Regelschmerzen: Ursachen und Linderung

Dysmenorrhö zählt zur häufigsten gynäkologischen Erkrankung von Frauen im gebärfähigen Alter, wobei zwischen primärer und sekundärer Form differenziert wird. Erstgenannte wird als menstruationsassoziierter, krampfartiger Unterleibsschmerz ohne zusätzliche erkennbare makroskopische Beckenpathologie definiert. Die Schmerzen beginnen typischerweise 6–24 Monate nach der Menarche, treten monatlich kurz vor Einsetzen der Regelblutung und/oder währenddessen ein und können bis zu 72 Stunden andauern. Symptome der sekundären Ausprägung sind die Folge von Veränderungen im Beckenbereich und machen sich erst ca. ab dem 20. Lebensjahr bemerkbar. Diese Modifikationen können auf Endometriose, uterine Adenomyose, Leiomyome, angeborene Fehlbildungen des Uterus, Zysten und Tumoren, entzündliche Erkrankungen des Beckens, pelvine Stauung, intrauterine ­Adhäsionen, psychogene Schmerzen sowie Intrauterinpessare zurück­zuführen sein.

Als pathophysiologische Ursache einer primären Dysmenorrhö wird das Absinken des Progesteron-Spiegels in der zweiten Zyklushälfte angenommen, das die Synthese von Prostaglandinen und anderen kontraktil wirkenden Leukotrienen sowie Vasopressin in der Gebärmutterschleimhaut stimuliert. Durch die erhöhte Kontraktilität der Uterusmuskulatur kommt es in weiterer Folge zu einer Ischämie und damit verbundener Hypoxie der uterinen Schleimhaut. Dieser Prozess dient zur periodisch stattfindenden Abstoßung der Zona functionalis des Endometriums, kann jedoch bei übermäßiger Produktion von Prostaglandinen zu den charakteristischen Beschwerden einer Dysmenorrhö führen.

Risikofaktoren und ärztliche Abklärung

Zu den Risikofaktoren, welche Periodenschmerzen begünstigen, zählen positive Familienanamnese, jugendliches Alter (bis 25 Jahre), starke bzw. unregelmäßige Menstruation, Konsum von Alkohol und Nikotin, frühe Menarche, Nullparität, BMI unter 20 kg/m², Stress sowie körperliche und/oder sexuelle Gewalterfahrungen.

Regelschmerzen sind unbedingt ärztlich abzuklären, wenn:

  • erstmaliges Auftreten von Dysmenorrhö nach beschwerdefreien Menstruationen vorliegt.
  • diese an Intensität und Dauer zunehmen.
  • die Blutung gleichzeitig sehr stark ausfällt.
  • Schmerzen außerhalb der ersten 72 Stunden ab Beginn der Periode auftreten.
  • ebenso Schmerzen beim Geschlechtsverkehr vorhanden sind.
  • Schmerzen mit handelsüblichen rezeptfreien Medikamenten nicht ausreichend therapierbar sind.

Selbstmedikation

Als Mittel der Wahl gelten in der Medikation von Dysmenorrhö die Gruppe der NSAR, die als Hemmstoffe der Cyclooxygenase die Produktion von Prostaglandinen bremsen und auch die neuronale Hypersensitivität gegen Schmerzen positiv beeinflussen. Ein Cochrane Review bietet durch Zusammenfassung von 80 Studien zur Wirksamkeit der nichtselektiven COX-Hemmer bei fast 6.000 Frauen einen guten Überblick. Die Wirkungen der Substanzen Ibuprofen, Dexibuprofen, Na­proxen sowie Diclofenac sind gegenüber Placebo gut belegt. Für Acetylsalicylsäure ist die Evidenz etwas geringer.

Die rezeptfrei erhältliche Substanz Ibuprofen ist mit einer Tagesmaximaldosis von 1.200 mg angegeben und darf beim Vorliegen gastrointestinaler Ulcera oder gleichzeitiger Medikation von oralen Glukokortikoiden nicht eingenommen werden. Vorsicht ist aufgrund der thrombozytenaggregationshemmenden Effekte bei allen NSAR geboten. Ebenso ist eine Kombination der verschiedenen nichtsteroidalen Antirheumatika zu vermeiden.

Der ohne ärztliche Verschreibung verfügbare Wirkstoff Butylscopolamin blockiert durch kompetitiven Antagonismus die acetylcholinvermittelte Erregungsübertragung an m-Choli­nozeptoren und hebt somit die Muscarinwirkung von Acetylcholin auf. Aufgrund des erschlaffenden Effektes auf die glatte Muskulatur ist der Arzneistoff bei Spasmen der weiblichen Genitalorgane indiziert. Als Nebenwirkungen sind die typischen anticholinergen Effekte (z. B. verminderte Sekretion von Speichel) möglich. Kontraindikationen sind etwa Engwinkelglaukom oder Ileus.

