Rheumatologie gestern, heute, morgen

Die FAKTEN der Rheumatologie feiern in diesen Tagen ein Jubiläum: Es ist genau 10 Jahre her, dass die erste Ausgabe veröffentlicht wurde. Vor 10 Jahren war es zunächst ein Versuch, eine völlig neue Form eines populärwissenschaftlichen, medizinischen Fortbildungsorgans zu schaffen. Dass diese Zeitschrift nun schon ein Jahrzehnt besteht, hat das Experiment zur beständigen Realität wachsen lassen und das ursprüngliche Konzept bestätigt. Dafür ist vielen zu danken: Kurt Redlich, der stets voller Ideen ist, die besten Autoren ins Wort nimmt und die Themenvielfalt gestaltet; den Autoren, die in klarer Weise die ihnen gestellten Aufgaben bestens erfüllt haben und erfüllen; dem MedMedia Verlag, der sich darauf „einließ“, den Inhalt der Druckschrift ganz aus seinen Händen und in die unseren zu geben; den Firmen, die durch ihre Annoncen die Publikation finanziell ermöglichen, ohne dass ihre Produkte notwendigerweise im Zentrum der einzelnen Ausgaben stehen; und vor allem Ihnen als Leserinnen und Lesern, die uns durch ihre Rückmeldungen motivieren und durch Kundtun ihrer Interessen wesentlich zum Inhalt der Hefte beitragen.

Unser seinerzeitiges Ziel war es, den praktizierenden Ärztinnen und Ärzten Österreichs ein Informationsheft zu Fragen, nein: zu Fakten der Rheumatologie zu bieten, dessen Inhalt nicht von einem Verlag, sondern von Rheumatologen zusammengestellt wird; dessen Gestaltung und Ausarbeitung in erster Linie in den Händen von wissenschaftlich orientierten Autoren liegt, die zu Themen Stellung beziehen, die oft einen Fokus ihrer Forschungstätigkeit darstellen und die damit aus „erster Hand“ kommt; dessen Textbeiträge nicht vom Marketing einzelner Firmen bestimmt werden, sondern nach Überlegungen der Redaktion eingeworben werden; dessen Artikel sich klar von Werbeeinschaltungen differenzieren und nicht neben als wissenschaftliche Berichte camouflierten Anzeigen stehen; in dem nur auf Basis hochqualitativer Studien zugelassene Medikamente beworben werden; und dessen Artikel einen großen Teil der rheumatologischen Krankheiten in zyklischer Weise abhandeln und zugleich Innovationen zügig und manchmal schon vorausschauend darstellen.
Diese zyklische Abhandlung von Krankheitsbildern, interdisziplinären Informationen und pathogenetischen Einsichten hat die Innovationen, die auf dem Gebiet der Rheumatologie im letzten Jahrzehnt entstanden, erst richtig sichtbar gemacht.

Als wir die FAKTEN begründeten, waren viele strategische Behandlungsüberlegungen, Klassifikationskriterien oder Therapien noch nicht erarbeitet. So hatte etwa die EULAR noch keinerlei Behandlungsempfehlungen entwickelt – in der Zwischenzeit gibt es solche für die rheumatoide Arthritis (RA), die Psoriasisarthritis (PsA) und eine Reihe anderer Krankheiten;1, 2 inzwischen wurden sogar schon Updates dieser Empfehlungen publiziert. In dieser Zeit entstanden die neuen ACR-EULAR-Klassifikationskriterien für die RA von einem Team um Daniel Aletaha, die Patienten mit früher RA besser erfassen als die alten.3 Das Treat-to-Target-Konzept war noch nicht in die Rheumatologie vorgedrungen und wurde in diesen Jahren nicht nur für die RA, sondern auch für die Spondylarthritiden und zuletzt für die juvenile Arthritis erarbeitet.4–6 Auch hier wurden mittlerweile teilweise Updates publiziert. Die Treat-to-Target-Strategie zielt auf Remission oder zumindest niedrige Krankheitsaktivität hin; die Definition der Remission lag aber seinerzeit, als wir die FAKTEN initiierten, im Argen, doch haben ACR und EULAR in diesen Jahren eine neue Definition für die Remission erarbeitet.7 All diese behandlungsstrategischen Neuerungen haben zu einer deutlichen Verbesserung in der Therapie der betreffenden rheumatologischen Krankheiten geführt – und über all diese Strategien haben wir in den FAKTEN berichtet.

