Neue Positionspapiere der Österreichischen Diabetes Gesellschaft

Nach der erstmaligen Veröffentlichung nationaler Empfehlungen für die Klassifikation, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus durch die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)1 im Jahr 2004 hat der zu diesem Zweck installierte Leitlinienausschuss der ÖDG in den Jahren 2007 und 2009 jeweils aktualisierte Versionen der „Leitlinien für die Praxis“ herausgegeben2, 3. Daraufhin übernahm ich den Vorsitz des Ausschusses Leitlinien von Univ.-Prof. Dr. Thomas Wascher.

In der Folge wurde deutlich, dass es verschiedene relevante Therapiebereiche gibt, zu denen die ÖDG keine eigene Position bezogen hat, darunter das kontinuierliche Glukosemonitoring, die Blutzuckerkontrolle im intensivmedizinischen Setting, das perioperative Diabetesmanagement, die exokrine Pankreasinsuffizienz sowie Überschneidungen mit psychiatrischen Erkrankungen. Eine Stellungnahme zum kontinuierlichen Glukosemonitoring hat die ÖDG im Februar 2011 veröffentlicht4. Zu den anderen genannten Themen wurden zur ÖDG-Jahrestagung 2011 eigene Positionspapiere präsentiert. Die Papiere sind auf den folgenden Seiten im Volltext abgedruckt und außerdem auf der Internetseite der Gesellschaft verfügbar (http://oedg.org/oedg_ leitlinien.html).
Vor allem bei den im November 2011 präsentierten Kapiteln haben wir ganz bewusst die Form des Positionspapiers gewählt, da in diesen Bereichen viele Fachrichtungen involviert sind. Im Weiteren wollen wir mit der psychiatrischen, der chirurgischen und der anästhesiologischen Fachgesellschaft in einen Dialog treten, um letztlich gemeinsame Leitlinienempfehlungen zu formulieren – ähnlich wie dies schon 2009 beim Leitlinien-Update zur diabetischen Nephropathie der Fall war, das in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie entstanden ist. Die Positionspapiere fassen die aus ÖDG-Sicht relevanten Standpunkte und Einschätzungen zu den genannten Therapiebereichen zusammen.
Die „Praxisleitlinien“ der ÖDG dienten und dienen dem Ziel, auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse eine fundierte Anleitung zur Verbesserung der Diabetesbetreuungsqualität in Österreich zu geben3. Die Sinnhaftigkeit eigener österreichischer Leitlinien für die Diabetestherapie steht für die ÖDG weiterhin außer Zweifel, weil die zahlreichen internationalen und nationalen Leitlinien (z. B. der Deutschen Diabetes-Gesellschaft) den Besonderheiten der Betreuung von Diabetespatienten in unserem Land nicht immer ausreichend Rechnung tragen können.
Angesichts der fortschreitenden Entwicklungen in der Diabetologie hat sich die ÖDG für die weiteren Aktualisierungen der Empfehlungen auf ein Update-Intervall von zirka drei Jahren verständigt. Somit wollen wir im Laufe des Jahres 2012 eine aktualisierte Fassung der Praxisleitlinien vorlegen. Dafür werden alle bisherigen Kapitel überarbeitet und an den Stand des Wissens angepasst. Außerdem sollen eigene Kapitel auf Basis der oben genannten Positionspapiere enthalten sein. Diese Version wird aller Voraussicht nach noch einmal in gewohnter Weise publiziert werden; zukünftige Aktualisierungen werden dann möglicherweise ausschließlich online publiziert werden – was grundsätzlich auch häufigere Updates ermöglichen würde.
Eine wichtige formale Neuerung der kommenden Leitlinienversion, die in den Positionspapieren teilweise schon vorweggenommen wird, ist die Angabe des Evidenzgrades der Empfehlungen. Nach wie vor gibt es in der Diabetologie wesentliche Therapiebereiche (so z. B. das perioperative Management bei Patienten mit Diabetes), zu denen in Ermangelung von Studiendaten keine evidenzbasierten Empfehlungen ausgesprochen werden können. Alle Kapitel werden aber dahingehend überarbeitet, dass die den Empfehlungen zugrunde liegende Evidenz nach den Kriterien des Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) evaluiert und dokumentiert angegeben wird. Wir hoffen, damit zu einer weiteren Verbesserung der Diabetikerbetreuung in Österreich beizutragen und Ihnen eine praktisch orientierte Hilfe bei den Therapieentscheidungen zu bieten.

1) Österreichische Diabetes Gesellschaft (Hrsg.), Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis. Acta Med Austriaca 2004; 31:155, 2004
2) Österreichische Diabetes Gesellschaft (Hrsg.), Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis. Überarbeitete und erweiterte Fassung 2007. Wien Klin Wochenschr 119 (15-16 Suppl 2):5, 2007
3) Österreichische Diabetes Gesellschaft (Hrsg.), Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis. Überarbeitete und erweiterte Fassung 2009. Wien Klin Wochenschr 121( Suppl 5): S1, 2009
4) Schütz-Fuhrmann et al., Positionspapier des Insulinpumpenausschusses der OEDG zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGMS – Continuous Glucose Monitoring).

http://oedg.org/1102_positionspapier.html, 2011

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi

Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien, Vorsitzender des Leitlinienausschusses der Österreichischen Diabetes Gesellschaft


DF 05|2011

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Österreichische Diabetes Gesellschaft
Publikationsdatum: 2011-12-02