Die Neurologie befindet sich im Umbruch: Neue Therapien bei Alzheimer-Erkrankung und ALS sowie Fortschritte in der Schlaganfallversorgung eröffnen neue Perspektiven für Patient:innen. Gleichzeitig steigt der Versorgungsbedarf – und insbesondere bei Rehabilitation und Nachsorge bestehen weiterhin Lücken. Im Interview spricht Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, über die wichtigsten medizinischen Entwicklungen, das Potenzial von Prävention und Brain Health sowie darüber, welche Maßnahmen Österreich jetzt braucht, um die neurologische Versorgung langfristig zu sichern.
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:
- In der Neurologie gibt es große Fortschritte. So stehen bei der Alzheimer-Erkrankung erstmals krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung, allerdings nur für ausgewählte Patient:innen. Bei ALS eröffnen zielgerichtete genetische Therapien wie Antisense-Oligonukleotide neue Möglichkeiten. Auch die Schlaganfalltherapie profitiert von erweiterten Zeitfenstern, Thrombektomie und KI-gestützter Bildgebung.
- Durch konsequente Prävention könnten bis zu 45 % der Demenzen verhindert oder verzögert werden. Das Schlaganfallrisiko lässt sich durch Lebensstilmaßnahmen wie Rauchstopp, Bewegung, mediterrane Ernährung und Gewichtskontrolle sogar um bis zu 80 % reduzieren.
- Die größte Versorgungslücke besteht bei der Rehabilitation und langfristiger Nachsorge. Hier fehlen ausreichende Strukturen und Rehabilitationsplätze.