Bernhard-Glawogger-Förderpreis 2020

Die AHOP unterstützt mit dem Bernhard-Glawogger-Förderpreis, der im heurigen Jahr bereits zum 15. Mal verliehen wurde, gezielt Mitglieder, die sich vertieft mit Projekten, Arbeiten oder Initiativen im Bereich der hämatologischen und onkologischen Pflege auseinandersetzen. Eingereicht werden kann in drei Kategorien: Kategorie A – Praxisprojekt, Kategorie B – Abschlussarbeiten Fort- und Weiterbildung, Kategorie C – Wissenschaftliche Arbeiten. Die Bewertung der eingereichten Projekte erfolgt durch eine Fachjury, der Förderpreis einer jeden Kategorie ist mit 1.000 Euro dotiert.

Gewinnerin Praxisprojekt

In der Kategorie A wurde das Praxisprojekt von Aline Butz (KRAGES, A. ö. Krankenhaus Oberwart, Onkologie/Hämatologie) mit dem Titel „Krebs und Sexualität – (k)ein Tabuthema?“ prämiert. Ziel dieses multidisziplinären Projektes war es, das Thema Sexualität zu enttabuisieren. Die Lebensqualität der PatientInnen während ihrer Erkrankung beinhaltet auch eine befriedigende Sexualität. Sehr oft stellt Sexualität für die PatientInnen eine notwendige Ressource dar, um sich noch „lebendig“ zu fühlen. Die PatientInnen wurden angespornt, Fragen zum Umgang mit sexuellen Problemen/Störungen während einer Tumortherapie zu stellen. Adäquate Ratschläge, die leicht umsetzbar sind, wurden erteilt. Beratungsgespräche zielten darauf ab, Gedanken, Gefühle und Verhalten hinsichtlich der aktuellen sexuellen Erfahrung zu explorieren und Hilfestellungen anzubieten. In einem vertrauensvollen Rahmen sollte den PatientInnen die Möglichkeit geboten werden, über intime Probleme offen reden zu können. Grundsätzlich galt es, den Betroffenen deutlich zu machen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind und dass es dafür Lösungen geben kann. Aus diesem Grund wurde eine Infomappe für die PatientInnen und deren Angehörige zusammengestellt, die bereits beim Erst- und Aufklärungsgespräch übergeben wurde. Die PatientInnen wurden animiert, sich mit ihren Fragen und Problemen an ihr Behandlungsteam zu wenden – aus dem „Ein Tabu?“ wurde somit ein „Kein Tabu!“. Die Sammelmappe umfasst 13 Informationsblätter und kann je nach Bedarf erweitert werden. Die Mappe ist flexibel, jedes Blatt kann einzeln herausgenommen und neu bearbeitet werden. So wird gewährleistet, dass die PatientInnen immer zu den aktuellsten Themen informiert werden. Die Sammelmappe wird allen PatientInnen angeboten, und es wird darauf aufmerksam gemacht, dass sexuelle Probleme sehr häufig vorkommen. Die Mitteilung an die PatientInnen, dass sie über ihr sexuelles Erleben sprechen können, gilt als eine der wichtigsten Interventionen überhaupt. Ärztinnen und Ärzte und Pflegende sowie klinische Psychologen sollten künftig über mögliche Auswirkungen der Erkrankung und der Therapie auf das Sexualleben aufklären. Zusätzlich soll eine Sexualanamnese miterfasst werden.

