Biotechnologie in Österreich stärken

Während es seit Jahren zahlreiche Initiativen in Österreich gibt, um die Pharmabranche und die Wissenschaft im Allgemeinen zu unterstützen, fehlte ­bisher ein Verband für die österreichische Biotechnologiebranche. Peter Llewellyn-­Davies, Vorstandsvorsitzender von Apeiron Biologics, hat daher Ende letzten Jahres ­gemeinsam mit den Vorständen und ­Geschäftsführern anderer Biotechnologieunternehmen den Verband BIOTECH AUSTRIA gegründet und fungiert nun als erster Präsident. Der weitere Vorstand setzt sich aus Dr. Georg Casari, CEO der Haplogen Bioscience GmbH, Dr. Reinhard Kandera, CFO der Hookipa Pharma GmbH, und Dr. Alexander Seitz, CINO der Lexogen GmbH, zusammen.
Ziel des Verbandes ist es, die Zusammen­arbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Biotechnologiebranche zu stärken und zu fördern – mehr dazu siehe Kasten.

Mehr Förderungen und bessere Rahmenbedingungen

Derzeit engagiert sich der Verband vor allem dafür, mehr Unterstützung für die Biotechnologiebranche möglich zu machen. „Für die Forschung im Bereich Biotechnologie gibt es zwar öffentliche Fördermittel, aber selten für die Entwicklung. Daher brauchen Biotechnologieunternehmen Geld von Investoren. Investoren gehen aber zumeist über die Börse, Biotech-Unternehmen sind jedoch aufgrund des hohen Risikos eher weniger für die Börse geeignet“, erklärt Llewellyn-Davies. Daher brauche es private Investoren. „Leider sind im deutschsprachigen Raum aber viel zu wenige Privatinvestoren vorhanden, das heißt, wir müssen außerhalb der EU suchen, vor allem in Großbritannien und den USA. Und hier funkt uns das Investitionsschutzgesetz dazwischen, denn dieses wurde ins Leben gerufen, um zu verhindern, dass ausländische Firmen österreichische oder europäische Firmen kaufen können. Daher kämpfen viele Biotech-Unternehmen ums Überleben. Das ist keine gute Atmosphäre, um Innovationen zu erschaffen“, betont Llewellyn-Davies. Daher will der Verband an Veränderungen der Rahmenbedingungen arbeiten.

 

 

Starke Vernetzung angestrebt

Als weitere Kernaufgabe sieht BIOTECH AUSTRIA die Nachwuchsförderung. „Wir wollen vermehrt Nachwuchstalente in die Biotech-Branche holen und zudem auch die Rahmenbedingungen verbessern. So sollen beispielsweise Firmengründungen einfacher möglich werden“, erläutert Llewellyn-­Davies.
Neben der Aufnahme weiterer Biotech-Unternehmen soll auch die Zusammenarbeit mit regionalen Interessenverbänden, Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, Geräte- und Softwareherstellern sowie weiteren Dienstleistern im Bereich der Biotechnologie verstärkt vorangetrieben werden. Zudem können Universitäten sowie andere akademisch-wissenschaftliche oder sonstige staatliche Einrichtungen eine assoziierte Mitgliedschaft erwerben. „Es freut uns sehr, dass die PHARMIG (Verband der pharmazeutischen Industrie in Österreich) sowie die Arbeitsgemeinschaft LISAvienna (gemeinsame Life-Science-Plattform von austria wirtschaftsservice und Wirtschaftsagentur Wien) und das Vienna Biocenter (Zusammenschluss verschiedener akademischer und industrieller Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus dem Bereich der Biowissenschaften) zu unseren Gründungsmitgliedern gehören“, so Llewellyn-Davies.
Darüber hinaus will sich der Verband auch international vernetzen und ist dabei, Mitglied in der EuropaBio und der BIO Deutschland zu werden.

 

Die Ziele von BIOTECH AUSTRIA

  1. Etablierung einer unabhängigen, speziellen Interessenvertretung der Biotechnologiebranche
  2. Wahrnehmung der Interessen der österreichischen Biotechnologie gegenüber nationalen und internationalen Entscheidungsträgern
  3. Förderung und Beschleunigung eines innovativen und finanziell starken Industriezweiges innerhalb der österreichischen Wirtschaft auf Basis der modernen Biowissenschaften
  4. Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des wissenschaftlichen Standorts Österreich
  5. Nachwuchsförderung
  6. Wissens- und Erfahrungsaustausch
  7. Kooperation mit anderen nationalen und internationalen Dachverbänden (Biotechnologie und Pharma)

Mehr Information: www.biotechaustria.org

Redaktion: Mag. Nicole Gerfertz-Schiefer

PA 01|2021

Herausgeber: Dr. Wolfgang Tüchler
Publikationsdatum: 2021-03-18