Neue Trends durch neue Linsen und neue Operationsverfahren

Wie hat die Geschichte der Katarakt-Operation begonnen?
Die ersten Katarakt-Operationen wurden bereits vor über 4.000 Jahren beschrieben. Damals wurde die getrübte Linse nur verschoben, sodass der Betroffene wieder besser sehen konnte. Dies war natürlich mit Komplikationen verbunden. 1949 wurde dann die erste Linse implantiert. Damals wurde eine Hinterkammer implantiert. In weiterer Folge wurden unterschiedlichste Linsen aus Plexiglas konstruiert. Da die Augenlinse selbst recht groß ist und man sie damals noch im Ganzen entfernte, bedurfte es eines 10 bis 12 mm langen Schnittes. Diese doch recht große Wunde zog eine relativ lange Heilungsphase nach sich.

Wie sieht die gegenwärtige Technik aus?
Ziel der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte war es, den Operationsschnitt am Auge zu verkleinern. Dies wurde mittels Phakoemulsifikation möglich: Mit Ultraschall wird dabei die Linse im Auge zerstäubt und kann so durch einen kleineren Schnitt entfernt werden. Auf der anderen Seite wurde auch bei den Kunstlinsen daran gearbeitet, diese durch eine kleinere Wunde einsetzen zu können. Zu Beginn waren die Linsen noch aus unfaltbarem Plexiglas, in den 80er-Jahren kamen die Faltlinsen auf den Markt. Dadurch konnten die Schnitte noch kleiner werden und die Wunde heilte rascher. So ist es heute sogar möglich, ohne Naht zu arbeiten. Ein 2 bis 3 mm großer Ventilschnitt, das heißt ein Schnitt, der sich ventilartig verschließt, macht diese Entwicklung möglich. Dies bedeutet wiederum, dass die Anästhesie minimiert werden kann, der Patient bekommt nur mehr eine Tropf-Anästhesie. Da keine Injektion mehr nötig ist, muss der Betroffene seine gerinnungshemmenden Medikamente nicht absetzen und kann manchmal sogar noch am Tag der Operation wieder entlassen werden. Der Patient kann direkt nach der OP wieder alles machen, das einzige, worauf er achten muss, ist einige Tage nicht am Auge zu reiben, da es ein paar Wochen dauert, bis der kleine Schnitt wieder zugewachsen ist. Zudem bekommen die Patienten entzündungshemmende Tropfen.

Welche Medizintechnik der Zukunft erwarten Sie für die Katarakt-Operation?
Eine Tendenz, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, sind moderne so genannte MICS-Intraokularlinsen (MICS = Micro Incision Cataract Surgery), die bereits zum Einsatz kommen. Diese benötigen nur mehr einen Einschnitt von unter 2 mm. Für diese Technik braucht es eigene Geräte und auch besondere Linsen, die ein spezielles Material und Design haben. Bei der Implantationstechnik dieser Linsen kommt ein Injektor zum Einsatz, den man nicht mehr ins Auge einführen muss, sondern nur an die Wunde ansetzt.
Ein weiterer Trend in Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Katarakt-Operationstechnik ist der Femto-Sekundenlaser. Mit diesem Infrarot-Laser kann man sowohl den Schnitt setzten als auch die Linse zerkleinern – statt wie sonst mit Ultraschall. Diese Technik soll noch präziser sein. Ob sie sich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Und nicht zuletzt wird auch an der Kreation neuer Linsen gearbeitet. Wünschenswert wären Kunstlinsen, die akkomodieren können. Denn mit den vorhandenen Kunstlinsen kann man entweder nah oder fern scharf sehen, für das jeweils andere muss mit einer Brille ausgeglichen werden bzw. bei Multifocal-Linsen besteht der Nachteil der Blendung. Akkomodierende Linsen könnten hier eine Lücke füllen und einen großen Fortschrift für den Patienten darstellen.

MP 03|2011

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2011-06-17