Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser!

Autoimmun-demyelinisierende Erkrankungen des zentralen Nervensystems haben in den letzten zwei Jahrzehnten eine Diversifizierung erfahren, und eine Reihe therapeutischer Optionen ist entwickelt worden. In dieser Ausgabe von neurologisch soll der aktuelle Stand der Diagnostik und Therapie der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (Neuromyelitis optica spectrum disorders, NMOSD) dargestellt werden.

Der Meilenstein in der Abgrenzung der Neuromyelitis optica als eigen-ständige Erkrankung gelang 2004 mit der Identifizierung der pathogenen Anti-Aquaporin-4-Antikörper. Der Begriff „neuromyélite optique aiguë” wurde erstmals im Jahr 1894 von Eugène Devic verwendet, nach dem diese Erkrankung dann später benannt wurde. Bereits zuvor finden sich historische Berichte aus dem 19. Jahrhundert über Amaurose bei Patient*innen mit Rückenmarksentzündung („amaurose spinale“). Hier möchten wir Interessierte auf einen exzellenten ausführlichen Review von Jarius & Wildemann (Journal of Neuroinflammation 2019; 16: 280) verweisen.

Für die vorliegende Ausgabe von neurologisch fasst Univ.-Prof. Dr. Christian Enzinger die diagnostischen Kriterien und Aspekte der MR-Bildgebung zusammen. Der aktuelle Stand der Antikörper-Diagnostik wird von Univ.-Prof. Dr. Markus Reindl beschrieben. Hier wie auch im Beitrag von Dr. Christian Lechner und Univ.-Prof. Dr. Romana Höftberger wird auf die wichtige Differenzialdiagnose der Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein(MOG-)Antikörper-assoziierten Erkrankungen eingegangen. Differenzialdiagnostische Aspekte der Optikusneuritis behandelt Univ.-Prof. Dr. Friedemann Paul. Die Prophylaxe von Schüben der NMOSD stützte sich bisher auf das Prinzip der B-Zell-Depletion, das von Priv.-Doz. Dr. Thomas Seifert-Held beschrieben wird. Neu zugelassene bzw. im Prozess der Zulassung befindliche Therapien beruhen auf der Hemmung des Komplementsystems und des Interleukin-6-Signalwegs, wie von Priv.-Doz. Dr. Helmut Rauschka und Priv.-Doz. Dr. Harald Hegen dargestellt wird.

Damit zeigt diese Ausgabe von neurologisch die aktuellsten Entwicklungen in einem sich differenziert entwickelnden Spezialgebiet der Neurologie.

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Christian Enzinger, MBA

Univ.-Klinik für Neurologie
Medizinische Universität Graz


AutorIn: Priv.-Doz. Dr. Thomas Seifert-Held, MBA

Univ.-Klinik für Neurologie
Medizinische Universität Graz


neuro 01|2021

Herausgeber: Österreichische Gesellschaft für Neurologie, Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc, Präsident der ÖGN
Publikationsdatum: 2021-03-26