In der orthomolekularen Medizin gilt Magnesium als bewährtes Mittel zur Schmerzlinderung bei Menstruationsbeschwerden und kann den Bedarf von Analgetika vermindern, da es die Bildung von Prostaglandin F2α zu hemmen vermag. Auch die Vitamine B1, B6 und E erwiesen sich in der Therapie von periodischen Krämpfen als hilfreich. Letztgenanntes sollte mindestens über einen Zeitraum von 4 Monaten eingenommen werden, um eine lindernde Wirkung auf Intensität und Dauer des Schmerzes zu erzielen.

Hilfreiche Pflanzen

Phytotherapeutisch kommen bei schmerzhafter Menstruation verschiedene Drogen zum Einsatz, besonders in Form von Tees, Sitzbädern oder warmen, auf den Unterbauch gelegten Kompressen.

Die zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile bzw. Spitzentriebe vom Schafgarbenkraut verfügen aufgrund ihrer wasserlöslichen Apigenin- und Luteolin-7-O-Glykoside über spasmolytische Effekte, die bei schmerzhaften Krämpfen zur Anwendung kommen. Das Gänsefingerkraut hat aufgrund seiner phenolischen Inhaltsstoffe (wie Flavone und Gerbstoffe vom Ellag- und Gallussäuretypus) ebenso spasmolytische Wirkungen auf den Uterus und kann gleichzeitig auftretende Durchfälle mildern. Melissenblätter bewirken mit ihren Ätherisches-Öl-Komponenten Citronellal, Citral, Citronellol, Linalool und Geraniol und weiteren Inhaltsstoffen (wie Bitterstoffen, Phenolcarbonsäuren und Lamiaceen-Gerbstoffen) eine effiziente Krampflösung; zusätzlich unterstützt der mild sedierende Effekt bei nervös bedingten Schmerzzuständen. Volksmedizinisch kommt das im Geschmack leicht bitter und adstringierend schmeckende Kraut des Frauenmantels mit seinem relativ hohen Gehalt an Gerbstoffen bei Periodenschmerzen zum Einsatz.

Der im Mittelmeergebiet bis Asien vorkommende Mönchspfeffer-Strauch aus der Familie der Verbenaceae liefert kugelige Steinbeeren, welche ätherisches Öl und die Iridoidglykoside Agnusid und Aucubin enthalten. Mönchspfeffer-Präparate (in Form von Dragees oder Tropfen über mindestens 3 Monate hinweg eingenommen) hemmen die hypophysäre Prolaktin-Produktion und wirken dadurch ausgleichend auf den Hormonhaushalt, wodurch sich schmerzhafte Zyklen samt Begleiterscheinungen reduzieren lassen.

Aromatherapie und Wärme

Aromatherapeutisch sind Massagen und/oder Kompressen am Unterbauch sowie im Bereich der Lendenwirbelsäule mit den ätherischen Ölen Römische Kamille, Lavendel und Mandarine rot – gemischt in fetten Trägerölen – ratsam. Bei nicht zu starken Blutungen können auch die hervorragend spasmolytisch wirkenden Öle Majoran und Muskatellersalbei hinzugefügt werden.

Wärme lindert die verkrampfte glatte Muskulatur des Unterleibs und kann in Form von Bädern, als Wärmeflasche oder dünnes, flexibles Wärmepflaster diskret auf den Unterbauch geklebt werden, die für etwa 8 Stunden eine konstante Temperatur von 40 °C gewährleisten.

Bei allen vorgestellten Therapieoptionen empfiehlt es sich, bereits bei den ersten Anzeichen mit der Behandlung zu beginnen, um eine weitere Ausschüttung von Schmerz-Botenstoffen zu verhindern. Stressreduktion, regelmäßige Sporteinheiten, ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren und γ-Linolensäure sowie Yoga können unterstützende Maßnahmen zur Linderung der monatlichen Beschwerden darstellen. Moderate körperliche Bewegung (wie Walken oder Radfahren) sollte unbedingt auch während der Menstruation gemacht werden, um die Durchblutung im Becken anzukurbeln und den Organismus mit genügend Sauerstoff zu versorgen.


Literatur:

  • Marjoribanks J, Ayeleke RO, Farquhar C et al., Nonsteroidal anti-inflammatory drugs for dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2015 Jul 30; 2015(7):CD001751
  • Mutschler E, Geisslinger G, Kroemer HK et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen. 8. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2001Wagner H, Bauer R, Arzneidrogen und ihre Inhaltsstoffe. 6. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1999
AutorIn: Mag. pharm. Doris Auinger

Apo-K Sonderausgabe Frauengesundheit

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-06-16