v.l.: Elisabeth Potzmann (ÖGKV), Georg Stummvoll (SVS), Verena Nikolai (Gesundheitsministerium), Peter Kurz (Austrian Wound Association), Martina Laschet (Initiative Wund?Gesund!) © Initiative Wund?Gesund!/APA/Schedl Credit für NL: © Initiative Wund?Gesund!/APA/Schedl Die Initiative Wund?Gesund! macht auf Versorgungslücken bei Menschen mit chronischen Wunden aufmerksam und fordert österreichweit einheitliche Angebote sowie bessere Koordination.
„Menschen mit chronischen Wunden erleben oft eine Irrfahrt durch das System: Viele warten monatelang oder jahrelang auf eine qualitätsgesicherte Versorgung. Das kostet Lebensqualität, belastet Angehörige und Pflege und verursacht hohe Folgekosten. Deshalb brauchen wir abgestimmte Prozesse, multiprofessionelle Zusammenarbeit und ein modernes eHealth-System“, forderte Martina Laschet, Sprecherin der Initiative Wund?Gesund! im Rahmen der 26. Jahrestagung der Austrian Wound Association. Ebenso notwendig sei ein zentraler, transparenter, und einheitlicher Einreich- und Erstattungsprozess für alle Behandlungsleistungen – von der Wundauflage bis zur digitalen Gesundheitsanwendung.
Im Fokus des Dialogforums der Initiative Wund?Gesund! stand die Patient Journey, die Versorgungsangebote, Warte- und Behandlungszeiten sowie Ressourcennutzung sichtbar machen soll. „Patientinnen und Patienten bewegen sich zwischen Krankenhaus, Fachärzt:innen, Allgemeinmediziner:innen, Pflege, Apotheken und Sozialversicherung oft ohne klare Koordination“, kritisierte Peter Kurz, Generalsekretär Austrian Wound Association. Zudem sei häufig unklar, welche Produkte zur Verfügung stünden, da Verfügbarkeit und Auswahl von Verbandstoffen je nach Bundesland unterschiedlich geregelt seien. Das führe zu Ungleichheiten und erschwere es Hersteller:innen, innovative Lösungen flächendeckend in die Versorgung zu bringen. Als Lösungsansatz nannte Kurz eine personzentrierteWundversorgung, die die gesamte Patient Journey konsequent aus der Perspektive der betroffenen Menschen denkt.
Verena Nikolai, Leiterin der Abteilung Qualität im Gesundheitssystem, Gesundheitssystemforschung im Gesundheitsministerium, verwies auf den Qualitätsstandard „Integrierte Versorgung Chronische Wunden“, der im April 2026 veröffentlicht wurde und elf evidenzbasierte Empfehlungen enthält. Damit sei erstmals bundesweit ein abgestimmter Rahmen für die qualitätsgesicherte Versorgung von Patient:innen mit chronischen Wunden geschaffen worden und es werde deutlich, wo noch strukturelle Verbesserungen nötig seien.
Pflegeverbandspräsidentin Elisabeth Potzmann forderte: „Innerhalb der gesetzlichen Gesundheitsberufe benötigen wir Task-sharing, also gemeinsam übernommene Verantwortung für die Patient:innen. Ergänzend brauchen wir – über das ASVG – abrechenbare Leistungen durch die Pflege, die Schaffung von Pflege- und Therapiepraxen und eine erweiterte Verordnungskompetenz für die Fachpflege.“ Der Schlüssel dazu liege in der Digitalisierung.
Chronische Wunden erfordern ein interprofessionelles, erfahrenes Team, die Grundlage der Behandlung müsse jedoch die ärztliche Abklärung sein, betonte Georg Stummvoll, Chefärztlicher Dienst der SVS. Entscheidend sei zudem, dass „auch bei Verordnungen im Bereich des Wundmanagements das Ökonomiegebot berücksichtigt werden muss, das einen Grundpfeiler der solidarisch organisierten Krankenversicherung darstellt.“ (APA/tab)
Service: Qualitätsstandard ‘Integrierte Versorgung Chronische Wunden’