Die MedUni Graz hat ein neues Konzept entwickelt, dass die Sterberate bei Frühgeborenen senken soll.
Bei der Behandlung von Frühgeborenen – also Kindern, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen – stehen Mediziner:innen oft vor großen Herausforderungen. Besonders der geringe Grad der Lungenreife kann zu Problemen bei der Sauerstoffversorgung der Kinder führen. Damit Frühgeborene mit der passenden Dosis an Sauerstoff versorgt werden konnten, wurden bisher die Sauerstoffwerte im Blut über eine Pulsoxymetrie gemessen. „Allerdings ist das Gehirn das Organ, wo die ausreichende Sauerstoffversorgung insbesondere bei Frühgeborenen als extrem wichtig angesehen wird – vor allem, um eine gute neurologische Entwicklung zu ermöglichen“, erklärt Berndt Urlesberger, Klinische Abteilung für Neonatologie der Medizinischen Universität Graz.
Gemeinsam mit anderen Forscher:innen MedUni entwickelte er daher ein Behandlungskonzept, dass neben der Pulsoxymetrie auch die Sauerstoffsättigung im Gehirngewebe mittels Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) misst. Diese Methode ist nicht-invasiv, schmerzlos und es wird kontinuierlich über einen Sensor an der Stirn gemessen. Und nicht nur das: Im Rahmen der Studie konnte gezeigt werden, dass das neue Vorgehen das Potenzial hat, die Sterberate und die Gehirnschädigungen bei Frühgeborenen zu senken. „In den vergangenen 14 Jahren wurden in Graz mittels zahlreicher Vorstudien nicht nur Normwerte für die zerebrale Sauerstoffsättigung ermittelt, sondern auch die physiologischen Zusammenhänge und Einflussfaktoren untersucht.
Mit diesem Wissen wurde ein Konzept erarbeitet, das eine Kombination von klinischen Handlungsanweisungen und dem Monitoring der Sauerstoffsättigung des Gehirns beinhaltet“, erklärt Urlesberger die Geschichte der Forschung in diesem Bereich an der Med Uni Graz. Die Studie ist die weltweit erste klinische Studie zu diesem Thema. Insgesamt wurden 607 Frühgeborene mit weniger als 32 Schwangerschaftswochen in diese Studie eingeschlossen. Sowohl das Studienkonzept als auch die Leitung kommen von der Klinischen Abteilung für Neonatologie in Graz. Die Studie selbst wurde schließlich in mehreren Ländern in Europa und Nordamerika durchgeführt. Die Studienleitung hat Gerhard Pichler aus Graz übernommen, die Ergebnisse der großen internationalen Multi-Center-Studie wurden im „British Medical Journal“ publiziert. (kagr)
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