Editorial 1/21

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Forschung ist die Grundlage für den medizinischen Fortschritt. Es liegt an uns als urologische Community, Forschung in Österreich zu forcieren und nicht passiv zu konsumieren. Natürlich gibt es in Österreich an bestimmten Universitätskliniken eine Dynamik, die sich gegen diese negative Entwicklung stemmt, aber wir als urologische Gemeinschaft sind gesamtheitlich aufgerufen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Das betrifft die Grundlagenforschung, Forschungsaktivitäten zu medikamentösen Therapien, operative Fragestellungen. Ein Vorzeigeprojekt ist meines Erachtens das in vorliegendem Focus „Wissenschaft in der Urologie“ von Thorsten Schlomm und Maria De Santis, Berlin, vorgestellte Hauptstadturologie-Netzwerk. Es zeigt, wie unbestritten und unaufhaltsam uns Wissenschaft und Forschung den Weg in die Präzisionsonkologie in der Urologie geebnet haben.

Das Team von Eva Compérat und Kollegen, Wien, berichtet, wie dabei die interdisziplinäre Pathologie eine Schlüsselfunktion darstellt. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit der klinischen Pathologie/Molekularpathologie kann individuellen Patienten immer öfter eine maßgeschneiderte Therapie angeboten werden. Molekulare Tumorboards formieren sich. Beim Prostatakarzinom ermöglichen uns molekulargenetische Zusatzuntersuchungen neue Behandlungsmöglichkeiten; Stichwort: BRCA-Testung. In anderen Tumorentitäten wie etwa dem Lungenkarzinom sind diese Entwicklungen schon längst angekommen. In den letzten 20 Jahren hat das Wissen um die genetischen Veränderungen beim Lungenkrebs exponentiell zugenommen, und entsprechend spezifischere Therapien sind im Einsatz. Ich bin überzeugt davon, dass wir in der Uroonkologie auf dem besten Weg dahin sind, und es liegt an uns, uns dieses Wissen anzueignen, um unseren Patienten die bestmöglichen Therapien zukommen zu lassen.

Ein spannendes Forschungsprojekt stellt das Innsbrucker Team um Zoran Culig und Renate Pichler vor: das Projekt ReDiRECt (=moleculaR-based, Data-driven drug REpurposing for bladder Cancer) mit dem Ziel, neue Anwendungen für vorhandene Medikamente beim metastasierten bzw. lokal fortgeschrittenen invasiven Blasenkarzinom zu definieren. Am Projekt nehmen Gruppen aus Österreich, Deutschland und Luxemburg teil. Forschung ist interdisziplinär und länder­übergreifend. Investieren wir in sie, und motivieren wir unseren Nachwuchs, zu forschen. Abschließend möchte ich noch auf Forschung in der Kinderurologie eingehen. Durch Investitionen in die Grundlagenforschung wurde viel Know-how erworben. Der Kinderurologie am Ordensklinikum Linz wurde 2019 der Status des Expertisezentrum für seltene kinderurologische Erkrankungen zuerkannt. Es ist eines der größten Zentren in Europa.

AutorIn: Prim. Dr. Wolfgang Loidl

Abteilung für Urologie und Andrologie
Ordensklinikum Linz Elisabethinen
© Werner Harrer


SU 01|2021

Herausgeber: Dr. Karl Dorfinger, Prim. Dr. Wolfgang Loidl
Publikationsdatum: 2021-03-29