Kinder an der Tara: große Beratungsleistung für kleine Patienten

Kleine Kinder an der Tara sind meistens eine große Herausforderung in Bezug auf Beratung und die Auswahl des passenden Präparates. Denn nicht jeder Hustensaft schmeckt auch wirklich jedem Kind, und nicht immer werden alle Arzneimittel freiwillig und ohne Protest eingenommen. Um die Compliance der kleinen Patienten zu fördern, sollte man sie an der Tara in das Beratungsgespräch miteinbeziehen und ihnen das Präparat und die Anwendung mit einfachen Begriffen erklären. So fühlen sich die Kinder ernstgenommen und lernen schon von klein auf, sich und ihre Gesundheit wertzuschätzen. Da die Symptomatik bei Kindern häufig diffus erscheint, ist die Verunsicherung mancher Eltern groß, wenn es um die Behandlung ihrer Kinder geht. Je jünger das Kind ist, desto unspezifischer ist die Beschreibung der Symptome. So klagen Kleinkinder häufig über Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, obwohl die Krankheitsursache an einer ganz anderen Stelle liegt. Für ein erfolgreiches Beratungsgespräch müssen im Vorfeld unbedingt das Alter des Kindes und die Dauer und die Heftigkeit der Beschwerden abgeklärt werden, um abschätzen zu können, ob in diesem Fall eine Selbstmedikation überhaupt in Frage kommt – oder ob das Kind schnellstmöglich an einen Kinderarzt verwiesen werden sollte. Dies gilt besonders, je jünger das Kind ist, und im Falle zusätzlicher chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Autoimmunerkrankungen et cetera. Gleich zu Beginn des Beratungsgespräches ist auch die Frage nach bereits verwendeten Präparaten hilfreich, um bei den Empfehlungen im Anschluss Zeit einzusparen.

Husten und Schnupfen bei Kindern

Kinder im Kindergartenalter sind durchschnittlich bis zu zehnmal jährlich erkältet. Dies begründet sich durch ein noch nicht vollständig entwickeltes Immunsystem. Erkältungen werden von über 200 verschiedenen Viren ausgelöst, zum Beispiel Rhino-, Adeno-, Parainfluenza- und Coronaviren. Bei Kindern spielt das „respiratory syncytial virus“ (RSV) eine bedeutende Rolle, das erkältungsähnliche Beschwerden (trockener Husten, Schnupfen, Niesen, Halsschmerzen) hervorruft und vor allem bei Säuglingen einen schweren Verlauf nehmen kann. Sind hier neben den oberen auch die unteren Atemwege betroffen, spricht man von einer RSV-Bronchiolitis mit einer an Keuchhusten erinnernden Symptomatik (Rasselgeräusche beim Atmen, erhöhte Atemfrequenz, Auswurf, Blässe, Kraftlosigkeit, Nahrungsverweigerung). Diese kann sich innerhalb weniger Stunden drastisch verschlimmern und bei Frühgeborenen zu Atemstillständen führen.

