Deutsche Regelung heizt Impfstreit zwischen Apotheken und Ärzten an

Deutschland erlaubt Apotheker:innen ab Herbst Impfungen durchzuführen. Österreichs Apothekerschaft nimmt das zum Anlass für neue Forderungen. Die Ärztekammer bremst.

Deutschland baut seine Impf-Infrastruktur aus. Zu Wochenbeginn hat der deutsche Bundestag beschlossen, dass Apothekerinnen und Apotheker im ganzen Land künftig neben Corona-Impfungen auch Impfungen gegen die Grippe durchführen dürfen. Angesichts dieser Entscheidung fordern Österreichs Apotheker:innen erneut von der Regierung die Berechtigung zum Impfen. „Es ist international erwiesen, dass durch das Impfen in der Apotheke deutlich höhere Durchimpfungsraten in der Bevölkerung erzielt werden. Dahinter stehen der wohnortnahe und niederschwellige Zugang der Apotheken, die flächendeckende Verteilung in ganz Österreich, ein über viele Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis zu Patientinnen und Patienten und natürlich unsere kundenfreundlichen Öffnungszeiten“, sagt Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer.

Die Standesvertretung fordert konkret die Erlaubnis zum Impfen erwachsener Personen gegen Grippe, FSME und Covid-19. Mit dem ausstehenden Impf-Startschuss gerate Österreich EU-weit ins Hintertreffen. In Portugal werde bereits jede zweite Grippeimpfung in der Apotheke verabreicht. In Dänemark darf seit 2021 in Apotheken geimpft werden. Seitdem ist dort die Impfquote um 25 Prozent gestiegen. Frankreichs Apothekerschaft hat 2019 innerhalb von elf Wochen 2,3 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft. Das entsprach 26,7 Prozent aller Grippeimpfungen.

Impfungen in Apotheken seien eine unnötige und sinnlose Gefährdung der Patientensicherheit, betont die niedergelassene Ärzteschaft. „Es ist einfach unnötig, für finanzielle Interessen der Apothekerschaft die Patientensicherheit zu gefährden“, kommentierte Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte: „Österreich verfügt im Gegensatz zu anderen Ländern über ein dichtes und leistungsfähiges Netz an wohnortnaher Gesundheitsversorgung durch niedergelassene Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sowie Fachärztinnen und Fachärzte. Apothekerinnen und Apotheker leisten einen wertvollen Beitrag für den Impfschutz der Bevölkerung, indem sie die Lagerung und die Abgabe von Impfstoffen managen. Das sind ihre Kompetenzen und darauf sollten sie sich besinnen“, empfahl Steinhart. „Wir Ärztinnen und Ärzte haben andere Kompetenzen. Wir kennen unsere Patienten, wir können die Impftauglichkeit dank unseres Studiums und der verpflichtenden Fortbildungen feststellen und auch bei seltenen Nebenwirkungen maximale Patientensicherheit garantieren. Zudem sind unsere Ordinationen sowohl von Ausbildung als auch von Ausstattung her auf Notfälle trainiert“, unterstrich der ÖÄK-Vizepräsident.

Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferates, glaubt, dass die Apothekerkammer-Spitze die Impfwilligkeit ihrer Mitglieder überschätzt. In Deutschland habe sich das Interesse der Apotheken an der Corona-Impfung in engen Grenzen gehalten. „Viele Pharmazeuten sahen angesichts der Angebote durch Ärztinnen, Ärzte und Impfstraßen selbst keinen Bedarf, in ihrer Apotheke Impfungen anzubieten. „Auch in Österreich bezweifeln mehrere hochrangige Repräsentanten dieses Berufsstandes durchaus, dass Impfen in der Apotheke eine sinnvolle Ausweitung der Gesundheitsvorsorge darstellt“, sagt Schmitzberger. (rüm)