Die Rolle der Ernährung

Ältere und hochbetagte Menschen stellen eine sehr heterogene Altersgruppe dar, in der sich Marathonläufer:innen und immobile Multimorbide sowie Menschen mit Adipositas oder Mangelernährung treffen. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Voraussetzungen für starke und gesunde Knochen. Der häufigste medizinische Behandlungsbedarf ergibt sich bei Vorliegen von Multimorbidität und Mangelernährung, die Risikofaktoren für Osteoporose darstellen. Welche Ernährungsempfehlungen sind hier hilfreich?

Komplikationen und Prävention von Stürzen

Das Wichtigste ist eine klare Zieldefinition anhand der Gesamtsituation unter Berücksichtigung aller Erkrankungen sowie der Medikation und des Willens der Betroffenen. Vorrangig ist die Verhinderung von Stürzen mit all ihren Folgen und der daraus häufig resultierenden früheren Pflegebedürftigkeit sowie erhöhter Mortalitätsrate. Bei dieser Zielgruppe ist aufgrund der Komplexität (Multimorbidität, Mangelernährung, Polypharmazie) die Einbindung weiterer Berufsgruppen (z. B. Diätolog:innen) empfehlenswert, damit die individuellen Ernährungsziele und der Bedarf gemeinsam erreicht werden können.Um einen raschen Überblick zu bekommen, können in der Arztpraxis folgende Fragen gestellt werden und anschließend im Bedarfsfall entsprechende Untersuchungen angeordnet werden:

  • Sind Sie in den letzten Monaten gestürzt? Haben Sie sich dabei eine Verletzung zugezogen?
  • Haben Sie in den letzten Monaten ungewollt Gewicht verloren?
  • Essen Sie Milchprodukte? Wenn ja, wie viele Portionen täglich?

Die wichtigsten Ernährungsempfehlungen

Untergewicht vermeiden – Body-Mass-Index zwischen 22 kg/m2 und 27 kg/m2 – bzw. vor allem ungewollten Gewichtsverlust erkennen und Ursachen suchen sowie Maßnahmen planen.

Protein: 1 g pro kg Körpergewicht. Bei bestimmten Erkrankungen oder Wundheilungsstörungen kann der Bedarf auf 1,2–1,5 g pro kg Körpergewicht steigen. Da eine genaue Berechnung der Verzehrsmenge im Praxisalltag eher aufwändig ist, kann die Frage nach dem Konsum tierischer Proteinportionen bei der Abschätzung der täglichen Proteinzufuhr helfen. Bei omnivorem Essverhalten wird rund die Hälfte durch pflanzliche Proteinlieferanten gedeckt, und diese Menge wird meist erreicht.
1 Portion Protein entspricht (grob geschätzt): 1 Glas Milch oder Joghurt, 2 Blatt Schnittkäse, 1 Ei, 1 handtellergroßes Stück Fleisch/Fisch/Geflügel, 2 Blatt Wurst oder Schinken. Wenn pro Tag 3 Portionen aus dieser Gruppe gegessen werden, kann von einer ausreichenden Eiweißzufuhr ausgegangen werden, falls kein erhöhter Bedarf vorliegt.

Kalzium: 1.000–1.200 mg pro Tag. Kalziumreiche Lebensmittel sind vor allem Milch und Milchprodukte, Brokkoli, grünes Blattgemüse, Sojaprodukte und Beerenfrüchte. 2 Blatt Schnittkäse und ein kleiner Becher Joghurt decken bereits die Hälfte des täglichen Kalziumbedarfes. Eine Kalziumportion sollte am Abend eingeplant werden.
Eine Substitution muss nur erfolgen, wenn der Bedarf nicht über normale Lebensmittel gedeckt werden kann – und immer in Kombination mit Vitamin D.

Vitamin D: Nur 10–20 % des Bedarfes werden über Lebensmittel gedeckt, 80–90 % über die Synthese in der Haut durch Sonnenlichtexposition. Da die Vitamin-D-Synthese in der Haut im Alter nachlässt, wird für Menschen über 60 Jahre eine Substitution von täglich 800 I.E. empfohlen, wenn die orale Zufuhr und die Sonnenexposition nicht ausreichen. Vitamin-D-Gabe täglich ist besser als Bolusgaben, um starke Schwankungen im Körper zu verhindern, da hier gesundheitliche Risiken vermutet werden.
Neben Protein, Kalzium und Vitamin D spielt auch eine gute Vitamin-K-Versorgung eine Rolle in der Osteoporosebehandlung. Günstige Lieferanten sind z.B. grünes Gemüse, Kraut sowie fermentierte Lebensmittel, aber auch Kräuter. Neben der Ernährung sind eine regelmäßige Bewegung, die medikamentöse Therapie sowie die Reduktion von Nikotinkonsum als Basis für die Behandlung einer Osteoporose zu sehen.