Erkältungen klingen, je nach Schweregrad der Symptome, nach 10 bis 14 Tagen ab. Bei Kindern ist jedoch die Komplikationsrate durch bakterielle Superinfektionen (Mittelohrentzündung, Bronchitis, Rhinosinusitis) bedeutend höher, da die Atemwege aufgrund der kindlichen Anatomie enger sind als die eines Erwachsenen. Die Behandlung der Erkältung richtet sich nach der Symptomatik, wobei Eltern sehr gerne auf Hausmittel zurückgreifen, wie zum Beispiel Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen, Winterrettichsirup und Ölwickel bei Husten, Zitronenwickel bei Halsschmerzen sowie Wadenwickel bei Fieber. Bei Husten sollte immer abgeklärt werden, ob es sich um trockenen oder produktiven Husten handelt, sofern das an der Tara möglich ist. Hustensäfte mit Efeu sind bereits für Kinder ab einem Monat zugelassen und wirken sowohl expektorierend und mukolytisch als auch bronchodilatierend. Weiters werden gern Sirupe aus Thymian (meist ab 2 Jahren), Spitzwegerich, Eibisch und Isländisch Moos gegeben. Seit einigen Jahren ist der Einsatz von Codein bei Kindern verboten, da durch Demethylierung mithilfe von CYP2D6 Morphin entsteht. Speziell für Kinder, die zu den „ultra-rapid metabolizern“ gehören, kann daher die Einnahme von Codein und die daraus resultierende Morphinüberdosis zu lebensgefährlichen Atemdepressionen führen. Durch die unterschiedliche Kinetik von Dihydrocodein kommt es bei diesem zu keinem unverhältnismäßigen Anstieg des Morphins, der Wirkstoff ist daher für Kinder ab 4 Jahren zugelassen. Neben Hustensäften wirken auch Einreibungen mit ätherischen Ölen (kein Kampfer und Menthol unter 2 Jahren) und Erkältungsbäder atemwegsbefreiend. Bei Schnupfen lösen Salzwassersprays festsitzendes, zähes Nasensekret und befeuchten die Schleimhäute. Abschwellende Sprays und Tropfen sollten nur kurzfristig (< 10 Tage) und nach dem Motto „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ gegeben werden, um langfristige Schäden an der Nasenschleimhaut zu vermeiden. Weiters sollten konservierungsmittelfreie Varianten gewählt werden, da Benzalkoniumchlorid das Flimmerepithel lähmt und dadurch der natürliche Sekrettransport behindert wird. Engelwurzbalsam hilft beim Durchatmen und pflegt gereizte Haut in der Nasenumgebung. Immunstimulierende Phytopharmaka, zum Beispiel auf Basis von Pelargonienwurzel (ab 1 Jahr) oder β-Glucane (ab 10 kg KG), können zusätzlich gegeben werden, um die Krankheitsdauer zu verkürzen beziehungsweise um einen herannahenden Infekt abzuwenden.

Durchfall und Bauchschmerzen

Unspezifische Bauchschmerzen treten bei kleinen Kindern besonders häufig auf und haben oft vielfältige Ursachen. Auch hier gilt es abzugrenzen, ab wann ein Kinderarzt aufgesucht werden muss beziehungsweise Selbstmedikation in Frage kommt. Bei starken Schmerzen mit zusätzlichem Fieber, bereits länger bestehenden Beschwerden und Druckempfindlichkeit und -schmerz ist jedenfalls ein Kinderarzt aufzusuchen. Leichte Beschwerden stammen häufig von zu fetter/süßer Nahrung, Blähungen oder leichter Verstopfung und sind fallweise auch psychosomatisch bedingt (Prüfungsangst, Schulangst et cetera). Hier können pflanzliche Wirkstoffe aus Kamille, Käsepappel, Fenchel und Anis Linderung verschaffen. Warme Kirschkernkissen wirken krampflösend und helfen bei Blähungen, ebenso wie Bauchmassagen im Uhrzeigersinn.

Kinder weisen häufig eine schwankende, unregelmäßige Stuhlkonsistenz auf. Grundsätzlich spricht man bei mehr als 3 sehr weichen bis flüssigen, übelriechenden Stühlen täglich von Durchfall. Ist dieser von Fieber und/oder Schmerzen begleitet, das Kind unter 1 Jahr alt beziehungsweise wiegt weniger als 8 kg oder wird die Flüssigkeitsaufnahme verweigert, so ist ein Arztbesuch zur Abklärung dringend nötig. Besonders wichtig ist bei Kindern die orale Rehydratation. Hierfür gibt es verschiedene Fertigpräparate mit passendem Elektrolytgehalt. Isotonische Sportgetränke sind in diesem Fall für Kinder nicht geeignet, da das Verhältnis von Natrium und Kohlenhydraten nicht passend ist und es durch osmotische Effekte zu einem weiteren Flüssigkeitsverlust kommen könnte. Auch Cola (Zucker, Koffein, Zusätze) ist nicht empfehlenswert, auch wenn dieses schon fast als „Hausmittel“ gilt. Präparate mit Apfelpektin oder Gelatine-Gerbstoff-Mischungen werden aufgrund ihres süßen Geschmacks beziehungsweise der Möglichkeit das Pulver anderen Speisen (Joghurt, Milch, Saft) beizumischen meist gern eingenommen, im Gegensatz zu Aktivkohle, die bei Kindern eher auf Ablehnung stößt.

AutorIn: Mag. pharm. Karoline Sindelar

Apo-K 19|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-09