Epilepsie: neue Diagnose- und Behandlungsoptionen

Der Welttag der Epilepsie stand auch heuer im Zeichen der breiten Aufklärung sowie der Forderung einer optimalen Versorgung von Epilepsie-Kranken. ÖGN-Präsident Univ.-Prof. Mag. Dr. Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg, betont: „Behandlung und Diagnostik der Epilepsie werden beständig weiterentwickelt. Mit modernen Mitteln können wir bei bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten Anfallsfreiheit erreichen.“

Magnetenzephalografie als neues Diagnose-Instrument

Die Magnetenzephalografie (MEG) erfasst die magnetische Aktivität des Gehirns, wobei mit Hilfe von Sensoren auch schwache magnetische Felder in tieferen Hirnregionen erfasst werden können. Mittels MRT lässt sich bei Epilepsie-PatientInnen z. B. feststellen, welche Hirnstrukturen Anfälle erzeugen bzw. an Anfällen beteiligt sind. Diese Untersuchungsmethode ist ungefährlich und erspart Epilepsie-PatientInnen in bestimmten Fällen risikoreichere Untersuchungen, bei denen Elektroden unmittelbar auf das Gehirn aufgebracht werden. „MEG wird gezielt für PatientInnen mit lokal entstehender Epilepsie eingesetzt, für die eine Gehirnoperation erwogen wird, weil ihnen eine medikamentöse Behandlung nicht die gewünschte Anfallsfreiheit bringt“, berichtet Trinka.
Bisher sind allerdings weltweit nur wenige Kliniken mit einer MEG-Anlage ausgestattet. In Österreich gibt es zurzeit lediglich einen Magnetenzephalografen. Dieser wird im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Paris-Lodron-Universität Salzburg (PLUS), des Universitätsklinikums Salzburg – Christian-Doppler-Klinik (CDK) – und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) betrieben. Trinka betont: „MEG ist kein Routineverfahren, sondern eine innovative Technik mit Zukunft. Sie ist aufwändig und nur für bestimmte PatientInnen geeignet. Die Kosten werden derzeit noch nicht von den Kassen übernommen.“

Cannabidiol (CBD) kann Anfälle reduzieren

Inhaltsstoffe von Cannabis spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Epilepsie-Therapie. Vor allem das nichtpsychotrope Cannabidiol (CBD) scheint Potenzial zu haben, zusammen mit anderen Anti­epileptika Anfälle zu reduzieren. Unter dem Handelsnamen Epidiolex® wurde CBD 2018 in den USA als Fertigarzneimittel zur Behandlung von zwei seltenen Epilepsie-Formen (Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom) zugelassen.
„Epidiolex® ist nicht für den breiten Einsatz bei allen Epilepsie-Formen gedacht, scheint aber bei diesen schweren Fällen bei Kindern und Jugendlichen eine interessante neue und sichere Therapieoption zu sein“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Edda Haberlandt, 1. Vorsitzende der ÖGfE. Mit einer Zulassung des Medikamentes durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird noch im Laufe des Jahres gerechnet.

SLAH: mit Laser Epilepsie-Herdeim Gehirn ausschalten

Zur Behandlung bestimmter Epilepsie-Formen sind neurochirurgische Eingriffe unvermeidlich. Für PatientInnen mit einer bestimmten Form (mesialer Temporallappenepilepsie) kommt jedoch neuerdings auch eine Behandlung mit Laser in Frage. „Die gesteuerte stereotaktische Laser-Amygdalohippokampektomie (SLAH) ist eine technisch neuartige, sichere und wirksame Alternative zur Operation“, erklärt Trinka. Bei diesem Verfahren wird eine mit Kochsalzlösung gekühlte faseroptische Lasersonde exakt auf den Bereich des Gehirns gerichtet, von dem die Epilepsie ihren Ausgang nimmt. Mit Echtzeit-MRT-Führung kann der behandelnde Neurochirurg den betroffenen Gehirnbereich lokalisieren und mit computergesteuerter Laserenergie zerstören, ohne dass das benachbarte Hirngewebe geschädigt wird.

Quelle: Presseaussendung der ÖGN und der ÖGfE, 9. 2. 2019

neuro 01|2019

Herausgeber: Österreichische Gesellschaft für Neurologie, Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Eugen Trinka, FRCP, Präsident der ÖGN
Publikationsdatum: 2019-03-12