Ärztemangel trotz Rekordzahl an Ärzt:innen? 

© ÖÄK/Bernhard Noll

Die Zahl der Ärzt:innen in Österreich ist 2025 auf mehr als 53.300 gestiegen und hat somit eine Rekordhöhe erreicht. Wieso dennoch ein Ärztemangel anstehen könnte. 

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Johannes Steinhart und Kammeramtsdirektor Lukas Stärker präsentierten am Mittwoch die neueste Ärztestatistik, die auf Daten von 31.12.2025 basiert. Sie erklärt, warum binnen der nächsten zehn Jahre ein Ärztemangel anstehen könnte, obwohl die Zahl der Ärzt:innen in Österreich inklusive Mehrkammermitgliedschaften mit 53.353 eine Rekordhöhe erreicht hat. 32,7 % aller Ärzt:innen, also fast ein Drittel, war laut der Statistik Ende des Vorjahrs 55 Jahre alt oder älter und wird binnen der nächsten zehn Jahre das Regelpensionsalter erreichen oder überschreiten. Das entspricht 18.346 Ärzt:innen. Zwar arbeiten einige Ärzt:innen nach ihrem 65. Lebensjahr weiter, aktuell sind das rund 6000, hieß es bei der Präsentation, doch sie arbeiten meist nur geringfügig, sind als Privatmediziner:innen ärztlich tätig oder arbeiten in Sektoren außerhalb der Versorgungswirksamkeit im Gesundheitssystem.

„Daraus ergibt sich ein jährlicher Nachbesetzungsbedarf von rund 1800 Ärzt:innen pro Jahr“, sagte Stärker. „Derzeit gibt es zwar pro Jahr in etwa genauso viele Studienplätze, aber etliche der Absolvent:innen werden nicht im österreichischen Gesundheitssystem versorgungswirksam“, erklärte Steinhart. Daher könnten nur zirka 1300 Ärzt:innen nachbesetzt werden. Dies seien in Anbetracht der Alterung der Gesellschaft und des damit einhergehenden steigenden Bedarfs an ärztlicher Versorgung wenige. Mehr Studienplätze zu schaffen, würde die Lücke anders als viele denken, nicht schließen, da dann auch noch mehr ausgebildete Ärzt:innen ins Ausland gehen würden, ist Steinhartüberzeugt.

Ein Grund für die Abwanderung junger Ärzt:innen seien die bis zu einem Jahr langen Wartezeiten auf einen Platz in der Basisausbildung. Steinhart: „Verantwortlich dafür sind die Spitalsträger, sie müssen mehr Ausbildungsplätze schaffen.“ Um auch nur den Status Quo bei der ärztlichen Versorgung aufrechterhalten zu können, müsse außerdem bedacht werden, dass die jungen Ärzt:innen großen Wert auf die Work-Life-Balance legen und gern in Teilzeit arbeiten. Hier gebe es mit den in der Gesundheitsreform vorgesehenen Teilkassenstellen schon einen Schritt in die richtige Richtung, meinte Steinhart, aber auch die Arbeitsbedingungen in den Spitälern müssten flexibler werden, um junge Ärzt:innen im System zu halten.

Die Möglichkeit der freieren Zeiteinteilung ist nach Meinung der ÖÄK auch der Hauptgrund dafür, warum sich immer mehr Ärzt:innen dazu entschließen, Wahlärzt:innen zu werden. 11.939 gab es zuletzt, und damit deutlich mehr als Kassenärzt:innen, deren Zahl bei 7239 lag. Zehn Jahre vor der jüngsten Erhebung, 2015, standen noch 4476 Wahlärzt:innen 6923 Kassenärzt:innen gegenüber. Neben dem Trend zu mehr Wahlärzt:innen gibt es noch den Trend zu mehr Frauen in der Medizin: Mit 50,4 Prozent lag Ende 2025 der Anteil der Frauen an allen Ärzt:innen erstmals über jenem der Männer, und der Anteil von 57,9 Prozent Frauen an den Turnusärzt:innen verdeutlicht, dass es in Zukunft noch einmal mehr Ärztinnen als Ärzte geben wird. (sst)