UIM 02|2026
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Der aktualisierte und um 338 Referenzen erweiterte Report der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) legt den Fokus auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) als kontrollierbare chronisch entzündliche Erkrankung mit modifizierbarer Krankheitsaktivität. Wesentliche Neuerungen betreffen die Exazerbationsrisikostratifizierung sowie die Trennung von Initial- und Follow-up-Therapie.
COPD gilt weiterhin als stark unterdiagnostiziert. Eine frühzeitige Identifikation bisher unbekannter Fälle wird für die Verbesserung der Versorgung und der Patienten-Outcomes angestrebt. GOLD 2026 unterscheidet dabei klar zwischen generellem Screening asymptomatischer Personen – das nicht empfohlen wird – und gezielter Fallfindung. Letzteres erfolgt auf zwei Wegen: opportunistisch bei Personen, die im Rahmen anderer Untersuchungen erfasst werden (z. B. bei Lungenkrebs-Screenings oder bei Zufallsbefunden in der Bildgebung) sowie aktiv bei Risikopatient:innen (z. B. Raucher:innen, Menschen mit Biomasse-Exposition, Frühgeborenen oder bei genetischen Risikofaktoren). In diesen Gruppen wird zunächst ein strukturierter Fragebogen eingesetzt, gefolgt von einer prä- und postbronchodilatatorischen Spirometrie zur Diagnosesicherung.
Die ABE-Klassifikation bleibt bestehen, der Schwellenwert für Gruppe E wurde jedoch deutlich abgesenkt. Bereits eine einzige moderate oder schwere Exazerbation im Vorjahr – auch vor Therapiebeginn oder Diagnosestellung – stuft Patient:innen automatisch in Gruppe E ein, da Beobachtungsstudien gezeigt haben, dass bereits ein einziges Ereignis das Risiko nachfolgender Exazerbationen signifikant erhöht.
Eine sofortige Dualbronchodilatation mit einem langwirksamen Muskarinantagonisten (LAMA) und einem langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) in einem Single-Inhaler sowie die Erwägung einer inhalativen Triple-Therapie (LABA + LAMA + ICS [inhalative Kortikosteroide]) bei Bluteosinophilen ≥ 300 Zellen/µl wird nun bereits ab einer einzigen Exazerbation empfohlen. In GOLD 2025 galt diese Empfehlung erst nach mehr als 2 moderaten Exazerbationen oder mindestens einer hospitalisierungspflichtigen Exazerbation. Diese frühe Therapieeskalation soll das Risiko weiterer Exazerbationen und die Verschlechterung der Lungenfunktion reduzieren.
Das übergeordnete Therapieziel ist das Erreichen einer niedrigen Krankheitsaktivität, definiert als Fehlen von Exazerbationen, stabile Symptome und Ausbleiben eines beschleunigten Lungenfunktionsverlustes. Zur Beschreibung des klinischen Verlaufs werden zwei Begriffe unterschieden: Krankheitsstabilität beschreibt einen Zustand mit geringer Aktivität ohne Verschlechterung, während Krankheitskontrolle zusätzlich eine geringe symptomatische Belastung der Patient:innen unter einem definierten Schwellenwert einschließt.
GOLD 2026 unterscheidet explizit zwischen Initialtherapie bei therapienaiven Patient:innen und Follow-up-Therapie bei Patient:innen unter laufender Therapie (Abb.1).
Im Algorithmus zum pharmakologischen Follow-up hält nach Dupilumab ein zweites Biologikum Einzug in den Report: Der IL-5-Inhibitor Mepolizumab wird als Add-on zur optimierten Triple-Therapie für Patient:innen mit persistierenden Exazerbationen trotz inhalativer Maximierung und Eosinophilen ≥ 300/µl empfohlen – unabhängig vom Vorliegen chronischer Bronchitis – und ist seit Februar 2026 von der Europäischen Kommission zugelassen.
