EASD 2018 | Neue EASD/ADA−Empfehlungen: Therapie weiter personalisieren

Grundlegende Neuerungen gegenüber der Version aus dem Jahr 2015 betreffen vor allem die verstärkte Patientenorientierung und Individualisierung des Typ-2-Diabetes-Managements (Abb. 1).

 

 

Der personalisierte Ansatz bezieht sich zum einen auf die verstärkte Umsetzung von Lebensstilmaßnahmen mit Focus auf Gewichts- und Adipositasmanagement (u. a. mittels bariatrischer Chirurgie) sowie auf eine verbesserte Verfügbarkeit von DSMES-(„Diabetes self-management education and support“-)Programmen. Bezüglich Ernährungsstrategie liegt keine Evidenz zur idealen Zusammensetzung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fett vor; Formula-Diäten mit begleitender Beratung werden als effektivste nicht-chirurgische Strategie zur Gewichtsreduktion und Diabetesremission angeführt und sollten den Leitlinien entsprechend übergewichtigen oder adipösen Patienten empfohlen werden.
Die Personalisierung ist auch in der pharmakologischen Therapie vorgesehen (Abb. 2). Die Wahl der Zweitlinientherapie soll entsprechend der vorliegenden Evidenz aus kardiovaskulären Endpunktstudien erfolgen; zudem wird die Therapie nach Komorbiditäten stratifiziert: Bei Patienten mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung (Myokardinfarkt, Schlaganfall, Revaskularisierung) wird nach Metformin eine Therapieintensivierung mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten (RA) oder SGLT-2-Inhibitor (SGLT2i) mit belegtem kardiovaskulären Zusatznutzen empfohlen. Bei niereninsuffizienten Patienten sollte bevorzugt ein SGLT2i mit nierenprotektivem Effekt bzw. bei Kontraindikation und unzureichender eGFR ein GLP-1-RA zum Einsatz kommen. GLP-1-RA lösen bei komorbiden Patienten demnach die Insulintherapie als „first injectable“ ab. Bei Patienten ohne manifeste Komorbidität wird die Therapie entsprechend dem Leitmotiv „Personalisierung“ nach dem individuellen Behandlungsziel (Gewichtsabnahme, Reduktion von Hypoglykämien, ökonomische Faktoren) gewählt. Durch in 3–6-Monats-Intervallen durchgeführte Reevaluierungen und regelmäßige Therapieanpassung soll die therapeutische Trägheit minimiert und eine gute Adhärenz gewährleistet werden.

 

 

Zusammenfassend betont David R. Matthews, President-elect der EASD, dass neben der reinen Wissenschaft, der evidenzbasierten Medizin, der menschliche Aspekt nicht außer Acht gelassen werden darf.3 Illustriert wird die neue Strategie in Figure 1 der aktuellen Empfehlungen: der Patient im Mittelpunkt, Komplikationsminimierung und Sicherstellung der Lebensqualität als vorderste Therapieziele, Kommunikation auf Augenhöhe und die Therapiewahl als gemeinsame Entscheidung.

1 Davies MJ et al., Diabetes Care 2018; DOI: 10.2337/dci18-0033
2 Davies MJ et al., Diabetologia 2018; DOI: 10.1007/s00125-018-4729-5
3 Matthews DR, EASD 2018; Oral Presentation S41.10
AutorIn: Dr. Christina Nowikow

DF 05|2018

Herausgeber: Österreichische Diabetes Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner
Publikationsdatum: 2018-11-07