Apotheken wollen impfen, Ärzte und Ministerium sagen „Nein“

Geht es nach Funktionären der Apothekerkammer sollen Apotheken doch in die Covid-19-Impfstrategie eingebunden werden. Man habe bei den Antigentests gezeigt, was man könne. Konter der Ärzte: Es fehlt nicht nach Impfstellen, sondern an Impfstoff.

Für Aufsehen innerhalb der Ärzteschaft sorgt eine erneute Forderung der Apothekerkammer, dass Apotheken impfen sollen. Apotheken könnten „binnen weniger Wochen“ mit Impfen beginnen – eine flächendeckende Infrastruktur wäre bereits vorhanden, meinte die Präsidentin der Apothekerkammer Ulrike Mursch-Edlmayr in einem KURIER-Interview. Es gehe um technisch und medizinisch unproblematische Impfungen von Erwachsenen, sagt Kornelia Seiwald, Präsidentin der Salzburger Apothekerkammer, in einem ORF-Interview. Durch die Einbindung der Apotheker in nationale Impfprogramme könne ein gutes, dezentrales und unbürokratisches Angebot für Bevölkerung und Gäste geschaffen werden, betont sie: „Pharmazeuten beschäftigen sich grundsätzlich auch mit Impfstoffen. Es gibt auch laufend Fortbildungen. Und es könnte ein entsprechendes Curriculum geschaffen werden.“ Das Gesundheitsministerium hat den Wunsch allerdings bisher abgelehnt und auch nun wieder ein „Nein“ signalisiert.

Unterstützung für die Idee der Apotheker kommt von der Oppositionspartei NEOS. Gesundheitssprecher Gerald Loacker will einen entsprechenden Antrag im nächsten Gesundheitsausschuss des Nationalrates auf die Tagesordnung bringen. „Das Impfen in der Apotheke wurde im vergangenen ,Corona-Jahr’ auch schon dreimal im Gesundheitsausschuss verhandelt, allerdings leider von den Regierungsparteien ÖVP und Grüne jedes Mal vertagt“, sagt Loacker. Dabei könnte die Einbindung der Apotheken ein „entscheidender Turbo für eine schnellere Durchimpfung sein“, meint der Mandatar.

Es gibt keinen Grund, dass Apotheken auch noch impfen, betont hingegen Johannes Steinhart, Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Österreichischen Ärztekammer. Das Problem seien fehlende Impfstoffe und die Logistik. „Impfen ist eine ärztliche Tätigkeit – und soll es auch bleiben“, erklärt er und verweist auf die Aussagen des Gesundheitsministers im Herbst. Da sei noch betont worden, dass aus Gründen der Qualitätssicherung und des Patientenschutzes nicht geplant sei, den Kreis der Berufsgruppen im Gesundheitsbereich, die zur Durchführung von Impfungen berechtigt sind, auszuweiten. Daher sei es umso verwunderlicher, dass derzeit wieder von Einzelnen ins Spiel gebracht werde, die Coronavirus-Schutzimpfung in Apotheken anzubieten: „Dazu gibt es keinen Grund, denn Ärztinnen und Ärzte in Tausenden Ordinationen stehen bereit, die Bevölkerung sicher und medizinisch kompetent durchzuimpfen“, betont Steinhart. „Das Problem liegt keinesfalls bei der Anzahl der Impfärzte, sondern vielmehr in der Logistik und der Menge der Impfstoffe“, ergänzt Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferates. Apotheker hätten nicht die medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten, mit potenziell akuten und seltenen Impfreaktionen umzugehen. (red)