Gewinnerin Abschlussarbeit

In der Kategorie B gewann Claudia Preßnig­ (Barmherzige Brüder Krankenhaus Wien, Onkologie) mit ihrer Abschlussarbeit aus Fort- und Weiterbildung mit dem Titel „Die Bedeutung der Ernährungstherapie bei fortgeschrittener Tumorkachexie und die Belastungen der Angehörigen in der Betreuung von PatientInnen am Lebensende“. Die Arbeit widmete sich der Frage nach der Bedeutung der Ernährungstherapie bei an Krebs erkrankten PatientInnen in der letzten Lebensphase. Es wurde aufgezeigt, welchen Belastungen die Angehörigen in dieser Situation ausgesetzt sind und wie die professionelle Pflege Unterstützung anbieten kann. Grundlage für diese Literaturarbeit war hauptsächlich deutschsprachige Literatur. Fortgeschrittene Tumorkachexie ist in der onkologischen Praxis ein Problem, da sie irreversibel ist und mit einer verkürzten Lebenserwartung einhergeht. Das Stufenschema zur ernährungsmedizinischen Therapie bietet umfassende Möglichkeiten, um den Ernährungsstatus der Erkrankten zumindest aufrecht zu erhalten. Vor allem mit frühzeitigen Interventionen am Beginn einer malignen Erkrankung kann viel für das Wohlbefinden erreicht werden. Das Thema Flüssigkeitsgabe am Lebensende wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Der Wunsch nach künstlicher Ernährung wird in der palliativen Situation oft von verzweifelten Angehörigen ausgesprochen. Essen und Trinken sind stark emotional behaftet, und mitansehen zu müssen, dass die Patientin oder der Patient nicht mehr ausreichend essen kann, führt zu Hilflosigkeit. Aufgabe der Pflegepersonen ist es, die Belastungen der An- und Zugehörigen wahrzunehmen und Unterstützung anzubieten. Wichtig ist die offene und authentische Kommunikation auf Augenhöhe. Information über den Sterbeprozess und das Einbeziehen in alternative Formen der Zuwendung kann für Angehörige wichtig sein.

Gewinnerin Wissenschaftliche Arbeit

In der Kategorie C zeichnete sich die ­wissenschaftliche Arbeit von Daniela ­Haselmayer, BSc, MSc (Barmherzige Brüder Krankenhaus Wien, Pflegeentwicklung/Pflegeinformatik) mit dem Titel „Psychometrische Güte des patientinnen-/patientenbezogenen Nausea and Vomiting Barriers Questionnaire (NVMBQ)“ aus. Chemotherapieinduzierte Nausea und Emesis/Vomiting (CINV) sind trotz existierender wirksamer Antiemetika und Therapierichtlinien eine belastende Nebenwirkung. Der Nausea and Vomiting Barriers Questionnaire (NVMBQ) ist ein Fragebogen, der Barrieren gegenüber der antiemetischen Therapie erfassen könnte. Er wurde erstmalig in einer deskriptiven Studie (n = 299) eingesetzt, jedoch noch nicht hinsichtlich psychometrischer Gütekriterien getestet. Ziel der Arbeit von Frau Haselmayer war die Überprüfung der Validität und Reliabilität des NVMBQ. Es wurde eine quantitative sekundäre Datenanalyse mit den anonymisierten Daten einer bereits publizierten Querschnittstudie (n = 299) durchgeführt. Die Testung der psychometrischen Eigenschaften beinhaltete eine deskriptive Datenanalyse, Prüfung der Inhaltsvalidität mittels Content Validity Index (I-CVI, S-CVI/Ave), Konstruktvaliditätsprüfung (Faktorenanalyse), Reliabilitätstestung (innere Konsistenz) und die Analyse freiformulierter Antworten. Mit dem NVMBQ konnten die vorab beschriebenen fünf theoretischen Konstrukte empirisch nachgewiesen werden. Der NVMBQ ­ergab eine sehr gute innere Konsistenz (α = 0,895). Der S-CVI/Ave von 0,739 spricht für eine moderate Inhaltsvalidität, obwohl über 70 % der Items von den Expertinnen und Experten als relevant erachtet wurden. Somit scheint der NVMBQ eine gute Grundlage zur Er­fassung von patientInnenbezogenen Barrieren zum CINV-Management darzustellen.

Der Bernhard-Glawogger-Förderpreis wird unterstützt von

 

 

 

Ausschreibung 2021

Auch im Jahr 2021 gelangt der Bernhard-Glawogger-Förderpreis wieder zur Ausschreibung. Eine Einreichung in allen drei Kategorien ist ab November 2020 möglich, die feierliche Verleihung wird traditionell im Rahmen der OeGHO- und AHOP-Frühjahrstagung stattfinden.
Die Teilnahme an der Ausschreibung zum Bernhard-Glawogger-Förderpreis ist kostenlos, setzt jedoch eine AHOP-Mitgliedschaft voraus; handelt es sich um eine Arbeitsgruppe, ist eine Mitgliedschaft zumindest bei einer der einreichenden Personen Voraussetzung.

Weitere Informationen und Online-Einreichung unter www.ahop.at

Aline Butz
Claudia Preßnig
Daniela ­Haselmayer, BSc, MSc
AutorIn: Dr. Melanie Spitzwieser

AHOP-News 01|2020

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen in Österreich (AHOP)
Publikationsdatum: 2020-07-02