Ärztekammer fordert Entlastung des Gesundheitspersonals

Die andauernde Belastung für Gesundheitsberufe in der Pandemie führt zunehmend zu Kündigungen in Spitälern. Die ÖÄK-Vizepräsidenten Johannes Steinhart und Harald Mayer fordern nun Maßnahmen sowie Personal- und Ausbildungsoffensiven, um das System nachhaltig zu entlasten.

„Wertschätzung für das Intensivpersonal allein ist zu wenig, das gesamte Gesundheitspersonal muss mit allen Mitteln gehalten werden“, betont Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte. Zuletzt wurde bekannt, dass ein Fünftel der Intensivpflegekräfte im KH Eisenstadt gekündigt hätten, ebenso seien in Oberösterreich in einem Spital sieben von 18 Pflegekräften gegangen, berichtet er. „Das sind nur ein paar Beispiele dafür, wie belastend die Situation derzeit in den Spitälern ist und welche Folgen es hat, wenn nicht reagiert wird“, sagt Mayer. Es sei dramatisch, wenn Expertise verloren gehe. Der Vorstoß der Regierung hinsichtlich arbeitsrechtlicher und finanzieller Verbesserungen für das Personal an den Intensivstationen sei begrüßenswert, aber: „Details sind noch nicht bekannt und Worte müssen schnell in Taten umgesetzt werden“, sagt Mayer. Das Gesundheitssystem zu stabilisieren bedeute auch, neben einer Personaloffensive in den Spitälern für ausreichend Impfstoffe in der Bevölkerung zu sorgen: „Es gehören hier alle Kräfte gebündelt, um das Gesundheitspersonal zu entlasten und weitere schmerzliche Abgänge zu vermeiden“, sagt Mayer.

Ebenso wie er spricht sich auch der ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, für Verbesserungen aus. Er kritisiert auch Bestrebungen in einzelnen Bundesländern, Spitalsärzte als „Lückenbüßer“ im niedergelassenen Bereich einzusetzen. „Es kann nicht sein, dass ständig die notdürftige Übertünchung zulasten der Patientenversorgung gewählt wird, anstatt die Ursache des durch die zahlreichen Einsparungen und Investitionsverweigerungen selbstverschuldeten Problems anzugehen“, kommentiert Steinhart jüngste Tendenzen aus Niederösterreich und dem Burgenland, wo Spitalsärzte eingesetzt werden, um unbesetzte Kassenstellen für Allgemeinmediziner zu kaschieren. „Das kann keine ernsthafte Lösung sein“, sagt Steinhart: „Wir brauchen optimal ausgebildete Spitalsärzte und ausreichend Ressourcen im intramuralen Bereich. Gleichzeitig brauchen wir einen voll leistungsfähigen niedergelassenen Bereich, der einen niederschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem garantiert. Nur durch dieses Zusammenspiel können die verfügbaren Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden.“

Die Ärztekammer habe in den vergangenen Jahren immer wieder explizit vor dem Ärztemangel vor allem im Kassenbereich gewarnt. „Wer sich heute, wo das Ausmaß des Mangels immer deutlicher offensichtlich wird, davon überrascht zeigt, der beweist, dass er keine Ahnung von den Entwicklungen im Gesundheitsbereich hat“, stellt Steinhart klar. Den Weg aus der Misere habe die Österreichische Ärztekammer ebenso längst aufgezeigt: „Der Beruf des Allgemeinmediziners muss attraktiver gemacht werden – das ist alternativlos.“ (red)