Wirkstoffverschreibung: Industrie widerspricht der Apothekerkammer

Nicht nur die Ärzte sind wenig begeistert vom Aut idem-Vorstoß von Apothekern und Patientenanwalt – auch Pharmaverband und Generikahersteller sehen darin kein Mittel, um Lieferengpässe zu beseitigen. Denn an diesen seien auch die Apotheker nicht ganz unbeteiligt.

Der Vorschlag von Patientenanwalt Gerald Bachinger und der Vorstoß der Apothekerkammer mittels gesetzlicher Änderung eine Wirkstoffverschreibung in Österreich umzusetzen, schlägt weiterhin hohe Wellen. Bachinger erhofft sich durch eine derartige Lösung, die es auch in vielen anderen Ländern Europas gebe, eine Verbesserung der Versorgung mit Medikamenten, wenn es bei manchen Produkten Lieferengpässe gibt. Alexander Herzog, Generalssekretär des Branchenverbandes Pharmig, sieht das im RELATUS-Interview anders: „Auch in den Ländern mit einer Aut idem-Regelung gibt es Lieferengpässe. Hier ist nicht nur die Industrie gefordert, es braucht auch ein Mitwirken von Großhandel und Apotheken.“ Denn diese seien an den Problemen nicht ganz unbeteiligt, wenn etwa Preisunterschiede in Europa genutzt würden, um Medikamente in andere Länder zu verkaufen. Herzog betont, dass er die Verantwortung nicht weitergeben will, es brauche aber eine Zusammenarbeit aller und jeder sei gefordert, „kommerzielle Einzelinteressen“ hinten anzustellen, formuliert er. Die Industrie habe jedenfalls ein ureigenes Interesse, dass die Produkte verfügbar seien. „Und das sind sie auch. Von Lieferengpässen sind insgesamt nur 0,4 bis 0,7 Prozent aller Produkte betroffen.“

Auch der Österreichische Generikaverband spricht sich gegen eine Wirkstoffverordnung aus. Oftmalige Umstellung auf ein anderes Handelspräparat mit dem gleichen Wirkstoff führe zu Verunsicherung der Patienten und zu Fehl- oder Mehrfacheinnahmen. Wolfgang Andiel, Präsident des OeGV: „Die Therapietreue und der Therapieerfolg leiden darunter und die daraus erwachsenden zusätzlichen Kosten sind höher als die Einsparungen.“
Herzog wünscht sich statt einer Aut idem-Lösung eine bessere Transparenz für die Ärzte. Die Industrie melde frühzeitig, wenn es zu Verzögerungen komme oder Produkte nicht lieferbar seien. Das sollte auch in der Software des Arztes sofort sichtbar sein, meint er. Verschreibt ein Arzt ein nicht lieferbares Produkt, sollte ihm die Software das sofort anzeigen. Dann könnte er die Verschreibung gleich ändern. (rüm)