Adipositas gilt ab einem BMI von 30 kg/m² als eigenständige chronische Erkrankung und ist zugleich Risikofaktor für zahlreiche nichtübertragbare Krankheiten. Grundlage jeder Behandlung bleibt laut S3-Leitlinie eine Kombination aus individuell angepasster Ernährungstherapie, Bewegung und Verhaltensmodifikation. Eine medikamentöse Therapie wird erst erwogen, wenn diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, und ersetzt sie auch dann nicht.1
GLP-1-Rezeptoragonisten senken den Appetit und damit die Energiezufuhr deutlich. Bei sehr niedriger Essenszufuhr steigt jedoch das Risiko für eine unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen, Kalzium, Magnesium, Zink sowie den Vitaminen A, D, E, K, B1, B12 und C. Anzeichen eines Mangels können ungewöhnliche Müdigkeit, verstärkter Haarausfall, Muskelschwäche oder eine schlechte Wundheilung sein. Gleichzeitig geht nicht nur die gewünschte Fettmasse verloren. In der Studie STEP 1 entfielen 38 % der Gewichtsabnahme auf fettfreie Masse. Da die Muskelmasse etwa die Hälfte der fettfreien Körpermasse ausmacht, entspricht dies einem Muskelverlust von etwa 20 % der gesamten Gewichtsabnahme. Zusätzlich kann ein starker und rascher Gewichtsverlust die Knochendichte beeinträchtigen.2
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und Obstipation treten vor allem zu Therapiebeginn und nach Dosiserhöhungen auf. Übelkeit zeigt sich häufig morgens oder nach längeren Esspausen, weshalb ein kleines Frühstück und weitere kleine Mahlzeiten im Abstand von 3–4 Stunden dem entgegenwirken können. In den ersten Tagen empfiehlt sich der Verzicht auf sehr fett- oder ballaststoffreiche Speisen. Zusätzlich kann Ingwer- oder Pfefferminztee unerwünschte Wirkungen lindern. Bei Obstipation helfen eine ausreichende Trinkmenge und eine schrit-weise Steigerung ballaststoffreicher Lebensmittel.2
Während einer aktiven Gewichtsreduktion wird eine Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,6 g pro kg Körpergewicht und Tag diskutiert. Eine dauerhafte Zufuhr von 2 g/kg und mehr sollte hingegen vermieden werden. Entscheidend ist der Hinweis, dass eine höhere Eiweißzufuhr ohne strukturiertes Krafttraining den Muskelabbau kaum verhindert und Ausdauertraining allein einen geringeren Effekt auf den Erhalt der Muskelmasse hat. Für gefährdete Nährstoffe wie Vitamin D, Kalzium oder Vitamin B12 kann eine individuell angepasste Supplementierung erwogen werden.2
Wird die Therapie beendet, kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. Innerhalb eines Jahres können bis zu 2 Drittel des verlorenen Gewichts zurückkehren, weshalb eine frühzeitig etablierte Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung auch langfristig zentral bleiben.
Eine ärztliche Abklärung ist empfohlen bei: