Vergleichbare klinische Ergebnisse und mehr Effizienz im Versorgungsalltag

Mit der Phase-III-Studie 3475A-D77 liegen erstmals Daten einer randomisierten, offenen Vergleichsstudie zur subkutanen Applikation des PD-1-Checkpoint-Inhibitors Pembrolizumab (KEYTRUDA® SC) in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie bei therapienaiven Patient:innen mit metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (mNSCLC) vor. Die Ergebnisse wurden auf dem European Lung Cancer Congress (ELCC) 2025 vorgestellt und zeitgleich in den Annals of Oncology publiziert.¹, ² Auf Grundlage dieser Daten wurde die subkutane Formulierung von Pembrolizumab im November 2025 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für alle in der Europäischen Union zugelassenen Pembrolizumab-Indikationen zugelassen.³

Nichtunterlegenheit in den Endpunkten

In die Phase-III-Studie wurden 377 Patient:innen mit NSCLC im Stadium IV im Verhältnis 2 : 1 randomisiert und erhielten Pembrolizumab entweder subkutan (790 mg alle 6 Wochen) oder intravenös (400 mg alle 6 Wochen), jeweils in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9,6 Monaten wurden beide primären pharmakokinetischen Endpunkte erreicht. Sowohl die Exposition während des ersten Behandlungszyklus (AUC0–6 Wochen) als auch die Talspiegel im Steady State (Ctrough) erfüllten die vordefinierten Kriterien der Nichtunterlegenheit gegenüber der intravenösen Applikation (jeweils p < 0,0001). Auch die sekundären pharmakokinetischen Parameter lagen innerhalb der für Pembrolizumab etablierten Expositionsgrenzen und bestätigten eine vergleichbare systemische Wirkstoffexposition.¹, ²

Vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit

Auch hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit zeigten sich konsistente Ergebnisse zwischen beiden Behandlungsarmen. Die objektive Ansprechrate betrug 45,4 % unter der subkutanen beziehungsweise 42,1 % unter der intravenösen Applikation. Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 8,1 beziehungsweise 7,8 Monaten. Auch das Sicherheitsprofil sowie die Immunogenität waren vergleichbar. Anti-Pembrolizumab-Antikörper wurden bei 1,4 % der Patient:innen im subkutanen und bei 0,9 % im intravenösen Behandlungsarm nachgewiesen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Studie für die sekundären Wirksamkeitsendpunkte nicht als formale Nichtunterlegenheitsstudie konzipiert war; die Wirksamkeitsdaten sind daher deskriptiv zu interpretieren.¹, ²

Praktische Vorteile für den pflegerischen Alltag

Die subkutane Formulierung von Pembrolizumab ist derzeit die einzige zugelassene Immuntherapie, die mit rekombinanter Berahyaluronidase alfa kombiniert wird. Das Enzym baut Hyaluronan im subkutanen Gewebe vorübergehend ab und ermöglicht dadurch die Applikation größerer Antikörpermengen in einem geringen Injektionsvolumen innerhalb kurzer Verabreichungszeiten.4 Die Injektion erfolgt in das Abdomen oder den Oberschenkel und dauert etwa eine Minute im 3-Wochen-Schema (2,4 ml) beziehungsweise rund 2 Minuten im 6-Wochen-Schema (4,8 ml). Darüber hinaus erlaubt die zugelassene Formulierung einen flexiblen Wechsel zwischen der intravenösen und der subkutanen Applikation zum jeweils nächsten Behandlungstermin. Dies erleichtert eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der Patient:innen sowie an organisatorische Anforderungen im klinischen Alltag.4

Time-and-Motion-Studie

Die parallel zur Phase-III-Studie durchgeführte prospektive Time-and-Motion-Studie untersuchte den Einfluss der subkutanen Applikation auf klinische Arbeitsabläufe. Im Vergleich zur intravenösen Gabe verkürzte Pembrolizumab subkutan die Zeit der Patient:innen im Behandlungsstuhl um 49,7 %. Gleichzeitig reduzierte sich der Zeitaufwand für Ärzt:innen und Pflegepersonen für Vorbereitung, Verabreichung, administrative Tätigkeiten und Patientenmonitoring um 45,7 %.
Diese Zeitgewinne können onkologischen Ambulanzen und Tageskliniken eine effizientere Nutzung personeller und räumlicher Ressourcen ermöglichen. Aus pflegerischer Sicht eröffnen sie zudem die Möglichkeit, mehr Zeit für Beratung, Betreuung und Begleitung der Patient:innen aufzuwenden und gleichzeitig die Auslastung der Behandlungsplätze zu optimieren.5


Kommentar
Harald Titzer, BSc MSc
AHOP-Präsident

Die Etablierung von Pembrolizumab in subkutaner Applikationsform hat bereits an vielen Abteilungen in Österreich stattgefunden. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft wurde die Effizienzsteigerung in den Abteilungen rasch zum Diskussionsthema. Die Zeitersparnis durch die schnelle Applikationszeit wurde deutlich spürbar und zog eine Optimierung der Abläufe und Prozesse nach sich. Die AHOP begrüßt derartige Entwicklungen aus pflegefachlicher Sicht. Einerseits entsteht ein Zugewinn an Zeit, und die Sicherheit von Patient:innen ist gewährleistet; andererseits muss darauf geachtet werden, dass wichtige Informationen im Sinne der Patientenedukation zur Behandlung mit Pembrolizumab subkutan zügiger vermittelt werden.n