Gründung der AHOP-Reha-Arbeitsgruppe für onkologische Pflege

Im Rahmen des Salzburger AHOP-Fortbildungstages traten 14 Pflegefachkräfte aus 4 onkologischen Rehabilitationszentren Österreichs zur Gründung einer Reha-AG für onkologische PatientInnen zusammen. Die Ziele dieser Reha-AG für onkologische Pflege sind wie folgt:

  • Erfahrungsaustausch im Bereich onkologische Pflege
  • Förderung der Zusammenarbeit (Akutbereich – Rehabereich)
  • Förderung interdisziplinärer Fort- und Weiterbildungen
  • Weiterentwicklung der Rehabilitationspflege
  • Unterstützung von Forschungsprojekten im Bereich Rehabilitation
  • Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen
  • Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Geplant sind ein jährliches Gruppentreffen der Reha-AG für onkologische Pflege sowie ein einmal im Jahr stattfindender Fortbildungstag in einer der Rehaeinrichtungen sowie eine enge Kooperation mit der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (GEORG).

Onkologische Rehabilitation

Rehabilitationsmaßnahmen bei onkologischen PatientInnen sollten in allen Phasen der Erkrankung, auch im fortgeschrittenen Stadium, zur Anwendung kommen, um die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit betroffener Menschen bestmöglich zu erhalten und zu verbessern.1 „Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und zu den Wertesystemen, in denen sie lebt, und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Maßstäbe und Anliegen. Es handelt sich um ein breites Konzept, das in komplexer Weise beeinflusst wird durch die körperliche Gesundheit einer Person, den psychischen Zustand, die sozialen Beziehungen, die persönlichen Überzeugungen und ihre Stellung zu den hervorstechenden Eigenschaften der Umwelt.“2 Die onkologische Rehabilitation versucht, einerseits durch eine Kombination von Maßnahmen für symptomspezifische Probleme einzelner PatientInnen einzugreifen, andererseits auch für mehr allgemeine Probleme, die bei vielen PatientInnen mit Tumorerkrankung auftreten, Lösungsansätze anzubieten.3 Der Einbezug der PatientInnen und ihrer Präferenzen wird als zentrales Element in der Rehabilitation angesehen. Betont wird, dass besonders in der Rehabilitation nur dem Patienten/der Patientin individuell angepasste Maßnahmen erfolgreich durchgeführt werden können.4

Das biopsychosoziale Modell

Im Allgemeinen werden Zieldefinierungen nach ICF in allen namhaften Rehaeinrichtungen verwendet. Es sollten alle Bereiche des biopsychosozialen Modells (Abb.) einfließen können. Gesundheitsprobleme werden typischerweise als Krankheitsdiagnose mit der ICD-10 klassifiziert. Die zusätzliche ICF-Einschätzung besteht aus zwei Teilen: 1. Körperfunktionen, Körperstrukturen und Aktivitäten mit Partizipation; 2. Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren.5

 

 

Teil 1 kann in der Praxis im Rahmen eines Anamnesegespräches und der vorangegangenen Untersuchungen und mitgebrachten Arztbriefe gut klassifiziert werden:6

  • Beispiele für Körperfunktionen: mentale Funktionen; Sinnesfunktionen und Schmerz; Stimm- und Sprechfunktionen; Funktionen des kardiovaskulären, hämatologischen, Immun- und Atmungssystems; Funktionen des Verdauungs-, des Stoffwechsel- und des endokrinen Systems; Funktionen des Urogenital- und des reproduktiven Systems; Funktionen der Haut und der Hautanhangsgebilde
  • Beispiele für Körperstrukturen: Strukturen des Nervensystems; Auge und Ohr sowie mit diesen in Zusammenhang stehende Strukturen; Strukturen, die an der Stimme und am Sprechen beteiligt sind; Strukturen des kardiovaskulären, des Immun- und des Atmungssystems; mit dem Verdauungs-, Stoffwechsel- und endokrinen System in Zusammenhang stehende Strukturen; mit dem Urogenital- und dem Reproduktionssystem in Zusammenhang stehende Strukturen; Strukturen der Haut und Hautanhangsgebilde Lebensbereiche, Zusammenfassung von Aktivitäten und Partizipation: Lernen und Wissensanwendung; allgemeine Aufgaben und Anforderungen; Kommunikation; Mobilität; Selbstversorgung; häusliches Leben; interpersonelle Interaktionen und Beziehungen; bedeutende Lebensbereiche; gemeinschaftliches, soziales und staatsbürgerliches Leben

 

