Forum Alpbach: Kassenmedizin ist auf dem Rückzug

Alpbach (c) Bogdan_Baraghin

Im ambulanten Sektor zeigt sich, dass sich in Österreich die Kassenmedizin auf dem Rückzug befindet. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen präsentiert worden ist.

Die Corona-Pandemie hat in Österreich gezeigt, dass das Gesundheitswesen vor allem im niedergelassenen Bereich und auf lokaler Ebene massive Unterstützung braucht. Die Gesundheitsökonomen Maria Hofmarcher und Christopher Singhuber (HealthSystemIntelligence) haben in einem neuen Report mit Unterstützung von Philips Austria das österreichische Gesundheitssystems auf Bundesländerebene analysiert. Besonderer Augenmerk muss demnach in der Gesundheitspolitik der Kassenmedizin gewidmet werden, die sich auf dem Rückzug befindet: „Wird mehr den Wahlärzten überlassen, steigen die privaten Ausgaben.“ Am niedrigsten ist der Anteil der privaten Ausgaben für ambulante Leisten in Oberösterreich (23 %). Sehr hoch ist er in Vorarlberg (35 %) und in Salzburg (30 %). „Alle drei Länder haben eine mittelmäßige Versorgung mit Kassenärzten pro 100.000 Einwohner. Der Umbau des Systems in Richtung regionaler Zusammenführung der Mittel für die ambulante Versorgung ist ein Muss und bedeutend wichtiger als der Umbau der Kassenlandschaft“, sagt Hofmarcher. Das bedeutet, dass die angestrebte Gesundheitsreform wichtiger denn je ist. Dazu zähle auch, dass Österreich beim Pflegepersonal im internationalen Vergleich stark aufholen müsse.

In der Versorgungsqualität in Sachen Prävention, Diagnose und Therapie existieren in Österreich je nach Bundesland offenbar deutliche Unterschiede. Hofmarcher: „Bei der vermeidbaren vorzeitigen Mortalität vor dem 75. Lebensjahr ist die Situation in Kärnten und im Burgenland zum Beispiel besorgniserregend. Vorarlberg schneidet bei seinen relativ hohen Aufwendungen ebenfalls schlecht ab. Niederösterreich und Oberösterreich sind am besten, Salzburg und die Steiermark im Mittelfeld. Wien schneidet auch recht gut ab.“

Um die Corona-Krise und die Folgen der Wirtschaftskrise überwinden zu können, braucht Österreichs Gesundheitssystem zudem zusätzliches Geld. Hofmarcher und Singhuber rechnen mit einem Finanzbedarf von 4,2 Milliarden Euro. Und sie schlagen einen „AT4Health“-Fonds vor. „Wir rechnen mit rund 1,1 Milliarden Euro für Steuer- und Beitragsausfälle, etwa zwei Milliarden für die Bundesländer und 600 Millionen Euro für Investitionen in bessere Gesundheitsleistungen.“ (red)

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