Mangelernährung bei Chemotherapie

Fast die Hälfte aller Krebspatienten leidet an Mangelernährung – mit negativen Folgen nicht nur für die Lebensqualität, sondern auch für die Heilungschancen. Um Mangelernährung frühzeitig zu erkennen, wird im St. Josef-Krankenhaus ein spezielles Programm angewendet, dessen Wirksamkeit vor Kurzem in einer Studie bestätigt wurde.
„Viele Patienten mit einer Krebserkrankung kämpfen mit Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und einem verstärkten Abbau von Muskelmasse“, berichtet Prof. Dr. Leopold Öhler, Leiter der Onkologie im St. Josef-Krankenhaus. Die oft mangelhafte Versorgung mit Nährstoffen hat nicht nur Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen. Viele erkranken leichter an Infekten, müssen länger im Spital bleiben oder leiden häufiger an Nebenwirkungen der Chemotherapie. Insgesamt, so die Expertenmeinung, hat Mangelernährung bei onkologischen Patienten eine direkte Auswirkung auf die Lebenserwartung.

Früherkennung wesentlich für Therapieerfolg

„Für den Therapieerfolg ist es daher umso wichtiger, dass Mangelernährung frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird“, so Öhler. Im St. Josef-Krankenhaus wird zur Erhebung des Ernährungszustandes von onkologischen Patienten ein spezielles Screening verwendet. „Der Betroffene wird bei jedem Aufenthalt bei uns gewogen und nach seinen Essgewohnheiten befragt“, erklärt der Onkologe. Alle Angaben sowie der Gewichtsverlauf werden im System gespeichert; werden gewisse Werte unterschritten, schlägt es Alarm. „Ist bei einem Patienten erkennbar, dass er sich unzureichend ernährt, arbeiten Ärzte, Krankenpflegepersonal und Diätologen gemeinsam an der Behebung der Ursachen“, erklärt die leitende Diätologin im St. Josef-Krankenhaus, Katharina Auer, MSc. In einem ausführlichen Gespräch werden zunächst die Gründe für die unzureichende Nährstoffversorgung hinterfragt. „Manches Mal ist der Patient zu Hause einfach schlecht versorgt, andere Male sind es die Nebenwirkungen der Chemotherapie oder psychische Gründe, die zu Mangelernährung führen“, so Auer.
Gemeinsam mit den Betroffenen wird von der Diätologin eine individuelle und bedarfsgerechte Ernährungstherapie geplant, die sich an den medizinischen und persönlichen Bedürfnissen des Patienten ausrichtet. Bei länger andauernder unzureichender Nahrungszufuhr ist eine künstliche Ernährung in Form von Infusionen oder über eine Sonde möglich.

 

 

Studie belegt Wirksamkeit des Screenings

Im Rahmen einer Masterarbeit für das Studium „Advanced Integrative Health Studies“ konnte die Diätologin Katharina Auer, MSc die Wirksamkeit des Ernährungsscreenings, so wie es im St. Josef-Krankenhaus – aber auch in anderen Häusern der Vinzenz Gruppe – eingesetzt wird, nun bestätigen. Die Arbeit wurde vor Kurzem im Rahmen des österreichischen MTD-Innovationspreises 2015 ausgezeichnet.

MP 01|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-02-26