Der große Schmerz im ­kleinen Becken

Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) veranstaltet im Oktober bereits die 24. Jahrestagung, bei der Bewährtes wie auch Neues diskutiert wird. Das Tagungsteam Christine Stelzhammer, MEd, Physiotherapeutin und stellvertretende Studiengangsleiterin an der Fachhochschule Campus Wien, und Univ.-Prof. Dr. Engelbert Hanzal, Experte für Beckenbodendysfunktion an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien, fassen zusammen, warum die Jahrestagung einiges verspricht.

Die Tagung steht unter dem Motto „Der große Schmerz im kleinen Becken“. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Schmerz im Beckenbereich kann viele Ursachen haben und beinhaltet auch einige Krankheitsbilder mit hoher Neigung zur Chronifizierung. Es stellt sich die Herausforderung, mehr Wissen über Schmerz in der Beckenregion zu sammeln und das vorhandene Wissen interdisziplinär auszutauschen. Der meiste Informationsgewinn liegt einerseits in einem Update zur aktuellen Schmerzphysiologie und -therapie, andererseits in einem Erkenntnisgewinn aus Sichtweisen und Behandlungsstrategien anderer Gesundheitsberufe, aber auch in der Darstellung der Sichtweise von Betroffenen.

Was hat sich im Laufe der Jahrestagung an diesem Kongress verändert? Gibt es 2014 Neuerungen im Vergleich zu früheren Jahren?

Wir haben uns dafür ausgesprochen, die Jahrestagung „am selben Ort zur selben Zeit“ zu veranstalten, um damit eine Tradition zu begründen. Die Feedbacks der Besucher werden der MKÖ helfen zu entscheiden, ob dieser Weg auch zukünftig gegangen werden soll. Gleichbleibend zu den letzten Jahren haben wir eine gut gemischte Struktur der Tagung, die sowohl Frontalvorträge als auch Parallelsessions und Salons enthält, die viele Möglichkeiten zum Austausch in kleinen Gruppen bieten. Die Auswahl der Vortragenden ist naturgemäß einem Wechsel unterworfen, wobei wir in diesem Jahr wieder hervorragende Lektoren aus dem nationalen und internationalen Bereich eingeladen haben. Wir freuen uns sehr, dass insbesondere im Rahmen des Themenfeldes Geburt und Beckenboden die Hebammen auch gut vertreten sein werden.
Patienten, Betroffene und Angehörige waren und sind in der MKÖ wichtige Partner und Zielgruppe, die bei der diesjährigen Tagung auch explizit ans Rednerpult gebeten werden.

Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Entwicklungen der letzten zehn Jahre im Bereich Kontinenz?

Das Thema der Harninkontinenz gewinnt in der Öffentlichkeit langsam mehr an Bewusstheit, es gibt sowohl seitens der Patienten als auch der Ärzte eine steigende Tendenz, nach Problemen zu fragen oder diese anzusprechen. Das ist insgesamt positiv zu bewerten, obwohl vieles noch nicht gelöst ist.
Leider ist im Bereich der Stuhlinkontinenz eine solche Entwicklung noch nicht zu bemerken, hier scheint es sehr schwierig zu sein die Tabuisierung zu durchbrechen.
Eine sehr erfreuliche Tatsache hingegen ist die Zahl an zertifizierten Beckenbodenzentren, die in den letzten Jahren in Österreich geschaffen wurde. Hier gibt es für Patienten, denen mit einer einfachen Basisdiagnostik und -therapie nicht geholfen werden kann, qualifizierte Anlaufstellen, in denen spezialisierte Teams die Patienten bestmöglich behandeln.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der MKÖ und der Jahrestagung?

Weitere Beckenbodenzentren mit Zertifizierung durch die MKÖ; innerhalb der MKÖ eine Vertiefung des Austausches mit den Patienten und gemeinsame Formulierung von Zielen, die dann auch den Politikern als Grundlage von Entscheidungen dienen sollen; die MKÖ als interdisziplinäres Forum für Diskussion unter Bezugnahme auf aktuelle Studien bzw. aktuelle Evidenzlage.

 

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24. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich
Termin: 17.-18. Oktober 2014 Ort: Ländliches Fortbildungsinstitut (LFI) Oberösterreich, Linz
Veranstalter: Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich – MKÖ
Schwarzspanierstraße 15/3/1, 1090 Wien, Tel: +43-1-402 09 28
info@kontinenzgesellschaft.at, www.kontinenzgesellschaft.at

 

Interview mit: Christine Stelzhammer

MEd, Fachhochschule Campus Wien, christine.stelzhammer@fh-campuswien.ac.at;


Interview mit: Univ.-Prof. Dr. Engelbert Hanzal

Leiter der Urogynäkologischen Ambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien, engelbert.hanzal@meduniwien.ac.at


MP 04|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-09-04