Corona-Krise: Ärzte fordern Ausgleichszahlungen für Ordinationen

Die Regierung müsse für die wirtschaftliche Sicherstellung der niedergelassenen Ärzteschaft sorgen, fordert die Ärztekammer. Die Ärzte hätten in der Krise die Ordinationen weiter geöffnet, aber bisher deutlich weniger Patienten zu betreuen gehabt.

Die Ärztekammer fordert für alle niedergelassenen Ärzte mit und ohne Kassenvertrag Ausgleichszahlungen in Höhe von 100 Prozent des Vorjahresumsatzes im Abrechnungszeitraum der Pandemie – abzüglich allfälliger sonstiger staatlicher Unterstützung und abzüglich der verrechenbaren Honorare. Ein entsprechendes Forderungspaket ist an die politisch Verantwortlichen übergeben worden. Nur so könnten die Vorhaltekosten finanziert werden, die für die gesamte extramurale ärztliche Versorgung in Österreich aufgebracht werden müssen, betonte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

„Seit Beginn der Pandemie und auch als Österreich während des Shutdowns auf Minimalbetrieb heruntergefahren wurde, haben die niedergelassenen Ärzte ihre Ordinationen offen gehalten und somit die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auch während der Krise garantiert.“ Sie hätten damit einerseits ihren Versorgungsauftrag auf Basis der Verträge mit den Krankenkassen erfüllt, andererseits aber auch als Wahlärzte aus ärztlichem Ethos und selbstverständlicher medizinischer Pflichterfüllung die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im niedergelassenen Bereich garantiert. Nur dadurch sei es möglich gewesen, dass während der gesamten Krisenzeit bislang 90 Prozent der Wiener Ordinationen für ihre Patienten offen geblieben sind, so Szekeres. Aufgrund der von der Bundesregierung ausgegebenen Verhaltensregeln wurden die Ordinationen während der Corona-Krise aber von bis zu 90 Prozent weniger Patienten aufgesucht. Laut dem Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, bedeutet dies für die niedergelassenen Ärzte einen enormen Umsatzeinbruch – dies jedoch bei gleichbleibenden laufenden Kosten. Steinhart räumt zwar ein, dass die Betreuung auf telemedizinischer Basis zugenommen habe, diese könne aber nicht wie eine Behandlung in der Ordination abgerechnet werden – weder gegenüber den Krankenkassen noch auf Basis eines Privathonorars. Telemedizin ist, etwa in Wien, nur im Rahmen eines Pilotprojekts als Zusatzleistung in der Honorarordnung vorgesehen, nicht jedoch als Vollbetreuung in einer Pandemiezeit. „Die bisherigen Unterstützungstöpfe der Bundesregierung sind allesamt für die spezifische Situation der niedergelassenen Ärzteschaft vollkommen untauglich“, kritisiert Steinhart. Die Politik sei hier gefordert, entsprechende Regelungen zu treffen. (red)