Die Umweltfaktoren in Teil 2 stellen sich als Kontextfaktoren dar. Sie umfassen die beiden Komponenten Umweltfaktoren und personbezogene Faktoren. Die Umweltfaktoren bilden die soziale, materielle und verhaltensbezogene Umwelt ab, in der Menschen leben, wie zum Beispiel Familie, Fachleute im Gesundheitswesen, Gebäudezugänge, Hilfsmittel oder Einstellungen von Arbeitgebern.7 Aufgrund einer schweren Erkrankung eines Familienmitgliedes können sich die Umweltfaktoren über die Behandlungsdauer dramatisch verschlechtert haben. Diese müssen als Erstes erkannt und folglich klassifiziert werden, damit eine objektive Rehazielsetzung erfolgen kann. Als Beispiele für Umweltfaktoren gelten: Produkte und Technologien; natürliche und vom Menschen veränderte Umwelt; Unterstützung und Beziehungen; Einstellungen; Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze.6 Personbezogene Faktoren spielen in der Rehabilitation eine wichtige Rolle und beeinflussen die Festlegung der Inhalte von Rehabilitationsbedarf, -bedürftigkeit, -fähigkeit, -motivation und -erfolgsprognose.8 Mit der ICF kann die Situation eines Patienten/einer Patientin und seiner/ihrer Familie ergänzend zur ICD-Diagnose in weiteren Dimensionen dargestellt werden.6 Die therapeutischen Interventionen sind nicht ausschließlich körperbezogen zur Wiederherstellung der Funktion, sondern umfassender zu verstehen und beinhalten Interventionen zum Erhalt von emotionalem Wohlbefinden, zur Unterstützung von Coping-Strategien und von Aktivitäten des täglichen Lebens.9

Aktivierende Pflege – rehabilitative Pflege

Bei der aktivierenden Pflege werden die körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten gefördert.

Ziel ist die weitgehende Unabhängigkeit von der professionellen Pflege. Die Kernaufgabe besteht darin, die Ressourcen der noch vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Betroffenen auszuschöpfen.10 Die aktivierende Pflege stärkt das Selbstvertrauen in die eigene Kompetenz, fördert die Fein-und Grobmotorik durch gezielte Übungen, stimuliert die sinnlichen Wahrnehmungen und bietet Programme, welche die geistigen Fähigkeiten aktivieren.10

Rehabilitative Pflege: Die Verordnung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation basiert auf der medizinischen Indikation; es werden vier Indikationen geprüft: stationäre Rehabilitation, ambulante Rehabilitation, mobile Rehabilitation und Rehabilitation für besondere Zielgruppen (z. B. geriatrische PatientInnen). Unter rehabilitativer Pflege sind nicht jene Maßnahmen zu verstehen, die im Rahmen der Grund- und Behandlungspflege und im Sinne einer aktivierenden Pflege angeboten werden. Gemeint sind jene Leistungen, die unmittelbar aufgrund der aktiven therapeutischen Interventionen erforderlich werden.10 Rehabilitative Pflege trägt zusammen mit anderen Professionen dazu bei, dass das allgemeine Rehabilitationsziel erreicht wird. Sie ist ressourcen-und kompetenzfördernd, zeitlich befristet und nimmt eine komplementäre Rolle ein. Ein derartiges Verständnis von rehabilitativer Pflege macht deutlich, dass Pflege eine therapeutische Wirkung hat.10

 

1 Stamm T et al., Onkologische Rehabilitation 2020. Berlin: Springer

2 Renneberg B, Lippke S, Lebensqualität 2006. Gesundheitspsychologie, pp. 29–33

3 Wiltschke C, Onkologische Rehabilitation 2020. Berlin: Springer

4 Ducan K, Pozehl B, Effects of an exercise adherence intervention on outcomes in patients with heart failure. Rehabilitation Nursing 2003; pp. 117–122

5 www.bar-frankfurt.de/Fleadmin/dateiliste/publikationen/ icf-praxisleitfaeden/downloads/IK.ICF1Kurz.web.pdf [letzter Zugriff am 5. 12. 2017]

6 Nüchtern E, Mohrmann M, Wozu braucht evidenzbasierte Medizin ICF? Medizinische Klinik 2006; pp. 9–14

7 Ewert T, Stucki G, Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). Bundesgesundheitsblatt 2007; pp. 953–61

8 www.bar-frankfurt.de/fileadmin/dateiliste/publikationen/ Fachbeitr%C3%A4ge/2015/C6-2015_Klassifikation_der_ Personbezogenen_Faktoren_der_ICF.pdf [letzter Zugriff am 5. 12. 2017]

9 Burton CR, J Adv Nurs 2000; 32(1):174–81

10 Roes M, Aktivierende und/oder rehabilitative Pflege? Rehabilitation Pflege Praxis 2009; pp. 17–18