Adjuvant mehr Chemotherapie bringt keinen signifikanten Gesamtüberlebensvorteil
Gemcitabin/Cisplatin versus Capecitabin im adjuvanten Setting
Der LBA21, vorgestellt von H. Wege, verglich den aktuellen adjuvanten Standard Capecitabin gegen eine Therapie mit Gemcitabin und Cisplatin nach kurativer Resektion bei Gallengangs- und Gallenblasenkarzinomen (ACTICCA-1): Auf diese Studienergebnisse haben wir schon lange gespannt gewartet. Es handelt sich um aktuell die größte Studie mit insgesamt 601 Patient:innen in diesem Setting und ist eine multizentrische akademische Phase-III-Studie, die von Deutschland ausgehend initiiert wurde und in insgesamt 67 Zentren in 8 Ländern durchgeführt wurde. Die Fragestellung war recht wichtig, da trotz einer Operation und einer nachfolgenden adjuvanten Behandlung mit Capecitabin es bei etwa 50 % dieser Patient:innen innerhalb von zwei Jahren zu einem Krankheitsrezidiv oder zum Tod kommt. Die Kombination aus Gemcitabin und Cisplatin ist ein etabliertes Chemotherapieschema bei fortgeschrittenem Gallengangskarzinom; dies lieferte die wissenschaftliche Begründung dafür, diese Kombination auch im adjuvanten Setting zu untersuchen.
Vorweg die Studie ist leider formal negativ. Der primäre Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben (DFS), das in der modifizierten „Intention-to-Treat“-Population bewertet wurde. Zu den sekundären Endpunkten zählten das Gesamtüberleben (OS), die Sicherheit und Verträglichkeit der Chemotherapie, die Lebensqualität sowie Muster des Krankheitsrezidivs. Der Datenschnitt erfolgte am 31. Dezember 2025.
Primärer DFS-Vergleich ohne statistische Signifikanz
Der Endpunkt krankheitsfreies Überleben (DFS) betrug im Untersuchungsarm mit Cisplatin und Gemcitabin median 25,7 Monate und mit Capecitabin 17,9 Monate.
Nach 24 Monaten lagen die DFS-Raten bei 52 % beziehungsweise 44 % (Log-Rank-Test: p = 0,097). Die Cox-Hazard-Ratio betrug 0,82 (95%-Konfidenzintervall 0,67–1,01; p = 0,058). Die Analyse ergab jedoch einen nicht konstanten Behandlungseffekt, was auf eine Verletzung der Annahme proportionaler Hazardraten hindeutet.
Wie im statistischen Analyseplan vorab festgelegt, wurde die eingeschränkte mittlere Überlebenszeit (Restricted Mean Survival Time, RMST) herangezogen, um das krankheitsfreie Überleben über die ersten drei Jahre zu bewerten. Das auf drei Jahre begrenzte mittlere DFS betrug 23,3 Monate unter der Kombination aus Gemcitabin und Cisplatin gegenüber 20,6 Monaten unter Capecitabin; dies entspricht einem um 2,6 Monate längeren DFS (95%-Konfidenzintervall 0,6–4,68; p=0,011). Obwohl der Log-Rank-Vergleich keine statistische Signifikanz erreichte, zeigte die vorab festgelegte RMST-Analyse einen Unterschied zugunsten der Kombination aus Gemcitabin und Cisplatin.
Kein neuer adjuvanter Standard
Das mediane OS betrug 58,1 Monate unter Gemcitabin plus Cisplatin im Vergleich zu 48,2 Monaten unter Capecitabin (Cox HR 0,82; p = 0,103). In den ersten drei Jahren war die eingeschränkte mittlere Gesamtüberlebenszeit unter Gemcitabin plus Cisplatin 1,44 Monate länger (RMST-Analyse, p=0,076). Keine der Analysen zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens.
Natürlich ging die Kombinationstherapie mit einer höheren hämatologischen Toxizität einher. Dadurch ist die Kombinationstherapie leider nicht zu einem neuen Standard geworden. Diese Studie kann im Detail bereits im Annals of Oncology nachgelesen werden.
Adjuvant chemotherapy with gemcitabine and cisplatin compared to standard of care after curative intent resection of cholangiocarcinoma and gallbladder carcinoma (ACTICCA-1 trial). Wege H et al., ESMO 2026, LBA21
Adjuvant chemotherapy with cisplatin and gemcitabine compared to standard of care after curative intent resection of cholangiocarcinoma and muscle invasive gallbladder carcinoma (ACTICCA-1/AIO-HEP-0112 trial). Stein A, Bridgewater J, Klümpen H‑J et al.; ACTICCA‑1 Investigators. Ann Oncol. 2026 Oct 24. Online ahead of print. DOI: 10.1016/j.annonc.2026.10.1278