Mit „Tanmaxxing“, „Sun Tattoos“ und sonnenschutzkritischen Botschaften rücken riskante Social-Media-Trends in den Fokus der Hautkrebsprävention. Wie Josep Malvehy berichtete, propagiert Tanmaxxing gezielte UV-Exposition, den Verzicht auf Sonnenschutzmittel und die Verwendung von Bräunungsölen. Bei „Sun Tattoos“ werden durch gezielte Aussparungen erzeugte Sonnenbrandmuster als ästhetisches Ergebnis präsentiert.
Sonnenschutzinformationen in sozialen Medien sind allerdings keineswegs durchgehend negativ. In einer Analyse von 971 stark angesehenen TikTok-Videos befürworteten 86,8 % Sonnenschutzmittel, während nur 6,1 % die Krebsprävention erwähnten. Ausschließlich sonnenschutzkritische Videos erzielten mehr Likes, Kommentare und Teilungen als rein befürwortende Beiträge.1 Eine weitere Untersuchung der 100 meistgelikten Sonnenschutzvideos stufte 35 % als korrekt, 57 % als meinungsbasiert und 6 % als unzutreffend ein. Keines enthielt Literaturreferenzen.2
Hohe Reichweite allein bedeutet noch keinen Präventionserfolg. Eine Instagram-Kampagne erreichte 1,06 Millionen Menschen, ohne eine signifikante Veränderung der anhand von Standortdaten erfassten Solariumbesuche nachzuweisen.3 Dagegen zeigte eine randomisierte Studie mit 1.369 jungen Erwachsenen Vorteile zweier interaktiver digitaler Programme gegenüber einer elektronischen Informationsbroschüre. Die Sonnenschutzmittelanwendung verbesserte sich nach drei Monaten, die Hautselbstuntersuchung nach zwölf Monaten. Der Unterschied bei der Sonnenschutzmittelanwendung blieb längerfristig jedoch nicht statistisch signifikant. Die Verhaltensdaten beruhten auf Selbstauskünften, eine Senkung der Hautkrebsinzidenz wurde nicht nachgewiesen.4
Für die dermatologische Praxis betonte Malvehy die Bedeutung zielgruppengerechter, interaktiver Aufklärung mit sichtbaren Quellen und konkreten Handlungsmöglichkeiten. Riskante Trends sollten auf denselben Plattformen aufgegriffen und verständlich eingeordnet werden. Entscheidend für die Bewertung digitaler Prävention sind Veränderungen von Wissen und Schutzverhalten sowie möglichst objektive Ergebnisse. Aufrufe und Likes allein reichen dafür nicht aus.