Brief des Herausgebers 9/21

Liebe Leserinnen und Leser! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Während ich dies schreibe, bin ich zum ersten Mal seit 2 Jahren wieder in den USA. Mein Lehrer und Mentor John Fordtran (das berühmte Gastroenterologie-Lehrbuch von Sleiseneger/Fordtran wurde von ihm begründet und befindet sich derzeit in der 11. Auflage) feiert seinen 90. Geburtstag, und es gab entsprechend seinen Wünschen nur ein kleines Symposium, bei dem auch ich zwei Vorträge halten durfte. John Fordtran geht noch täglich in die Klinik (Baylor University Medical Center in Dallas, Texas) und betreibt weiter ein Labor mit einer Laborantin. Das ist mir, und kann vielen von uns, schon ein großes Vorbild sein!

Hier in Dallas, wo sich übrigens die einzige Medical School der Welt befindet (Southwestern Medical School), an der vier lebende Nobelpreisträger wirken (vor kurzem sogar noch 5) und an der ich vor meiner Berufung nach Graz 12 Jahre tätig war, läuft das Leben durch die hohe Impfrate und die Einstellung des Governor of Texas derzeit (noch) ziemlich normal ab. Weder im Steakhouse, noch im Barbecue-Lokal oder Mexican Restaurant wurde ich bisher gefragt, ob ich vielleicht einem der 3 G zuzuschreiben sei – dabei wäre ich stolz, mitzuteilen und zu dokumentieren, dass ich bereits dreimal geimpft bin. Vor meiner Abreise erfahre ich, dass es in der Heimat neue Rekordzahlen von COVID-19-Infektionen gibt und ein bundesweiter Lockdown beginnt. Schuld daran ist wohl die geringe Impfrate in Österreich, die wir einer Reihe von Umständen zu verdanken haben. Dazu gehören Fehlinformationen über die Impfung in den sozialen Medien, die Mutlosigkeit von Politikern, rechtzeitig notwendige Maßnahmen zu setzen, das föderalistische Dilemma der Gesundheitspolitik zwischen Bund und Ländern und der Hinweis, dass die Impfung nur zu etwa 80 % schützt (Infektionen danach aber praktisch immer mit einem sehr leichten Verlauf einhergehen). Die Spanische Grippe wütete 1918 für 2½ Jahre und kostete 50 Millionen Menschen das Leben. Im Gegensatz zu damals haben wir jetzt eine Impfung, haben aber dennoch bald 6 Millionen Tote auf der Welt und niemand wagt zu hoffen, dass COVID-19 eines Tages ganz verschwinden wird. Was haben übrigens die beiden Vertreter der Impfgegner in der oberösterreichischen Landesregierung in diesen Zeiten zu vermelden, und was können sie entsprechend ihrer Aufgabe zum Wohle der Oberösterreicher beitragen?

Der Fokus dieser Ausgabe von UNIVERSUM INNERE MEDIZIN ist der Gastroenterologie und Hepatologie gewidmet. Professor Trauner, unser respektives Reviewboard-Mitglied, hat in dankenswerter Weise wichtige Themen wie die NASH – die Lebererkrankung des 21. Jahrhunderts – zusammengestellt.

Also heute „Howdy from Texas“

Ihr

AutorIn: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs

Herausgeber Universum Innere Medizin


UIM 09|2021

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2021-11-26