Maßnahmen bei Rhinitis sicca und Office-Eye-Syndrom

Die Nasenschleimhaut erfüllt gleich mehrere wichtige Aufgaben, wenn es um die Atmung und den eingeatmeten Luftstrom geht. Einerseits wird die Atemluft auf dem Weg in die Alveolen auf Körpertemperatur erwärmt und gleichzeitig befeuchtet, um somit einen optimalen Gasaustausch zu ermöglichen. Andererseits fungiert die Nasenschleimhaut als Schutzbarriere, die Krankheitserregern das Eindringen in tiefergelegene Zellen erschwert.

Um einer möglichen Austrocknung durch die ständig zirkulierende Atemluft entgegenzuwirken und die Barrierefunktion aufrechterhalten zu können, ist die gesamte Naseninnenfläche von einem seromukösen Sekret überzogen. Dieses besteht aus Muzinen der nasalen Becherzellen, Tränenflüssigkeit, Elektrolyten und Proteinen. Hier spielen vor allem das Immunglobulin A und verschiedene Enzyme (zum Beispiel Lysozym) eine wichtige Rolle in der Erregerabwehr. Das Nasensekret lässt sich in zwei verschiedene visköse Schichten unterteilen: Die dickflüssige Gelschicht schwimmt, über Surfactant verbunden, auf der dünnflüssigen Sol-Schicht auf. Die niedrige Viskosität der Sol-Schicht ermöglicht einen optimalen Zilienschlag des Flimmerepithels und gewährleistet dadurch den kontinuierlichen Abtransport von Schadstoffen wie Staub, Krankheitserregern und anderen Partikeln aus der Atemluft. Ist die Schleimhautbarriere jedoch gestört, so kommt es zu einem unangenehmen Trockenheitsgefühl in der Nase, zu Juckreiz, Brennen, Krusten-/Borkenbildung und gegebenenfalls zu Nasenbluten. Treten diese Beschwerden gehäuft oder chronisch auf, spricht man von „Rhinitis sicca“. Mögliche Ursachen hierfür können zu trockene oder staubbelastete Atemluft, Zigarettenrauch, Chemikalien, die Verwendung von Schnupftabak und Kokain sowie verschiedene Arzneimittel (Antihypertonika, Psychopharmaka, Aknetherapeutika) sein. Auch Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion und Hormonmangel im Wechsel bewirken eine Austrocknung der Nasenschleimhäute. Die missbräuchliche Verwendung von konservierungsmittelhaltigen, abschwellenden Nasensprays schädigen ebenso wie die nasale Daueranwendung von Kortison die Nasenschleimhaut und verschlimmern die Austrocknung weiter.

Als Therapie haben sich Spülungen, Sprays oder Tropfen mit physiologischer Kochsalzlösung bewährt. Nasenöle und -salben haben einen langanhaltenden, pflegenden Effekt und werden vor allem gerne abends verwendet. Zusätze wie Allantoin, Hyaluronsäure oder Aloe-vera-Extrakte verstärken die befeuchtende Wirkung. Ein häufig verwendeter Wirkstoff in Nasensalben und -sprays ist Dexpanthenol, ein Prodrug der Pantothensäure, das unter anderem ein Bestandteil von Coenzym A ist. Dexpanthenol wirkt befeuchtend und wundheilungsfördernd sowie haut- und schleimhautregenerierend. Dexpanthenol wird, im Gegensatz zur reinen Pantothensäure, wesentlich besser absorbiert. Ein aus Rotalgen gewonnenes Polysaccharid bildet einen zusätzlichen Schutzfilm über der Nasenschleimhaut aus, der Krankheitserreger bindet und deren Anhaftung an darunterliegende Epithelzellen verhindert. Zusätzlich wirkt es befeuchtend und stabilisierend auf den Nasensekretfilm.

Wenn die Augen austrocknen

Speziell in der kalten Jahreszeit leidet neben der Nasenschleimhaut auch der Tränenfilm des Auges unter zu trockener, beheizter Raumluft, der Anwendung von konservierungsmittelhaltigen, abschwellenden Nasensprays und systemisch angewendeten Alpha-Sympathomimetika. Darüber hinaus verschlechtert sich das sogenannte Office-Eye-Syndrom im Winter weiter. Durch die konzentrierte Arbeit am Bildschirm oder Handyscreen verringert sich die Lidschlagfrequenz um ein Vielfaches, und durch Klimaanlagen und Heizungen verdunstet die Tränenflüssig rascher, wodurch es zur Austrocknung des Auges kommt. Die Folge sind gerötete, brennende und juckende Augen.

Neben der passenden Gestaltung des Arbeitsplatzes sind Bildschirmpausen, regelmäßiges Lüften und Entspannungsübungen für die Augen wichtige Hilfsmittel, um trockenen Augen vorzubeugen. Zusätzlich wirken Augentropfen mit befeuchtenden und beruhigenden Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Augentrost und Dexpanthenol lindernd und reizmildernd.

Auch bei Augentropfen sollten konservierungsmittelfreie Präparate bevorzugt werden, um zusätzliche Reizungen des Auges zu vermeiden. Spezielle Vorsicht ist bei Trägern weicher Kontaktlinsen geboten, da sich Benzalkoniumchlorid in die Kontaktlinsen einlagert und diese mit der Zeit eintrübt. Eine stärkere Befeuchtung und Regeneration des Tränenfilms lässt sich mit Hilfe von Augensalben und -gelen erreichen. Diese werden aufgrund ihrer Konsistenz und der daraus resultierenden kurzfristigen Einschränkung des Sehvermögens eher abends angewendet. Sie enthalten häufig regenerierende Zusätze wie Dexpanthenol oder Vitamin A.

AutorIn: Mag. pharm. Karoline Sindelar, MSc.

Apo-K 01|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-01-22