Round Table der jungen Onkologie – Thema Fortbildung und Informationsquellen

„Staying ahead of the explosion in knowledge“1

Wie in Lancet Oncology publiziert, ergab der 2018 Medscape National Physician Burnout and Depression Report eine Burnout-Rate von 39 % bei in den USA untersuchten Onkologen. Eine wesentliche Ursache für diesen starken Anstieg ist der sich ständig erhöhende Workload; als weiterer Aspekt der zunehmenden Überlastung wird genannt, dass von den Onkologen erwartet wird, die enormen Quantitäten an neuer Forschung zu überblicken.1
Beim 3. Round Table diskutierten die Teilnehmer über ihre Präferenzen bei der Nutzung von Fortbildungsmedien, über Möglichkeiten, wichtige Informationen aus dem Überfluss an Neuigkeiten gezielt herauszufiltern, und über die Wichtigkeit der kollegialen Unterstützung.

 

 

Quellen für medizinische Information: Print, Online und Kongresse

Nach dem Motto „von der Hand in den Verstand“ werden Print-Medien nach wie vor gerne genutzt. Da man sich nicht über alle Entitäten ständig aktuell halten kann, sind Medien mit Schwerpunktkonzept, die einen Überblick zu einem bestimmten Thema bieten, oft hilfreich.
Für die fortlaufende Weiterbildung und Vorbereitung zur Facharztprüfung sind laut Manuel Orlinger „Der Onkologe“ und „Der Internist“ empfehlenswerte Fachzeitschriften (CME Fortbildung, kostenpflichtig), da sie mit den Grundlagen einer Erkrankung beginnen und danach konkret auf die Praxis eingehen. Was die Zeitschriften zusätzlich auszeichnet, ist laut Sophie Roider-Schur, dass bestimmte Behandlungskonzepte dezidiert empfohlen werden.
In „SPRECTRUM Onkologie“ ermöglicht der Bezug zu den jeweiligen Autoren, die innerhalb Österreichs mit einem bestimmten onkologischen Thema in Verbindung gebracht werden können, eine gute Selektionsmöglichkeit. Der Short Cut als Kurzinformation wird geschätzt, um sich rasch ein Bild vom Inhalt des Textes zu machen. Fachzeitschriften wie „Universum Innere Medizin“ enthalten Informationen als kompakte Fact Box, die man zum Beispiel nutzen kann, um die Informationen während des Dienstes nachzulesen.
Speziell für die Facharztprüfung ist es laut Sophie Roider-Schur hilfreich, Medien zu nutzen, die Informationen auf Deutsch enthalten, um das Erlernte bei der mündlichen Prüfung gut zu verbalisieren.
Bei den internationalen Journals wird das „New England Journal of Medicine“ (NEJM) von den Onkologen gerne genutzt, um sich neben der Onkologie auch mit allgemein-internistischen, gesundheitspolitischen und philosophischen Themen auseinanderzusetzen. Das NEJM bietet online auch PodCasts an, in denen große Studien – Methodik, Mode of Action, Resultate und Statistik – simplifiziert und sehr kurz erklärt werden. Den Wirkmechanismus einer Therapie zu kennen, ist nach Meinung der Onkologen wichtig, da dieser von Patienten auch nachgefragt wird.
Fallbasierte „State of the art“-E-Learnings mit einem Theorieteil als Hintergrundinformation und ergänzt um die Abhandlung eines Fallbeispiels sind laut Manuel Orlinger eine gute Form der Wissensaneignung, da man sich, ähnlich wie bei einem Patientenfall, den man selbst in der Klinik betreut hat, gut an den Sachverhalt erinnert. Mit E-Learnings wie „diePUNKTE“ (www.diepunkteon.at) kann im Anschluss an einen abgehandelten Patientenfall das erlernte Wissen durch Multi­ple-Choice-Fragen memoriert werden. Gerne gelesen werden auch Kommentare von Experten, um Studien hinsichtlich ihrer Relevanz besser einordnen zu können. Empfehlenswerten Online-Support für Onkologen bieten „UpToDate“, „Clinical Care Options“ und „ONCOAssist“.
Kongresse bieten durch Vorträge und kollegialen Austausch einen guten Rahmen für Fortbildung, welcher in der heutigen Zeit jedoch auch von einem gewissen Überfluss geprägt ist. Laut Sophie Roider-Schur ist es hilfreich, die Slides der Vorträge im Nachhinein nochmals durchzusehen. Eine Mitgliedschaft bei der ESMO bietet die Möglichkeit, die Veranstaltungen (Slides und Videoaufzeichnungen) nochmals zu reflektieren. Des Weiteren bieten Post-Kongressveranstaltungen (Wrap-ups) sowie Kongresszusammenfassungen mit „Practice Chang­ing Highlights“ in Print- und Online-Medien die Möglichkeit, einen Überblick zu bekommen. Philipp Hockl weist auf Stipendien für Ärzte in Ausbildung hin, mit denen große internationale Kongresse wie beispielsweise jener der „American Society of Hematology“ (ASH) relativ kostengünstig besucht werden können. Die Kongresse der OeGHO, DGIM, ÖGIM sowie der Onkologie/Hämatologie-Update-Refresher werden von den Onkologen unter anderem als sehr nützliche Veranstaltungen empfohlen. Bei den Newsletters, die von unterschiedlichen Gesellschaften zur Verfügung gestellt werden, empfiehlt es sich, eine gezielte Auswahl an Themen zu treffen, um den Informationsüberfluss zu dezimieren.

