Wechsel an der Spitze der Ärztekammer ist fix

Johannes Steinhart wird wohl neuer Präsident der Wiener Ärztekammer. Er hat eine neue Koalition aus sieben Fraktionen gebildet  und geht davon aus, in der konstituierenden Sitzung am 3. Mai gewählt zu werden. Damit ist fix, dass auch die ÖÄK eine Spitze bekommt.

Steinhart löst damit in Wien wohl den bisherigen Präsidenten Thomas Szekeres ab. Szekeres muss damit auch als Präsident der Bundes-Ärztekammer abdanken, weil diese Position nur einer der Landespräsidenten ausüben kann. Die ÖVP freute sich darüber, dass sich mit Steinhart der Spitzenkandidat der ihr nahen „Vereinigung österreichischer Ärztinnen und Ärzte“ durchgesetzt hat. Von der Wiener ÖVP – Parteichef Karl Mahrer Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec – kam umgehend per Aussendung eine „herzliche Gratulation“.

Bei der Wahl der Wiener Ärztekammer am 19. März war Steinhart wie berichtet mit seiner Vereinigung die stimmenstärkste Fraktion geworden vor der Liste von Skezeres, der leicht dazu gewonnen hatte. Das war auch bei den vergangenen Wahlen vor fünf Jahren so, damals hatte Szekeres es noch geschafft, als zweitstärkste Kraft eine Koalition gegen die relative Mehrheit der Steinhart-Liste zu bilden. Diesmal drehte Steinhart, der auch Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene ist, den Spieß um.

Wie Steinhart nun mitteilte, habe er eine Koalition aus insgesamt sieben Fraktionen gebildet und die neuen Partner haben demnach am gestrigen Sonntag auch bereits einen Koalitionsvertrag für die kommende Funktionsperiode bis 2027 unterzeichnet. Die Wahl selbst findet in der konstituierenden Sitzung am 3. Mai statt. In der Vollversammlung hat diese Koalition 46 von 90 Stimmen, wobei aber davon auszugehen ist, dass die impfkritische MFG angesichts ihrer Attacken im Vorfeld der Wahl auch nicht für Szekeres stimmen wird.

Unterzeichnet wurde der Koalitionsvertrag nicht nur von der „Vereinigung österreichischer Ärztinnen und Ärzte – Liste Steinhart“ sondern auch von den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der „Turnusärzte für Turnusärzte – Assistenzärzt*inneninitiative“, der Liste „We4U“, den „Grünen Ärztinnen und Ärzten“, der Liste „Asklepios – die Alternative mit Mut“, den „Wahlärzten Wien“ und der „Liste Integrative Medizin“.

Steinhart kündigte an, eine „transparentere und kommunikativere Führung“ in der Wiener Ärztekammer etablieren zu wollen. Er wolle etwas „für die nächsten 20 Jahre aufbauen“. Inhaltlich hat sich seine Koalition vor allem auf eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Spitals- und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte geeinigt. Vor allem für junge Menschen wollen man den Beruf attraktiver machen. Steinhart sprach von einer Erneuerung und Anpassung an die neue Generation. „Wir stehen für eine junge Kammer“ ergänzte der Listenführer der „Turnusärzte für Turnusärzte“, Bernhard Schönthoner. Der Spitzenkandidat der „Grünen Ärztinnen und Ärzte“, Michael Lazansky und George Zabaneh von der Liste „We4U“ hoben mehr Transparenz als Schwerpunkt hervor, die auch angesichts des Immobilienkaufs in der Wiener Innenstadt von Bedeutung sei, der zuletzt für Aufregung gesorgt hatte. Renate Heinz, Spitzenkandidatin der Liste „Wahlärzte Wien“, freute sich, dass erstmals eine Wahlärztin in den Vorstand der Kammer einzieht. Die Liste „Asklepios – die Alternative mit Mut“ will sich mit ihrer Spitzenkandidatin Anna Kreil schwerpunktmäßig um die Arbeitsbedingungen der Spitalsärzte kümmern. Und der Spitzenkandidat der „Liste Integrative Medizin – LIM“, Felix Badelt, betont den umfassenden Ansatz der neuen Kammerführung. (red)