Rekord an Hitzetoten in Monaten Juni und Juli

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Laut einer aktuellen AGES-Berechnung gab es – den August noch nicht mitberechnet – 646 hitzebedingte Todesfälle bisher im Sommer. Die Hitzetage treffen auch das Gesundheitssystem.

In den Monaten Juni und Juli hat es nach Berechnungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 646 hitzebedingte Todesfälle gegeben. Das ist ein Höchstwert für diesen Zeitraum, teilte das Gesundheitsministerium mit. Im ebenfalls sehr heißen Sommer 2024 hatte es bis Ende Juli 570 Hitzetote gegeben, im Vorjahr waren es 284. Am 31. Juli war mit 40,3 Grad in Wieselburg ein neuer Temperaturrekord für einen Juli-Tag in Österreich erreicht worden. Im August gab es dann sogar 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg. Die Daten für August liegen aber noch nicht vor. Die Werte zur hitzeassoziierten Sterblichkeit beruhen auf einem wissenschaftlichen Modell der AGES. Anhand von Sterbe- und Wetterdaten wird statistisch geschätzt, wie viele zusätzliche Todesfälle mit der außergewöhnlichen Hitzebelastung in Zusammenhang stehen.

Vor rund einem Monat hatte die AGES erstmals schon während eines Sommers die Zahl der Hitzetoten für Juni errechnet und ging dabei von 395 Opfern aus. Im Juli kamen demnach weitere 251 Fälle hinzu. Die aktuellen Zahlen zu den hitzebedingten Todesfällen zeigen erneut, wie stark hohe Temperaturen die Gesundheit der Menschen in Österreich belasten, erläuterte das Gesundheitsministerium. Doch Hitze betreffe nicht nur einzelne Menschen – sie stelle auch das Gesundheitssystem selbst vor zunehmende Herausforderungen.

Eine neue Analyse der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zeige erstmals österreichweit, welche Gesundheitseinrichtungen besonders stark von Hitze betroffen sind. Im langjährigen Durchschnitt waren rund 20 Prozent der untersuchten Einrichtungen einer hohen Hitzebelastung ausgesetzt. Im Sommer 2026 waren bis Ende Juli bereits mehr als 70 Prozent der Krankenanstalten sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen und 80 Prozent der Primärversorgungseinheiten mit mindestens 20 Hitzetagen konfrontiert. Rund ein Viertel aller Einrichtungen war bereits mindestens 30 Hitzetagen ausgesetzt.

„Wir müssen bei Hitze nicht nur auf die Zahl der Hitzetoten schauen. Wir müssen auch darauf schauen, was die zunehmende Hitze für unser Gesundheitssystem bedeutet“, betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) am Sonntag. Besonders wichtig sei der Blick auf jene Einrichtungen, in denen Menschen mit höherer Vulnerabilität versorgt und gepflegt werden. „Wir sind mitten in der Analyse: Wir wollen genau herausfinden, wo die Problemstellen liegen, welche Einrichtungen besonders betroffen sind und wo wir gezielt ansetzen müssen. Die Daten schaffen dafür erstmals eine österreichweite Grundlage“, erläuterte Schumann. Für die Untersuchung wurden die Standorte von Krankenanstalten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Primärversorgungseinheiten mit Daten zur Hitzebelastung verbunden. „Wir werden nicht so tun, als gäbe es auf eine komplexe Entwicklung eine einfache Antwort. Aber wir können sehr genau hinschauen, wo die größten Risiken liegen – und genau dort müssen wir ansetzen“, so die Gesundheitsministerin.

Kritik kommt von der Opposition: Die Todesfälle seien nicht nur eine „furchtbare Tragödie“, sondern „auch ein dringender Auftrag, endlich zu handeln und die Menschen in unserem Land wirksam vor der extremen Hitze zu schützen,“ hält Leonore Gewessler, Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen, fest. „Aber die Regierung blieb den ganzen Sommer über untätig – das ist fahrlässig.“ (APA/red)