Small-fiber-Neuropathien: Bestimmung der intraepidermalen Nervenfaserdichte (IENF) in Hautbiopsien

Die Bestimmung der intraepidermalen Nervenfaser (IENF)-Dichte gewinnt bei der Diagnostik von Small-fiber-Neuropathien zunehmend an Bedeutung. Die Bestimmung der IENF-Dichte ist der einzige Test, der objektiv Aufschluss über Abnormitäten dünner Nervenfasern liefern kann. In diesem kurzen Beitrag fassen wir die wichtigsten methodischen Aspekte dieses neuen Tests zusammen.
Unter dem Terminus “dünne Nervenfasern” (small fibers) werden unmyelinisierte C-Fasern und dünn myelinisierte A-β-Fasern zusammengefasst. Bei einer Schädigung derselben spricht man von einer Small-fiber-Neuropathie. Es wurden mehrere Definitionen von Small-fiber-Neuropathien vorgeschlagen.
Eine einfache, praxistaugliche Definition basiert auf normaler Suralis-Nervenleitgeschwindigkeit, klinischen Symptomen und Zeichen, und/oder veränderter quantitativ sensorischer Testung1. Symptome einer Smallfiber-Neuropathie umfassen unter anderem Defizite in der Temperaturwahrnehmung, neuropathische Schmerzen (Brennschmerzen, Spontanschmerzen, neuralgiformer Schmerz, Dysästhesien, nächtliche Schmerzen) sowie Störungen der autonomen Regulation2.

Gewinnung der Hautbiopsie

Prinzipiell lassen sich zwei Techniken zur Gewinnung von Hautbiopsien unterscheiden:
die Stanzbiopsie und die Exzisionsbiopsie. Die Stanzbiopsie ist relativ schnell und einfach durchführbar. Haut und Subcutis werden als zusammenhängender Stanzzylinder entnommen. Es werden sterile Einmalstanzen mit einem scharfen Metallzylinder verwendet.
Empfehlung für die Praxis:

  • 3-mm-Stanzbiopsie aus dem distalen Teil des Beins (10 cm über dem äußeren Knöchel) sowie eine 3-mm-Probe aus dem proximalen Teil des Oberschenkels (20 cm unterhalb der Spina iliaca anterior).
  • Einlegen der Proben in 4%-ige Formalinlösung oder 2%-ige Paraformaldehydlösung und Übermittlung der Proben innerhalb von 24 Stunden an das Klinische Institut für Neurologie. Die diagnostische Aufarbeitung dauert ca. 1-2 Wochen.

Methoden zur Quantifizierung

Die Quantifizierung der small fibers in den Hautbiopsien erfolgt durch immunhistochemische Visualiserung des Protein-Genprodukts 9.5 (protein gene product, PGP 9.5) und lichtmikroskopische Quantifizierung. PGP 9.5 ist ein lösliches, zytosolisches Protein und hat ein Molekulargewicht von 27 kD. Es gehört zur UCH-Familie (ubiquitin carboxylterminal hydrolase) und kommt in allen zentralen und peripheren Nerven sowie auch in Zellen des neuroendokrinen Systems vor. Die Bestimmung der linearen IENF-Dichte erfolgt durch lichtmikroskopische Quantifizierung der Anzahl von Fasern pro Millimeter Epidermis im histologischen Präparat. Unterschiedliche Varianten der Bestimmung wurden in der Literatur berichtet und vorgeschlagen3.
An unserem Institut führten wir dazu eine systematische Studie durch4. Dabei war es unser Ziel, die geeignetste IENF-Bestimmungsmethode hinsichtlich Verlässlichkeit und Kostengünstigkeit zu finden. Wir fanden heraus, dass die IENF-Bestimmung mittels Fluoreszenzmikroskopie diese Kriterien am besten erfüllt. Steht in einem Labor aus infrastrukturellen Gründen Fluoreszenmikroskopie nicht zur Verfügung, so kann die Bestimmung alternativ auch mittels Immunhistochemie und konventioneller Lichtmikroskopie erfolgen1.
Für die Quantifizierung der IENF und die Interpretation der Befunde ist es erforderlich, einen geschlechts- und altersspezifischen Referenzbereich für Kranke und Gesunde zu definieren. Dabei ist es wichtig, dass die befundenden Laborinstitute die Guidelines der EFNS berücksichtigen, um Ergebnisse vergleichbar zu machen1,5.

Fazit: Die Bewertung der IENF ist ein neuer, viel versprechender Labortest, welcher die diagnostische Abklärung einer Small-fiber-Neuropathie unterstützt.

 

1 Lauria G et al., European Federation of Neurological Societies/Peripheral Nerve Society Guideline on the use of skin biopsy in the diagnosis of small fiber neuropathy. Report of a joint task force of the European Federation of Neurological Societies and the Peripheral Nerve Society. Eur J Neurol 2010; 17: 903-912.
2 Sommer C, Lauria G. Painful small-fiber neuropathies. In: Vinken PJ and Bruyn GW eds. Handbook of Clinical Neurology. Vol 81:621-633.
3 Ebenezer GJ et al., Assessment of epidermal nerve fibers: a new diagnostic and predictive tool for peripheral neuropathies. J Neuropathol Exp Neurol 2007; 66:1059-73.
4 Masterarbeit Eva Dassler 2011. 5 Lauria G et al., Intraepidermal nerve fiber density at the distal leg: a worldwide normative reference study. J Periph Nervous System 2010; 15:202-207.

Zusammengestellt für den Beirat “Neuromuskuläre Erkrankungen”