Stressfaktoren und Fortbildungsbedarf

Der Stress ist nachvollziehbar: Aufgrund der rasanten Entwicklungen in der Onkologie hat man ständig das Gefühl, man „hinkt hinten nach“. Nach Meinung der Onkologen ist es wichtig, bei der Fortbildung „selbst dahinter zu sein“, um auch beispielsweise während einer Karenzierung den Anschluss nicht zu verlieren. Onkologie ist laut Alice Kafka ein sehr dynamisches Fach, in dem man sich keine allzu langen Pausen leisten kann – das macht dieses Fachgebiet nach Meinung der Onkologin aber auch wieder sehr spannend! In diesem Zusammenhang ist es wichtig, im Team gut zusammenzuarbeiten und Kollegen „nicht anrennen zu lassen“, sondern zu unterstützen. Generell ist es laut Alexandra Böhm förderlich, wenn von Seiten des Teams Unwissenheit nicht als negativ angelastet wird.

Man wird als einzelne Person oft sehr stark beansprucht: „Onkologen sind häufig mit der Situation konfrontiert, dass das Wort ‚Krebs‘ Todesangst auslöst. Der Zeitmangel im klinischen Alltag kollidiert besonders hier mit dem Bedürfnis nach Zuwendung von Seiten der Patienten.“, so Eva Katharina Masel. Man spürt den Druck dann von mehreren Seiten und hat nur noch die Möglichkeit des Rückzuges.

Interpretation und Kommunikation statistischer Daten: Die Frage, was Studien­ergebnisse für den individuellen Patienten bedeuten, ist alles andere als trivial. Es ist schwierig genug, die Daten selbst zu interpretieren, zusätzlich braucht man Skills, das Wissen so zu übersetzen, dass der Patient auch etwas damit anfangen kann. Laut Teresa Magnes ist speziell bei Zulassungen, die auf Phase-I- und -II-Studien basieren, die Einschätzung des „magnitude of clinical benefit“ schwierig – Fortbildungen zur Beurteilung von statistischen Daten sind für Onkologen von großem Interesse.

Nebenwirkungsmanagement und supportive Maßnahmen: Für das klinische Arbeiten in der Onkologie ist laut Alice Kafka das Nebenwirkungsmanagement eine der wichtigsten Thematiken für eine adäquate Patientenversorgung. In der Onkologie kann laut Sophie Roider-Schur der Patient mit seinen Beschwerden oft nicht algorithmisiert werden, auch hier spielt der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle – je besser man den Patienten kennt, desto genauer kann man Nebenwirkungen behandeln. Die ESMO-Guidelines bieten einen guten Überblick, auch was supportive Maßnahmen betrifft. Die NCCN-Guidelines sind bei konkreten Fragestellungen nützlich – aufgrund der sehr umfangreichen Informationen empfiehlt es sich, mit der Suchfunktion zu arbeiten, um einen konkreten Sachverhalt zu ­finden.

Wünsche für Fortbildungen

Ein Wunsch der Onkologen wäre, Fortbildung im supportiven Bereich vermehrt zu integrieren, da sich diese Fachkenntnis sehr positiv auf das Arzt-Patienten-Verhältnis auswirkt. Das prätherapeutische Assessment von älteren Patienten ist laut Eva Katharina Masel in der Routine oft schwierig umzusetzen – hier bräuchte man nach Meinung der Onkologin simple Tools, um die Regelungen in der Praxis anzuwenden. Des Weiteren besteht ein Bedarf an Informationsaustausch in kleineren Gruppen, wo im Rahmen einer Fallpräsentation – „challenge the experts“ – alles, inklusive der klinischen Basics, gefragt werden darf.

Wir bedanken uns bei allen für die Teilnahme sowie das Feedback und freuen uns auf den nächsten Round Table, bei dem eines der gewünschten Themen behandelt werden wird.

1 Burki TK, Lancet Oncol 2018; 19 (5): e238

Anmerkung: Der Einfachheit halber wurde im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich eingeschlossen.

AutorIn: Dr. Katharina Ostermann

SO 01|2019

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2019-02-21