Corona-Krise: Beihilfen für Ordinationen rücken doch näher

Die Ärztekammer fordert für niedergelassene Ärzte eine volle Entschädigung für Einbußen durch die Corona-Krise. Ein entsprechendes Angebot der ÖGK wird abgelehnt. Dachverbandschef Peter Lehner will sich nun bei der Regierung für Hilfen stark machen.

Weil niedergelassene Ärzte trotz existenzbedrohenden Patientenrückgangs während der Corona-Maßnahmen ihre Ordinationen offengehalten haben, fordert die Ärztekammer Ausgleichszahlungen durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Das Angebot von Akontozahlungen in der Höhe von 80 der Vorjahresabrechnungen bei gleichzeitiger Analyse zum Jahresende erscheint den Ärzten nicht weitreichend genug. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, bezeichnet das als „Null-Meldung“. Die niedergelassenen Ärzte seien von der Kasse in der Krise völlig im Stich gelassen worden. „Bei der Versorgung der Ordinationen mit ausreichend Schutzausrüstung hat die ÖGK viel zu wenig organisiert“, sagt Steinhart: „Ordinationen können nicht mit anderen Berufsgruppen in einen Topf geworfen werden, weil wir nicht zusperren konnten. Über 90 Prozent der Kassenärztinnen und -ärzte hatten geöffnet und haben mit hohem persönlichen Einsatz die niedergelassene Gesundheitsversorgung aufrechterhalten.“

Am Wochenende hat nun Dachverbandschef Peter Lehner in einem Interview „volle Unterstützung“ für die Ärzte bei ihrer Forderung nach hundertprozentiger Entschädigung zugesagt. „Es freut mich, dass von Kassenseite endlich eingesehen wird, dass die niedergelassene Infrastruktur, die sich in dieser Krise bislang so vorzüglich bewährt hat, aufgefangen und geschützt werden muss. Schließlich wird es auch in Zukunft, nicht nur bei einer möglichen zweiten Welle von Corona-Infektionen, erneut entscheidend sein, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte an vorderster Front die wohnortnahe Versorgung aufrechterhalten können“, sagt Steinhart. Auch ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres bedankte sich für die Klarstellung von Lehner: „Das ist ein langerwartetes Zeichen der Anerkennung für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die trotz hohem persönlichen Risiko während der Krise ihre Ordinationen offengehalten und somit die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten sichergestellt haben. Das war ein eminent wichtiger Baustein bei der Entlastung der Spitäler und damit die gute Entwicklung Österreichs in dieser Krise.“ (red)