Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Auch wenn die Medizin seit einigen Jahren immer weiblicher wird, befinden sich nur wenige Frauen sowohl in Kliniken als auch in der urologischen Forschung in Führungspositionen.
Obwohl in den letzten 10 Jahren Frauen bei den Studierenden in Österreich konstant überrepräsentiert sind, sinkt ihr Anteil im Verlauf der universitären Karrierestufen drastisch. Nur etwa jede vierte Professur an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck ist weiblich besetzt, weiters sind insgesamt nur 12 % aller Chefarztpositionen weiblich besetzt.
Woran liegt das?
Der erste Grund für einen Knick in der Karriere von Medizinerinnen ist wohl sehr banal erklärt: Frauen bekommen Kinder. Dorothee Alfermann, Professorin für Sportpsychologie an der Universität Leipzig, verweist auf eine häufige „Nebenwirkung“ im Status Mutter: „Die Ärztin als Mutter – das führt nicht selten dazu, dass die Frau gar nicht mehr als Expertin und Fachfrau wahrgenommen wird, sondern als verwundbare Arbeitskraft, die leicht ausfallen kann.“ Aus diesem Grund orientieren sich die institutionellen Rahmenbedingungen sehr häufig primär noch immer an Männern.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben auch Österreichs Ärztinnen selbst als größtes Karrierehindernis an. Während Männer in Österreich großteils Vollzeit arbeiten, sind nur knapp 50 % der Frauen Vollzeit beschäftigt, was vor allem auf Betreuungspflichten von Seiten der Mütter zurückgeführt wird.
Folgendes sollte uns aber bewusst sein: „Wir kämpfen längst nicht mehr für die Rechte der Frauen im Gesundheitssystem, sondern wir kämpfen um das Gesundheitssystem selbst, das ohne Frauen zusammenbrechen würde.“ (Zitat Margarethe Hochleitner, Professorin für Gender-Medizin an der Medizinische Uni Innsbruck). Denn bleiben in den Kliniken zukünftig die Strukturen unverändert, werden Kliniken langfristig Probleme haben, ausreichend Personal zu finden.
Wer jetzt argumentiert: Es wollen ja gar nicht alle Frauen unbedingt nach ganz oben, hat auch Recht – auf den ersten Blick. Aber wie sollten Frauen in der Medizin auch nach ganz oben wollen, wenn es nur wenige weibliche Vorbilder gibt, die vorführen, wie sich Führungsposition und Familie überhaupt vereinbaren lassen? Was könnte Frauen in der Medizin zu Führungspositionen verhelfen? Es braucht spezielles Mentoring von Frauen für Frauen, Änderungen der strukturellen Bedingungen wie Schaffen von attraktiven Teilzeitbeschäftigungsmodellen, besser planbare Arbeitszeiten und betriebliche Betreuungsangebote.
Abschließend möchten wir persönlich noch erwähnen, dass eine medizinische Karriere nur möglich ist, weil wir dankenswerterweise a) eine Familie und Partner haben, die uns aktiv bei der Kindererziehung und Kinderbetreuung unterstützen, b) einen Chef haben, der uns als Ärztinnen und Mütter annimmt, uns aber dennoch ebenwürdig zu männlichen Kollegen einstuft und c) männliche Kollegen haben, die unsere Stärken frühzeitig erkannt haben und uns als Mentoren unterstützt haben bzw. immer noch unterstützen. Ein herzliches Dankeschön dafür!
Der Weg nach oben ist sicherlich hart, vor allem wenn man ihn als Frau mit Kindern kombiniert. Doch dass dies sehr wohl möglich ist, zeigen uns die Beiträge von hochqualifizierten Frauen, die sich bereit erklärt haben, ihre eigenen Karrierewege für uns darzulegen.

AutorIn: Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Isabel Heidegger-Pircher, PhD, FEBU

Universitätsklinik für Urologie, Medizinische Universität Innsbruck
© Foto: Robert Schober


AutorIn: Priv.-Doz. Dr. Renate Pichler, PhD, FEBU

Universitätsklinik für Urologie, Medizinische Universität Innsbruck
© Foto: Robert Schober


SU 03|2021

Herausgeber: Dr. Karl Dorfinger, Prim. Dr. Wolfgang Loidl
Publikationsdatum: 2021-10-05