Behandlung wird aber nicht nur mittels Strategien umgesetzt, sondern naturgemäß in erster Linie mittels Medikamenten. Im Jahre 2008 hatten wir für RA-Patienten, die auf konventionelle Basistherapeutika wie Methotrexat nicht hinreichend ansprachen, lediglich 3 TNF-Blocker (Adalimumab, Etanercept, Infliximab), das nur schwach wirksame Anakinra (IL-1-Rezeptorantagonist) und nach deren Versagen Rituximab (Anti-CD20/B-Zellen) als Biologika zur Verfügung; in der Zwischenzeit sind zwei zusätzliche TNF-Inhibitoren (Certolizumab und Golimumab) hinzugekommen und Substanzen, die zwei weitere Strukturen zum Ziel haben: Abatacept (Kostimulation) und Tocilizumab sowie Sarilumab (IL-6-Rezeptor). Darüber hinaus wurden heuer mit den Januskinase-Inhibitoren (Baricitinib, Tofacitinib) völlig neue synthetische, orale Medikamente zugelassen, deren Wirksamkeit zumindest jener der Biologika entspricht. Die FAKTEN haben diese Informationen stets zeitnah oder im Voraus veröffentlicht, zumal viele dieser neuen Therapien in Wien mitentwickelt wurden. Schließlich sind wir inzwischen auch im Zeitalter der Biosimilars angekommen, und für all jene Substanzen, die zur Geburtsstunde der FAKTEN bereits am Markt waren, gibt es mittlerweile Biosimilars, wodurch die Therapiekosten deutlich gesenkt werden konnten.
Für die PsA und die axiale Spondyloarthritis gab es bis etwa zur Mitte dieses Jahrzehnts überhaupt nur die TNF-Inhibitoren als Biologikatherapien nach Versagen anderer Behandlungsmodalitäten. Inzwischen wurden auf Grundlage neuer pathogenetischer Einsichten mit Ustekinumab (IL-12/23-Inhibitor), Secukinumab und Ixekizumab (IL-17-Inhibitoren) sowie Apremilast (PDE4-Inhibitor) neue Substanzen zur Therapie der PsA zugelassen, und IL-17-Inhibitoren sind auch bei der axialen Spondyloarthritis wirksam. Januskinase-Inhibition ist nicht nur bei RA, sondern auch bei PsA effektiv. So haben sich in diesem „Jahrzehnt der FAKTEN“ viele wichtige Innovationen in der Rheumatologie ergeben.

Auch in Zukunft werde Sie die FAKTEN der Rheumatologie über die neuesten Entwicklungen informieren. Es werden wohl in nächster Zeit nicht nur weitere Januskinase-Inhibitoren (z. B. Upadacitinib, Filgotinib) zugelassen werden, sondern für die PsA auch spezifische IL-23-Inhibitoren (z. B. Guselkumab, Risankizumab, Tildrakizumab). Es ist zu hoffen, dass Biomarker verfügbar sein werden, die vorhersagen können, welche Patienten auf welche Therapie am besten ansprechen. Und es ist denkbar, dass Biomarker und klinische Marker gefunden werden, die das Risiko, eine RA oder PsA zu entwickeln, prognostizieren und es damit ermöglichen, eine prophylaktische Behandlung vorzunehmen. Alle diese Entwicklungen werden auch in Zukunft von den FAKTEN beleuchtet werden – damit Sie immer über die laufenden und künftigen Evolutionen informiert bleiben.
Aber auch in den FAKTEN der Rheumatolgie wird sich zum 10-jährigen Jubiläum etwas ändern: Daniel Aletaha wird nun dem Editorenstab angehören und wesentlich zur künftigen Gestaltung der Zeitschrift beitragen.

Bleibt noch, Ihnen sehr herzlich für Ihre Treue als Leserinnen und Leser zu danken und Sie zu bitten, uns weiterhin Ihre Meinung und Ihre Wünsche kundzutun.

 

 

1 Smolen JS, Landewe R, Breedveld FC et al., EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs. Ann Rheum Dis 2010; 69:964–975
2 Gossec L, Smolen JS, Gaujoux-Viala C et al., European League Against Rheumatism recommendations for the management of psoriatic arthritis with pharmacological therapies. Ann Rheum Dis 2012; 71:4–12
3 Aletaha D, Neogi T, Silman A et al., The 2010 American College of Rheumatology / European League Against Rheumatism Classification Criteria for Rheumatoid Arthritis. Ann Rheum Dis 2010; 69:1580–1588
4 Smolen JS, Aletaha D, Bijlsma JWJ et al.,
Treating rheumatoid arthritis to target: recommendations of an international task force. Ann Rheum Dis 2010; 69:631–637
5 Smolen JS, Braun J, Dougados M et al., Treating spondyloarthritis, including ankylosing spondylitis and psoriatic arthritis, to target: recommendations of an international task force. Ann Rheum Dis 2014; 73:6–16
6 Ravelli A, Consolaro A, Horneff G et al., Treating juvenile idiopathic arthritis to target: recommendations of an international task force. Ann Rheum Dis 2018; 77:819–828
7 Felson DT, Smolen JS, Wells G et al., American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism provisional definition of remission in rheumatoid arthritis for clinical trials. Ann Rheum Dis 2011; 70:404–413
AutorIn: o. Univ.-Prof. Dr. Josef Smolen

­Klinische Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien


FdR 03|2018

Publikationsdatum: 2018-11-06