Zum Aus-der-Haut-Fahren

Pruritus oder Juckreiz ist eines der häufigsten Krankheitssymptome, welche die Haut betreffen, und provoziert mechanische Abwehrreaktionen wie Kratzen, Reiben oder Kühlen. Die Betroffenen empfinden den Juckreiz oft als qualvoll, die Lebensqualität beeinträchtigend oder zumindest als störend und unangenehm. Auch Schlafstörungen können als Konsequenz von anhaltendem Juckreiz auftreten.
Früher nahm man an, dass Juckreiz eine Unterform des Schmerzes ist. Die moderne Wissenschaft klassifiziert das Symptom jedoch als eigenständige Sinneswahrnehmung, wobei die verantwortlichen Rezeptoren durch chemische und physikalische Stimuli oder auch durch Neurotransmitter aktiviert werden. Hautreizungen, die das Jucken hervorrufen, können etwa durch Insektenstiche, allergische Reaktionen auf Stoffe bei Berührung der Haut, Nahrungsmittelinhaltsstoffe, Tierhaare, Umweltgifte, natürliche Allergene wie Pollen und auch durch psychische Einflüsse entstehen. Bei manchen Erkrankungen ist Pruritus chronifiziert – diese Einstufung wird ab einer Dauer von sechs Wochen getroffen.* Pruritus im Rahmen von Hauterkrankungen tritt besonders bei Neurodermitis, Psoriasis, seborrhoischem Ekzem, bakteriellen Infektionen (Streptokokken und Staphylokokken), Feigwarzen, Pilzinfektionen und Kopfschuppen (Pityriasis capitis) auf. Zur Häufigkeit des Auftretens bei bestimmten Erkrankungen gibt die Tabelle Auskunft. Auch als Folge von Infektionskrankheiten kann es zu Pruritus kommen. Zu nennen sind vor allem Windpocken, Masern, Röteln und Parasitenbefall.
Meistens kann nur eine rein symptomatische Behandlung des Juckreizes durchgeführt werden. Für die Selbstmedikation steht dabei eine gute Palette an Optionen zur Verfügung. Antihistaminika bewähren sich topisch als Cremes, Lotionen, Stifte oder Emulsionen sowie in oraler Form als Tabletten, Dragees und Tropfen. Ebenfalls zum Einsatz kommen die Stoffe Hydrocortison (bei juckender entzündeter und allergischer Haut), Polidocanol, Alpha-Bisabolol (entzündungshemmend und beruhigend), Gerbstoffe wie Tannin sowie Harnstoff und Dexpanthenol für ein verstärktes Feuchthaltevermögen der Haut (zur Vorbeugung des Juckreizes). Lokalanästhetikahaltige Topika behandeln effektiv Reiz- und Schmerzzustände. Kühlende Lotionen und Cremes mit Menthol und Kampfer sowie Kieselsäuregel zur Kühlung und Regeneration der Haut runden die vielfältigen Möglichkeiten der Selbstbehandlung ab.

Ursache trockener Haut
Wenn das Verlangen nach Kratzen bzw. Scheuern auf der Hautoberfläche bei optisch unveränderter Haut auftritt, also keine pathologischen Anzeichen einer Erkrankung (Rötung, Schwellung, Pusteln, Bläschen etc.) erkennbar sind, handelt es sich meistens um zu trockene Haut. Häufig davon betroffen sind Schienbeine, Füße, Hände, Ellbogen und Unterarme. Sowohl externe Einflüsse wie Hitze, Kälte, Sonne, Wasser, reizende Substanzen (Wasch-, Putzmittel, Schadstoffe), mangelnde oder übertriebene Körperpflege und Kosmetik, Reibung durch zu eng sitzende Kleidung als auch innere Faktoren wie Flüssigkeitsmangel, hormonelle Schwankungen, Stoffwechselerkrankungen, einseitige Ernährung oder psychischer Stress gelten als potenzielle Ursachen für eine zu trockene, juckende Haut.
Die Pflege mit milden Lotionen sowie reichhaltigen Körpercremes, die Feuchthaltefaktoren wie Glycerin oder Urea beinhalten, ist bei juckenden Anzeichen sehr empfehlenswert. Das leicht hygroskopische Carbamid bildet Einschlussverbindungen mit Wasser und setzt dieses verzögert wieder frei. Das Endprodukt des menschlichen Stoffwechsels von Stickstoffprodukten gilt als besonders verträglich und zeigt kein allergenes Potenzial oder relevante lokale Irritationen.
Als elementare Bestandteile von Zellmembranen kommt auch den ungesättigten Fettsäuren in der hautfreundlichen Ernährung eine große Bedeutung zu. Systemisch zugeführte pflanzliche Speiseöle wie Lein, Borretsch, Olive oder Macadamianuss tragen zur Erneuerung einer geschädigten Hautbarriere, zur Normalisierung des transepidermalen Wasserverlustes und zur Verbesserung der Hautglätte bei, was in Summe den Juckreiz lindert.


Literatur:

* S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus, Stand 05/2016. AWMF-Reg.-Nummer 013-048

AutorIn: Mag. pharm. Doris Auinger
AutorIn: Mag. Martin Schiller

Redaktionelle Leitung, Apotheker Krone


Apo-K 21|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-11-12