Die Pflanze an der Tara: Sulforaphan – Wertvolles aus Brokkoli

Botanik und Charakterisierung des Stoffes

Sulforaphan ist ein Inhaltsstoff aus der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Dazu zählen unter anderem Brokkoli, Kohlgemüse, Kresse, Rukkola, Radieschen, Kren, Rettich und Senf.1 Die Substanz wurde aus Brokkoliextrakten erstmals im Jahr 1992 isoliert.2 Vor allem Brokkoli und Karfiol sind reich an diesem sekundären Pflanzenstoff, der durch enzymatische Spaltung des Senfölglykosids Glucoraphanin entsteht.1

Sulforaphan wird durch Hitze weitgehend zerstört, weshalb der Verzehr von Brokkoligemüse zu keiner nennenswerten Zufuhr beiträgt. Zudem löst sich die Substanz beim Kochen aus der Pflanzenzelle und geht ins Kochwasser über.1

Darreichungsformen

Sulforaphan wird in Form von Brokkolisamen oder aus gefriergetrockneten Brokkolisprossen als Pulver oder in Kapseln verpackt angeboten.1

Studienlage

Sulforaphan hat antioxidative Eigenschaften und aktiviert sowohl die antioxidative als auch die antinflammatorische Antwort indem der Nrf2-Signalweg induziert wird und es zu einer Inhibierung von NF-κB kommt. Der sekundäre Pflanzenstoff hat außerdem einen epigenetischen Effekt, indem Methyltransferasen inhibiert und mitochondriale Dynamiken modifiziert werden. Ein bedeutsamer Mechanismus wurde mit der Aktivierung des Proteasoms und damit verbundener Aufrechterhaltung der Proteinhomöostase entdeckt. Es hat sich gezeigt, dass die Aufrechterhaltung der Proteostase zu einer erhöhten Lebensdauer von Zellen führt und dass dadurch der Neurodegeneration vorgebeugt werden kann. Die erhöhte Nrf2-Expression wurde in mehreren In-vivo-Studien bestätigt.2

Sulforaphan wirkt dabei auch indirekt positiv, indem Mechanismen der Nrf2-Degradation unterbunden werden. Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Nrf2-abhängige antioxidative Antwort mit zunehmendem Alter abnimmt. In Epithelzellen von alternden Versuchstieren gelang es, durch Sulforaphan-Behandlung die Nrf2-Aktivierung zu erhöhen.2

In Studien konnte man auch nachweisen, dass Sulforaphan die inflammatorische Antwort von T-Zellen unterbindet. Dies macht die Substanz für die künftige Anwendung bei chronisch entzündlichen Erkrankungen interessant.3

Alternde Gewebe sind anfälliger für Schädigung durch reaktive Sauerstoffspezies. Die Wiederherstellung der antioxidativen Abwehr könnte wesentlich dazu beitragen, das Immunsystem im Alter zu schützen. In Tierversuchen konnte man diesbezüglich durch die Behandlung mit Sulforaphan Erfolge verzeichnen. Bei älteren Mäusen, die mit der Substanz behandelt wurden, konnte die Immunantwort auf den Level von jungen Artgenossen gebracht werden. Als Mechanismus wurde wiederum die Interaktion mit Nrf2 ermittelt.4

Nebenwirkungen

In der Literatur werden aktuell keine Nebenwirkungen beschrieben.

 

Literatur:

1 Universität Heidelberg

2 Santín-Márquez R, Alarcón-Aguilar A, López-Diazguerrero NE et al., Sulforaphane – role in aging and neurodegeneration. GeroScience. 2019 Oct; 41(5): 655–670. DOI: 10.1007/s11357-019-00061-7

3 Liang J, Jahraus B, Balta E et al., Sulforaphane Inhibits Inflammatory Responses of Primary Human T-Cells by Increasing ROS and Depleting Glutathione. Front Immunol. 2018; 9: 2584

4 Kim HJ, Barajas B, Wang M et al., Nrf2 activation by sulforaphane restores the age-related decrease of TH1 immunity: Role of dendritic cells. J Allergy Clin Immunol. 2008 May;121(5):1255-1261.e7. DOI: 10.1016/j.jaci.2008.01.016

Apo-K 01|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-01-17