Diabetes und PAVK: „Call for Action“ – Amputationszahlen senken

„Call for Action“ – Amputationszahlen senken Nach wie vor werden in Österreich bei Patienten mit Diabetes mellitus und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) – dem sogenannten diabetischen Fußsyndrom – aufgrund mangelnder gefäßmedizinischer Versorgung zu viele Beine amputiert.
Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentierten die behandelnden medizinischen Fachgesellschaften – die Österreichische Gesellschaft für Gefäßchirurgie (ÖGG), die Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (ÖGIR) sowie die Österreichische Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA) – kurz- und langfristige Empfehlungen zur Lösung dieses Problems. Am Podium: Prof. Dr. Thomas Hölzenbein (Präsident der ÖGG), Prof. Dr. Holger-Gerit Schernthaner (Präsident der ÖGIA) und Prof. Dr. Maria Schoder (Präsidentin der ÖGIR).

Call for Action: Die Fachgesellschaften forderten (1) die Entwicklung einer Strategie mit konkreten Handlungsempfehlungen und Zielvorgaben seitens des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen, ähnlich der Ende März 2017 verabschiedeten Österreichischen Diabetes-Strategie, (2) eine seitens des Ministeriums verordnete Meldepflicht für Amputationen mit der Erstellung eines Amputationsregisters und (3) das Ausarbeiten von europäischen Leitlinien mit den jeweils national notwendigen Adaptionen in der Umsetzung.

ABC-Sofortmaßnahmen: Neben den genannten langfristig nachhaltigen Schritten empfahlen die Fachgesellschaften die sogenannten „ABC-Maßnahmen“ für betroffene Patienten und behandelnde Ärzte:

Aufmerksamkeit: Wer beim Gehen oft stehen bleiben muss oder eine Wunde hat, die nicht heilt, soll zur Abklärung rasch einen Arzt aufsuchen!
Behandlung akut: Bei Verdacht auf ein Durchblutungsproblem bei Patienten mit Diabetes mellitus muss rasch abgeklärt und revaskularisiert werden!
Chronisch-konsequente medikamentöse Therapie: Die neuen wirksamen Substanzen sollen rasch für Patienten mit PAVK und Diabetes/diabetischem Fuß verfügbar gemacht werden!
Durch die Umsetzung beider Appelle (Call for Action und ABC-Sofortmaßnahmen) könnten über 50 % aller derzeitigen Amputationen verhindert werden, waren sich die Experten einig.

Aufbruchsstimmung: Im März 2017 wurden auf dem Jahreskongress des American College of Cardiology in Washington neue PAVK-Behandlungsempfehlungen präsentiert.1 Sie fordern vor allem ein genaues Monitoring, Gehtraining und das Anwenden der medikamentösen PAVK-Basistherapie, die 50–70 % der Betroffenen derzeit noch immer nicht erhalten.
Drei aktuelle, für die Gefäßmedizin hochrelevante Studien wurden kurz vorgestellt:
EMPA-REG OUTCOME2: Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin senkte das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Diabetikern (darunter auch solche mit PAVK) signifikant: Der kardiovaskuläre Tod konnte um ca. 40 % gesenkt werden.
EUCLID3: Ticagrelor wirkte gleichwertig zu Clopidogrel. Dies ist deshalb sehr wertvoll, da es nicht nur bis zu 50 % Aspirin-Versager gibt, die dann Clopidogrel benötigen, sondern auch bis zu 25 % Clopidogrel-Versager, für die es bislang keine weitere Option gab.
FOURIER4: Unter dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab kam es innerhalb von 2,2 Jahren zu einer signifikanten Reduktion von Gefäßereignissen: Bei Patienten, die bereits eine cholesterinsenkende Therapie mit Statinen einnahmen, wurden Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod um 20 % reduziert. Noch deutlicher als in der Gesamtpopulation zeigte sich der Benefit in der Subgruppe der PAVK-Patienten: Hier fiel die Risikoreduktion mit 43 % mehr als doppelt so stark aus.
„Neue Möglichkeiten der Revaskularisation sowohl chirurgisch als auch interventionell sowie neue, bessere Möglichkeiten der medikamentösen Therapie und die neuen, soeben erschienenen US-Leitlinien zeigen sehr klar den Weg, den es zu gehen gilt“, fasste Schernthaner zusammen.

 

 

 

 

 

 

Quelle: Pressekonferenz „Diabetes und PAVK: weiterhin unnötig hohe Amputationszahlen – nationaler Schulterschluss aller Gefäßgesellschaften mit Call for Action“; Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte, 25. April 2017
1 Gerhard-Herman MD et al., J Am Coll Cardiol 2017; 69(11):e71–e126
2 Zinman B et al., NEJM 2015; 373(22):2117–28
3 Hiatt WR et al., NEJM 2017; 376(1):32–40
4 Sabatine MS et al., NEJM 2017; [Epub ahead of print]