Bluthochdruck ist global und in Österreich der wichtigste Risikofaktor für frühzeitige Sterblichkeit und für ein Leben mit Behinderung (z. B. nach Schlaganfall). In unserem Land leiden 38 % der Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 79 Jahren an Bluthochdruck. Von den etwa 2,2 Millionen österreichischen Patient:innen mit Hypertonie sind 1,5 Millionen erkannt (diagnostiziert), 1,3 Millionen behandelt und 680.000 (31 %) kontrolliert (definiert als arterieller Blutdruck < 140/90 mmHg). International sind Blutdruck-Kontrollraten von 70% erreichbar.
Eine Gelegenheitsblutdruckmessung wird häufig im häuslichen Umfeld oder am Arbeitsplatz durchgeführt. Gezielte Screening-Events am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum, bei der Stellungsuntersuchung oder auch in Apotheken sind aufgrund der immer noch hohen Dunkelziffer sinnvoll. Die Verwendung validierter Blutdruck-Messgeräte sowie eine korrekte, standardisierte Messtechnik sind dabei obligat. Bei besonderen Bevölkerungsgruppen (z. B. Schwangere) sind Blutdruckmessungen Teil der klinischen Routine. Bei Erwachsenen ab dem 40. Lebensjahr ohne bekannte Hypertonie sollte der Blutdruck zumindest einmal im Jahr gemessen werden.
Allgemeinmediziner:innen und auch Internist:innen sind – allein aufgrund der Häufigkeit von Bluthochdruck – die erste Anlaufstelle für die Erstabklärung, ob eine arterielle Hypertonie vorliegt, und zur Entscheidung der therapeutischen Ersteinstellung. Eine gute und tragfähige Patienten-Arzt-Beziehung ist aber auch die Basis für eine dauerhaft erfolgreiche Behandlung, besonders bei chronischen Erkrankungen.Die Bestätigung einer Hypertonie bei erhöhtem Blutdruck im Screening erfolgt durch mehrere standardisierte Praxismessungen in Verbindung mit Out-of-Office-Messungen (Blutdruckselbstmessungen oder 24-Stunden-Blutdruckmonitoring). Wichtig ist, dass vor den Selbstmessungen eine entsprechende Schulung durch Hausärzt:innen bzw. Ordinationspersonal erfolgt.
Bei bestätigter Hypertonie erfolgt die initiale Abklärung, die aus einer gezielten Anamnese (andere kardiovaskuläre Risikofaktoren, Hinweise für Organschäden oder manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hinweise für sekundäre Hypertonie, frühere medikamentöse Behandlung), einer körperlichen Untersuchung inklusive Body-Mass-Index, einem Basislabor (Blut und Urin, siehe Kasten) und einem EKG besteht. Bei älteren Patient:innen sollte das Ausmaß der Gebrechlichkeit (Frailty) eingeschätzt werden. Unabhängig davon soll das kardiovaskuläre Risiko (z. B. mit SCORE2) eingeschätzt werden. Nach einer Beratung hinsichtlich Lebensstilmaßnahmen wird bei anhaltend erhöhten Blutdruckwerten eine medikamentöse Behandlung eingeleitet. Bei leitliniengerechter Verordnung einer initialen Kombinationstherapie sollten etwa 75 % der Patient:innen ihre Blutdruckzielwerte erreichen.
Bei Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie (z. B. Hypokaliämie, therapieresistente Hypertonie, ausgeprägte Blutdruckerhöhung bei Patient:innen jünger als 40 Jahre), bei Hypertonie in der Schwangerschaft, bei Notwendigkeit einer erweiterten Diagnostik hinsichtlich hypertonieassoziierter Organschäden oder bei entsprechenden Komorbiditäten soll eine Überweisung an Hypertonie-Spezialist:innen erfolgen. Dies können Allgemeininternist:innen sein, wobei die Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH) und die European Society of Hypertension (ESH) entsprechende Weiterbildungen mit einem Diplom anbieten. Bei Hinweisen auf eine Nierenerkrankung sollten Nephrolog:innen, bei kardialer Problematik Kardiolog:innen sowie bei primär endokrinologischer Problematik Endokrinolog:innen zugezogen werden. Einige spezialisierte Zentren in Österreich, u. a. die Excellence Center der ESH, bieten neben einer umfassenden Abklärung auch die Möglichkeit interventioneller Therapien bei resistenter Hypertonie an.
Patient:innen mit hypertensiven Notfällen (schwere Hypertonie mit Organmanifestationen, Schlaganfall, akutes Aortenaneurysma, akute Herzinsuffizienz, akutes Koronarsyndrom, akutes Nierenversagen, Phäochromozytom-Krisen, schwere Formen einer Präeklampsie/Eklampsie) bedürfen einer stationären und häufig intensivmedizinischen Therapie.
Patient:innen mit Hypertonie als chronische Erkrankung brauchen eine langfristige Betreuung. Wichtige Aspekte sind zunächst die Implementation der Therapie, ihre Erfolgskontrolle (meist mittels Blutdruckselbstmessung), das Erkennen möglicher Unverträglichkeiten, möglicherweise nötige Therapieanpassungen sowie die Aufrechterhaltung der Adhärenz. Dieser Punkt ist extrem wichtig; in Studien liegt die Adhärenz zur medikamentösen Behandlung nach einem Jahr bei 50 %. Vereinfachung der Therapie (Single-Pill-Kombinationen mit einmal täglicher Einnahme), Patientenschulungen und ärztliche Gespräche können die Langzeit-Adhärenz verbessern.