Nach einer Exazerbation sollte möglichst früh mit einer Erhaltungstherapie aus langwirksamen Bronchodilatatoren (LABA + LAMA) begonnen werden. Bei Patient:innen mit mehr als einer moderaten oder schweren Exazerbation und erhöhten Bluteosinophilen sollte bei Entlassung die Ergänzung um ein inhalatives Kortikosteroid zur fixen Triple-Therapie (ICS + LABA + LAMA) erwogen werden, um weitere Exazerbationen und Rehospitalisierungen zu reduzieren. Weitere Maßnahmen zur Prävention sind Rauchstopp, Impfungen und Rehabilitation.
Zudem wurde die Entscheidung über den Behandlungsort klarer strukturiert. Sie richtet sich nicht nur nach der Schwere der Exazerbation, sondern auch nach Komorbiditäten, mentalem Status, häuslicher Unterstützung und Ansprechen auf die initiale Therapie.
Neu ist die High-Flow-Sauerstofftherapie (HFNC) als bevorzugte Option bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz – insbesondere bei persistierender Hypoxämie, Unverträglichkeit oder Kontraindikation für nichtinvasive Beatmung (NIV), beim Weaning nach invasiver Beatmung, zur Prävention von Reintubation oder bei stabiler COPD mit erhöhtem Exazerbationsrisiko. Patient:innen mit Hyperkapnie oder fehlendem Ansprechen auf HFNC sollten, sofern keine Kontraindikationen bestehen, mit NIV versorgt werden.
Multimorbidität ist bei COPD häufig und beeinflusst Prognose und Therapieerfolg deutlich. Etwa 50 % der Patient:innen haben eine Hypertonie, 20–30 % eine Herzinsuffizienz. Vorhofflimmern verdoppelt die Mortalität, und auch Lungenkrebs zählt zu den führenden Todesursachen. Die Behandlung von Begleiterkrankungen soll nach den üblichen Standards erfolgen und die COPD-Therapie nicht beeinflussen. Bei COPD mit Asthma ist ICS obligatorisch, bei Bronchiektasen oder Tuberkulose hingegen nur vorsichtig unter Kontrolle einzusetzen; orale Kortikosteroide (OCS) sollten möglichst vermieden oder niedrigdosiert bzw. kurzzeitig angewendet werden.
Jeder Patientenkontakt sollte genutzt werden, um proaktiv nach Begleiterkrankungen zu suchen und neben der Lungenerkrankung auch häufige Morbiditäten zu behandeln.
Zur strukturierten Betreuung wurde das personenzentrierte 4M-Konzept eingeführt, mithilfe dessen die mentale Gesundheit, Mobilität, Medikation und Morbidität erfasst werden können. Die Morbiditäten lassen sich den häufigsten Clustern kardiovaskulär, respiratorisch, metabolisch, mental oder Gewebeverlust in mehreren Organen (Multiple Organ Loss of Tissue, MOLT) zuordnen. GOLD stellt einen möglichen systematischen Ansatz zur Detektion häufiger Erkrankungen bereit und zeigt in einer Übersicht, welche Untersuchungen dafür initial oder beim Follow-up eingesetzt werden können (Abb. 2).

Abb. 2: Möglicher Komplementäransatz für die Erkennung häufiger Morbiditäten bei COPD-Patient:innen, Follow-up
Die jährliche Influenzaimpfung ist – sofern keine Kontraindikationen vorliegen – ab 6 Monaten empfohlen. Pneumokokken- und RSV-Impfungen werden für Erwachsene mit COPD ebenfalls früher und bereits ab 50 Jahren empfohlen. Influenza-, Pneumokokken- und RSV-Impfstoffe senken nachweislich die Häufigkeit von Infektionen der unteren Atemwege.
Erstmal erhalten die neuen Technologien ein eigenes Kapitel im GOLD Report. Künstliche Intelligenz kann Diagnose, Bewertung und Management von COPD unterstützen, etwa durch Analyse von Atemgeräuschen, Sprache oder Oszillometrie. Telemedizin, virtuelle Rehabilitation und Fernüberwachung können die Versorgung ergänzen, auch wenn ihre Wirksamkeit noch untersucht wird. Gleichzeitig mahnt der Report zu Vorsicht: Risiken wie Datenqualität, technische Limitationen oder unklare Verantwortlichkeiten erfordern einen sorgfältigen Einsatz.