Die jetzt veröffentlichte IMPACT-Studie ist nun bahnbrechend, da diese Behandlung bei einer größeren Zahl von Patienten durchgeführt werden kann als bisher angenommen.”

 

 

Quelle: Arschang Valipour, Dirk-Jan Slebos, Felix Herth, Kaid Darwiche, Manfred Wagner, Joachim H. Ficker, Christoph Petermann, Ralf-Harto Hubner, Franz Stanzel, Ralf Eberhardt. Endobronchial Valve Therapy in Patients with Homogeneous Emphysema: Results from the IMPACT Study. Am J Respir Crit Care Med. First published online 31 Aug 2016
http://www.atsjournals.org/doi/10.1164/rccm.201607-1383OC.WAjiV3o4J5y

MP 03|2017

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2017-06-20